Gemächliches Abenteuer in Aventurien

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Das klassische Rollenspiel „Drakensang - Am Fluss der Zeit" entführt den Spieler in die Welt Aventurien und lässt den Spieler zahlreiche Abenteuer erleben.

Zwerge, Elfen, Orks und eine wunderschöne Fantasywelt. „Drakensang - Am Fluss der Zeit" kommt mit der beliebten „Das Schwarze Auge“-Lizenz daher und gibt sich auch sonst als ganz klassisches Rollenspiel. Doch kann es auch überzeugen? Von Jan Schmitt

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Das im Jahre 2008 erschienene „Drakensang“ war das erste Spiel, das jemals mit dem „Deutschen Computerspielpreis“ in der Kategorie „Bestes deutsches Spiel" ausgezeichnet wurde. Trotz vieler kleiner Mäkel, wie beispielsweise langwieriger Laufwege, schnitt das Spiel auch in der Fachpresse durchweg gut ab. Nun erschien der Nachfolger „Drakensang - Am Fluss der Zeit" und versucht mit seinen zahlreichen Verbesserungen die hohen Erwartungen der Spielergemeinschaft zu erfüllen. Wir haben uns das Werk der Berliner Spieleschmiede „Radon Labs" einmal angeschaut.

Zwerg Forgrimm gibt sich klischeehaft. Der kleine Mann verträgt eine Menge Bier, trägt Bart und Helm und würde mit Vorliebe alles in Stücke schlagen, was sich ihm in den Weg stellt. Das ist oftmals der menschliche Dieb Cuano, mit dem Forgrimm gezwungenermaßen auf seinen Reisen ist. Als Streitschlichter fungiert dabei oft der Edelmann Ardo von Eberstamm, der das Dreiergespann zusammenhält und immer wieder auf ihre Aufgabe aufmerksam macht: Einen Gegenstand finden. Welcher das ist - und warum die drei ihn überhaupt suchen - das erfährt der Spieler erst im Laufe der Geschichte von „Drakensang - Am Fluss der Zeit", dass 23 Jahre vor seinem Vorgänger spielt.

Im Expertenmodus können Zahlentüftler Stunden verbringen

In der höchst umfangreichen Charaktererstellung kann der Spieler aus über 20 Klasse-Archetypen wählen und sein Volk festlegen.

Zuerst einmal geht es sowieso an die höchst umfangreiche Charaktererstellung. Ganz klassisch hat der Spieler hier die Wahl über Volk, Geschlecht, Aussehen und Klasse. Dank über 20 Archetypen gestaltet sich insbesondere die Entscheidung über letzteres als kleine Qual. Lieber einen klassischen Schurken - einen charismatischen Streuner beispielsweise - oder doch dem neu dazugekommenem zwergischen Geoden? Wer lieber ohne große Taktik draufhält, entscheidet sich schlussendlich wohl für einen klassischen Krieger, egal ob Soldat oder Barbar. Ist die Klasse gewählt, so lassen sich noch einzelne Werte verändern und Stärken/Schwächen zuweisen. Insbesondere im Expertenmodus können Zahlentüftler hier Stunden verbringen.

Nach der Wertekonfiguration beginnt das Abenteuer erst richtig. Direkt an Trolle, Drachen oder sonstige Fantasy-Ungetüme sollte man allerdings nun nicht denken. Stattdessen erwacht der Spieler auf einem kleinen Schiff. Da sich die Spielfigur verpflichtet hat, auf dem Schiff zu helfen, wird sie direkt abkommandiert, um brennende Pilze für das Lagerfeuer zu suchen - nicht gerade heldenhaft. Viel heldenhafter sind da schon die drei tuschelnden Herrschaften etwas abseits. Ein klischeehafter Zwerg, ein aalglatter Dieb und ein Edelmann.

Handlug kommt nur langsam in Fahrt

Fein gerenderte Zwischensequenzen führen die Handlung fort und sorgen für Atmosphäre.

Im Laufe der folgenden Stunden kommt es schließlich, wie es kommen muss: Flusspiraten greifen das Schiff an und der eigene Held tritt dem Dreiergespann rund um Forgrimm, Cuano und Ardo bei. Zusammen begibt sich das Quintett auf die Reise in die Hafenstadt Nadoret und an zahlreiche andere Orte, die am Ufer des großen Flusses liegen. Dabei kommt die Handlung nur langsam in Fahrt, insbesondere, wenn der Spieler den Großteil seiner Zeit erst einmal damit verbringt, allerlei Krimskrams aufzusammeln (den gibt es an jeder Ecke), damit seine Berufe zu steigern (vom Schmied, bis zum Heilkundigen) und die eher seltenen und kurzen Nebenaufgaben zu erledigen.

