New York in Grün - Endzeitabenteuer mit ungleichem Duo

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Ein Action-Adventure mit vielen Kletterpassagen, Kämpfen und zwei grundlegend verschiedenen Helden. Kann das klappen? Ja!

Ein muskelbepackter Held, eine hilflose Heldin, ein magischer Kampfstab und ein postapokalyptisches New York mit allerlei Robotergesocks. Was wie ein klischeebeladener Sci-Fi-Roman klingt, ist in Wahrheit „Enslaved - Odyssey to the West. Von Jan Schmitt

Denkt man an postapokalyptische Spiele oder Filme, wie das neue „Fallout New Vegas“ oder Denzel Washingtons „The book of Eli“, so denkt man in der Regel an karge, staubige Wüsten, ausgestorbene Städte, raue Sitten unter den letzten Überlebenden und Tod und Verderben, wohin man auch schaut. Legt man „Enslaved“ ins Laufwerk der heimischen Konsole, drückt den Start-Knopf und befreit sich in den ersten Spielminuten aus dem Inneren eines fliegenden Gefängnisschiffes, so sucht man erst einmal vergeblich nach den allseits bekannten Zeichen. New York blüht förmlich. Ranken kriechen an Häuserfassaden empor, Ruinen bieten Blumen, Bäumen und Büschen Schutz und knallige Farben erwecken eher den Eindruck eines bunten Dschungelabenteuers – kein Wunder, hatten die Gewächse doch 150 Jahre Zeit zu sprießen.

Die Grafik des Titels ist ungewöhnlich hübsch und vielfältig. Dominieren zu Beginn noch Grüntöne, so geht es später auch über Schrottplätze und an andere, eher triste Orte.

Doch trotz all dieser idyllischen Merkmale ist die Welt der Zukunft gefährlich. Überall finden sich Roboterwesen, die auf Unbekannte sofort das Feuer eröffnen und nur durch den magischen Stab des Hauptakteurs Monkey zum Schweigen gebracht werden können. Dann huscht der muskulöse Ex-Häftling zwischen den oft zahlreichen Gegnern hin und her, fügt mehrere Angriffe zu mächtigen Kombos zusammen, blockt, weicht aus und betäubt Gegner mit Spezialattacken. In „Enslaved“ ist der Kampf elementar - die meiste Zeit, klopft man auf die Blechhaufen und versucht den Salven auszuweichen. In besonderen Abschnitten lässt sich mit dem Stab auch schießen, die Munition dafür ist jedoch rar gesät.

Der Zwang zu helfen

Warum das Ganze? Zu Beginn des Spiels begegnet der Spieler in Form von „Monkey“ der jungen „Trip“. Die junge Frau sabotiert ein Gefangenenschiff, bringt es dadurch zum Absturz und teilt sich - mehr oder weniger freiwillig - mit dem Häftling die Rettungskapsel. Nach einem etwas härteren Aufprall erwacht Monkey schließlich mit einem Sklavenstirnband, dass Trip ihm aufgesetzt hat. Handelt Monkey nun gegen den Willen des Rotschopfes, so schockt ihn das Stirnband. Stirbt sie, so stirbt auch er. Also machen die beiden sich zusammen auf den Weg zu Trips Heimatsdorf und erleben dabei ein Abenteuer, dass sie durch optisch vielfältige Areale führt.

Während die junge Trip sich um Mechanik und Ablenkung kümmert, markiert Monkey den starken Mann und räumt ihr den Weg frei.

Der Punkt, der das Spiel so reizvoll macht, ist die Interaktion zwischen den beiden unterschiedlichen Helden. Nimmt Monkey im Spielverlauf die Rolle des beschützenden, prügelnden Muskelprotzes ein, so hält sich Trip zurück, unterstützt durch Ablenkungsmanöver und sorgt für Dynamik und Humor. Statt die Geschichte nur durch Kamerafahrten und Zwischensequenzen zu erzählen, entschied man sich, spontane Gespräche im laufenden Spiel stattfinden zu lassen. Es wirkt realistisch, wie die beiden miteinander reden, sich danken, angiften, flirten und stets eine gewisse Distanz wahren. Selten erlebte man in einem Spiel - das sonst nicht sonderlich viel Außergewöhnliches zu bieten hat - so eine Freude an simplen Gesprächen.

Grafik und Sound auf hohem Niveau

Enslaved

Erhältlich für: PS3, 360

Ab 16 Jahren Homepage

Grundsätzlich bietet „Enslaved“ also nichts Neues. Alles sah man schon in ähnlicher Form in anderen Titeln. Die meiste Zeit klopft man auf Gegnern herum, meistert die leichten Kletterpassagen oder Rätsel, sammelt rote Kügelchen um neue Fertigkeiten freizuspielen und interagiert mit Trip. Grafik und Sound sind dabei jedoch auf hohem Niveau, die Steuerung geht flüssig von der Hand und auch jüngere Spieler könnten ihren Spaß mit dem Titel haben.

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