Templer, Drachen und vogelhassende Golems

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„Dragon Age: Origins" ist eines der besten Rollenspiele des Jahres. Liebhaber des Klassikers "Baldurs Gate" werden ihre Freude haben.

Ein Rollenspiel in einer Welt voller Zwerge, Elfen, Drachen und Monster, das ist nichts Neues und beinahe so einfallsreich wie die Weltkriegsthematik bei Ego-Shootern. Ein klassisches Rollenspiel mit ausgefeilter Story, lebensechten Charakteren und großen Entscheidungen, das gab es jedoch länger nicht mehr: „Dragon Age: Origins" im Test. Von Jan Schmitt

Es ist Nacht und auf einer kleinen Lichtung im Wald treiben sich einige Personen herum. Ein Lagerfeuer brennt und mehrere Zelte künden von einer kleinen Station der Ruhe in einem Land, dass dem Untergang geweiht scheint. Der Grund dafür ist eine neue Verderbnis, wie der Angriff der zahlreichen Monster genannt wird, die unter den Schwingen eines drachenartigen Erzdämons das Land heimsuchen. Dörfer wurden niedergebrannt, Armeen aufgerieben und Gerüchte besagen, dass selbst der König gefallen ist.

Spieler, die das Geschehen lieber aus sicherer Entfernung betrachten, haben dazu ebenso die Möglichkeit, wie Spieler, die gerne mitten im Geschehen sind.

Doch hier, hier im Lager herrscht kurzfristig Frieden. Dabei könnten die Leute nicht unterschiedlicher sein. Eine bösartige junge Hexe, ein zynischer und schwer gerüsteter Templer, ein vogelhassender Golem und eine junge Bardin sind ebenso vertreten wie der Meuchelmörder mit dem Lederfetisch, eine alte Magierin und ein betrunkener Zwergenberserker. Am Rand der Lichtung preist sogar ein reisender Händler seine Waren an, während ein Kampfhund Wache hält. Das Lager ist Rückzugs- und Regenerationspunkt für die Heldengruppe, die loszog den Orden der "Grauen Wächter" wieder aufzubauen und die Verderbnis zurückzuschlagen.

Mit Hexe Morrigan lässt sich gar eine Beziehung eingehen - vorrausgesetzt Ihr Charakter ist männlich.

Wir haben Stunden in diesem Lager verbracht. Haben unsere Gruppe ausgerüstet, mit Geschenken überhäuft, Geschichten gelauscht, so manchen verstimmt und mit anderen Freundschaft geschlossen. Sogar eine Beziehung lies sich aufbauen. Doch wozu das alles? Nicht aus Langeweile, nicht aus Frustration, nein, einfach, weil wir eine Geschichte erleben wollten. Und das was Entwickler Bioware da aus dem Hut gezaubert hat, verdient wirklich den Begriff „Rollenspiel".

Bei Spielstart entscheiden Sie sich für eines von drei Völkern (Mensch, Zwerg, Elf) sowie jeweils zwei unterschiedlichen Herkunftsgeschichten. Je nachdem woher ihr Charakter stammt, erlebt er die ersten zwei Spielstunden unterschiedlich und wird im späteren Spielverlauf anders behandelt. Ein naturverbundener Dalish-Elf wird etwa von anderen Elfen gerne gesehen, dafür stehen ihm Menschen verschlossener Gegenüber. Haben Sie ihr Volk und Ihre Herkunft aus den sechs Möglichkeiten gewählt, so dürfen Sie sich noch zwischen einer von drei Klassen (Schurke, Magier, Krieger) sowie dem Geschlecht entscheiden.

Golem Shale ist ein Gruppenmitglied, dass Sie nur durch das kostenpflichtige Erweiterungspaket „The Stone Prisoner" bekommen - das ist jedoch in jeder Version automatisch dabei.

Das Aussehen des Charakters wird noch kurz per Schieberegler eingestellt, dann geht es auch schon an Fertigkeiten und Talente. Während die Fertigkeiten (etwa Kriegskunst, Alchemie oder Fallenbau) von jedem Charakter erlernt werden können, unterscheiden sich die Talente je nach Klasse. Schurken können schleichen, stehlen und Schlösser knacken, Magier sich dagegen etwa auf Heil- oder Frostmagie spezialisieren.
Schon bei Spielstart fällt die nähe zu Rollenspielklassikern aus früheren Zeiten auf. Die Gebiete sind größtenteils linear, die Ansicht lässt sich von „direkt im Geschehen" bis hin zur Vogelperspektive regulieren. Gesteuert wird mit einer Mischung aus Maus und Tastatur beziehungsweise Controller, und Kämpfe lassen sich jederzeit pausieren. Auf dem PC ist die Steuerung jedoch einen Tick genauer und so erscheint das Abenteuer ein wenig schneller und flüssiger.  Einige Stunden später ist Ihr Charakter schließlich einer der „Grauen Wächter" und ihm folgen bis zu drei Begleiter. Welche das sind, das entscheiden Sie.