Etwas abseits von Nadoret stoßen wir auf eine Frau, die erzählt, sie hätte sich vergiftet. Um sie vor dem Tod zu bewahren, benötigen wir ein paar Pflanzen. Da wir allerdings schon seit Stunden jede Pflanze aufklauben, die auf unserem Weg liegt, können wir ihr direkt den Grünkram in die Hand drücken und der Auftrag ist beendet. Andere Missionen - etwa die klassenspezifische Ausbildung oder das auskundschaften einer Zollfeste - dauern ein wenig länger und erfordern sowohl viel freien Platz im Inventar (wir erwähnten den Krimskrams), als auch große Entscheidungen. Lieber mit Zwerg Forgrimm das Tor der Feste einschlagen oder mit Dieb Cuano durch den Keller schleichen? Jede der Entscheidungen wirkt sich auf die Handlung aus und lässt einen anderen Teil des Spiels erleben.

Der Tod kommt nach vier Wunden

In den Kämpfen (hier gegen eine Horde Orks) lässt sich das Spiel jederzeit pausieren. Bis die Charakter auf die Befehle reagieren dauert es jedoch oft mehrere Sekunden.

Von den vier Charakteren, die bereit sind dem Team beizutreten, lassen sich maximal zwei mit auf die Reise nehmen. Je nach Auswahl ihrer Charakterklasse, sowie einer Entscheidung relativ früh im Spiel, legt sich so den Schwierigkeitsgrad fest. Während sich die Begleiter in den gut vertonten Gesprächen eher seltener einmischen und der eigene Charakter diese somit auch gut alleine angehen kann, lassen sich in den oft fummeligen Kämpfen Probleme mit den falschen Begleitern kaum vermeiden. Wer niemanden an seiner Seite hat, der über die Zauber zur Heilkunst von Wunden und Gift verfügt, der scheitert in der Regel schon bei einer simplen Nebenaufgabe, die uns einen Keller voller Ratten auslöschen lässt. Neben dem herkömmlichen Schaden verteilen die Viecher nämlich auch gerne einmal Gift (das dauerhaft schwächt oder Schaden zufügt) sowie Wunden. Letztere stapeln sich und führen nach der vierten Wunde zum sofortigen Tod. Dank einer Pause-Funktion und dem generell eher langsamen Kampftempo ist zwar genug Zeit um Befehle zu geben, allerdings dauert es oftmals eine ganze Weile, bis der Charakter die Aktion auch ausführt. Das lief im Epos „Dragon Age: Origins" definitiv besser.

Technisch lässt sich kaum etwas bemängeln

Auf dem umfangreichen Charakterbogen lassen sich Talente verbessern und so zum Beispiel mehr Schaden anrichten.

Generell ist „Drakensang - Am Fluss der Zeit" etwas langsamer als andere Genrevertreter. Durch das umfangreiche Pen&Paper-Regelwerk, wirkt das Spiel besonders zu Beginn ein wenig arg komplex. Spieler, die sich nicht auskennen, wissen oftmals nicht, welche Waffe am besten für ihren Charakter ist. Zumal sich - je nach Klasse und Fertigkeitsausbau - nur manche Waffenarten wirklich lohnen. Nach kurzer Einarbeitungszeit und den ersten storyrelevanten Aufträgen entfaltet sich allerdings das volle Potential des deutschen Titels. Die wichtigen Entscheidungen, die vielen Charakterklassen und die freie Wahl über ihre Fertigkeiten, Berufe und Talente fördert zudem den Wiederspielwert - auch wenn das Abenteuer kürzer ist als der Vorgänger und das Ende eher unbefriedigend daherkommt.

Technisch lässt sich kaum etwas bemängeln. Die Grafik ist zwar nicht atemberaubend, jedoch durchaus gut und lässt insbesondere in atmosphärisch beleuchteten Wäldern ihre Muskeln spielen, während der melodische Soundtrack, sowie die komplett vertonten Dialoge ein wahres Feuerwerk für die Ohren sind. Lediglich ein paar mehr Sprecher, sowie mehr Interaktion mit Zivilisten hätten wir uns gewünscht. Mehr als einen Standardsatz bringen diese oftmals nicht heraus. Die Steuerung mit Maus und Tastatur geht gut von der Hand und dank Schnellreisefunktion entfallen auch die Klickorgien aus dem Vorgänger, lediglich bei Kämpfen ist es ein wenig fummelig ihrem Heldengespann die Ziele und Aktionen zuzuweisen.

Drakensang - Am Fluss der Zeit

Ab 12 Jahren

Erhältlich für: PC

Homepage

Schlussendlich ist „Drakensang - Am Fluss der Zeit" ein gutes, klassisches Rollenspiel. Wer gerne in einer fast märchenhaften Fantasywelt versinkt und auch gerne mal über Zahlenwerte und Charakterausbildung grübelt, der findet hier seine Erfüllung. Fans der „Gothic"- oder „Neverwinter Nights"-Serien werden jedoch genauso enttäuscht, wie Spieler von Biowares „Dragon Age - Origins". Um mit diesen Titeln zu konkurrieren fehlt es dem Berliner Werk dann doch ein wenig an Dramatik, Atmosphäre und Einsteigerfreundlichkeit.

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