Im Laufe des Abenteuers begegnen Sie vielen Gegnern - unter anderem diesen Drachen.

Während es für Kämpfe natürlich sinnig ist einen dick gepanzerten Krieger in der ersten Reihe zu haben, während Nah- und Fernkämpfer die Feinde auseinandernehmen und ein Heiler unterstützend wirkt, sieht das in Gesprächen ganz anders aus. Jedes Ihrer Gruppenmitglieder hat einen eigenen Charakter, eigene Vorlieben, eine eigene Geschichte und teilweise sogar einen eigenen Auftrag. Während Hexe Morrigan es beispielsweise kategorisch ablehnt, einfach jedem zu helfen, ist Bardin und Gläubige Leliana anderer Ansicht und verurteilt Sie, falls Sie die Bitte eines Bettlers ablehnen. Haben Sie nun beide Damen in der Gruppe, verscherzen Sie es sich zwangsläufig mit einer von beiden. Das schlägt sich in einem Symphatiebalken wieder.

Helfen Sie den Armen, so steigen Sie bei Leliana in der Gunst, während Morrigan Punkte verliert. Ist der Symphatiebalken hoch genug, so gibt es Boni wie verbesserte Stärke oder gar Beziehungen - fällt er in den Keller, so können sich Gruppenmitglieder von Ihnen abwenden und die Gruppe verlassen oder sich gar gegen Sie stellen. Ab und zu finden Sie jedoch besondere Geschenke, die - je nach Vorliebe des beschenkten Charakters - eine unterschiedliche Wirkung haben. Während Morrigan sich mit Schmuck und dämonischem Zubehör zufrieden stellen lässt, sammelt Söldner Stan Gemälde und Golemdame Shale seltene Steine.

Ab und zu geht in Kämpfen die Übersicht verloren, eine Pause-Funktion hilft.

Generell ist die Interaktion mit den Charakteren einer der Höhepunkte des Spiels. Während der Reisen unterhalten sie sich untereinander, bei Gesprächen schalten sie sich oftmals ein und im Lager erfahren Sie - genug Feingefühl in den Gesprächen vorausgesetzt - mehr über die Hintergründe der Charaktere. Auch die Hauptgeschichte fesselt an den Bildschirm und lässt sich per Entscheidungen regulieren.

Die Kämpfe in „Dragon Age:Origins" sind eher taktisch gehalten. Per Tastendruck pausiert das Geschehen und Sie können ihren Charakteren Befehle erteilen. Über ein Taktikmenü lassen sich gar komplizierte Manöver einstellen und abspeichern. So heilt sich unser Krieger etwa sofort mit einem Wundverband, falls seine Gesundheit unter 30 Prozent fällt, während unser Schurke automatisch Gegner betäubt, die sich gegen unsere Heilerin wenden. Je nach ausgewähltem Schwierigkeitsgrad variiert der Taktikanteil dabei stark. Während bei „leicht" das einsetzen von Giften, Tränken und der Pausefunktion fast nicht notwenig ist, kommt ein Kampf im Level „Alptraum" dagegen als reinster Diavortrag zu Tage. Nach jeder Aktion wird pausiert, jeder Gegner genaustens berechnet. Für erledigte Aufträge und gewonnene Kämpfe erhalten alle Charaktere Erfahrungspunkte, die sich zu Stufenaufstiegen summieren und somit neue Talente, Fertigkeiten und Klassenspezialisierungen freischalten.

Dragon Age: Origins

Ab 18 Jahren

Erhältlich für: PC, Xbox360, PS3

Homepage 

Die Spieldauer des Titels ist mit 40 bis 70 Stunden (beim ersten Durchlauf) sehr hoch und durch die zahlreichen Begleiter, die enorme Entscheidungsvielfalt und die große Anzahl an Talenten sackt auch die Langzeitmotivation so schnell nicht ab. Die Dialoge sind komplett vertont (nur der eigene Charakter spricht nicht) oftmals witzig und durchweg gut gelungen und auch bei Soundeffekten und Musik gibt es nichts zu bemängeln. Einzig die Umgebungsgrafiken wirken ein wenig verwaschen und trügen das Gesamtbild ein wenig.

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