Die wohl größte Rennspielgarage der Welt

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Über 1000 Fahrzeuge, teilweise fast fotorealistisch nachgebaut, tummeln sich im neusten Ableger der Rennspielserie. Wer sie alle sammeln möchte, der hat über den Winter genug zu tun.

„Gran Turismo 5“ - ein kurzer Name für ein Spiel, auf das tausende Fans jahrelang warteten, Ankündigungen bejubelten und Verschiebungen verdrängten. Nun ist es endlich da - mit über 1000 fahrbaren Wagen und anspruchsvoller Fahrphysik. Von Jan Schmitt

„Gran Turismo 5“ ist kein Spiel - es ist ein Gigant. Es erschlägt mit Masse, Realismus, Perfektion und besitzt dennoch seine Schwachpunkte. Es ist der Traum jedes Autoliebhabers, der Traum jedes Realismus-Rennspielfans und der Alptraum aller Arcade-Begeisterten. Es ist ein Spiel mit großen Höhen- und mittelschweren Tiefpunkten. Ein Spiel das zeigt, was selbst die alternde Technik der Playstation 3 noch vermag, wenn man sich wirklich Zeit beim Entwickeln und Designen nimmt.

Es zeigt aber auch die technischen Grenzen auf - und, dass es innerhalb von sechs Jahren nicht möglich ist, ein Spiel perfekt zu gestalten, wenn man sich zu viel vornimmt. Entwickler Kazunori Yamauchi erwähnte gar in einem Interview, ein Team hätte für eine einzelne Strecke bis zu zwei Jahre gebraucht, für ein Fahrzeug ganze sechs Monate. Doch kann der Titel die Produktionskosten von 60 Millionen US-Dollar auch wieder einspielen?

Strecken wie hier die legendäre Nordschleife wurden detailliert nachgebaut - doch gegen Strecken in den Großstädten bestehen sie grafisch nicht.

Nachdem man die ersten Stunden auf der Piste verbracht hat, wird eines schnell klar: „Gran Turismo 5“ ist ein Spiel geteilt in zwei Klassen. Während manche Strecken - insbesondere die Städtestrecken durch Madrid oder Rom - fein detailliert und extrem genau nachgebaut daherkommen, siechen andere in Mittelmäßigkeit dahin. Ebenso verhält es sich mit den über 1000 Fahrzeugen. Nur ein Bruchteil davon gehört zu den Premium-Modellen - und nur die besitzen eine Cockpit-Ansicht und ein fast fotorealistisches Design. Es ist zwar geplant, die restlichen Modelle nach und nach umzurüsten - wann und in welchen Abständen das geschieht ist jedoch nicht klar. Auch sorgt die Schattendarstellung oft für Treppchenbildung und unschöne Effekte - ebenso wie 2D-Zuschauer und verwaschene Texturen. Der Titel kann gut, ja, fantastisch aussehen - doch nur, wenn man die richtigen Strecken und Autos wählt.

Stundenlange Schrauberei ist möglich

Im Laufe des Spiels steigt der Spieler in die unterschiedlichsten Boliden. Von Racing-Cars über Pickups bis hin zu herkömmlichen Kleinwagen.

Insbesondere Realismusfans freuen jedoch die schier endlosen Optionen, seinen Boliden anzupassen und Fahrhilfen zu aktivieren. Ein gutes Schadensmodell fehlt zwar, die gute Fahrphysik, bei der man den Unterschied zwischen ein- und ausgeschaltetem ABS und Traktionskontrolle spürt, hilft jedoch schnell darüber hinweg. Insbesondere mit Force-Feedback-Lenkrad spürt man jeden Fehler, wenn der eigene Wagen viel zu schnell in die Kurve rauscht, die Armaturen wackeln und der brachiale Sound die Ohren verwöhnt, während der sehr gute Soundtrack im Hintergrund dahinplätschert. Selbst wenn man gerade nicht im Fahrzeug ist und nicht mit den unterschiedlichen Wirkungen von Sand, Schnee oder Glatteis auf der Strecke kämpft, bietet das Spiel viel: Welches Getriebe nehme ich? Turbolader? Luftfilter? Kompressor? Spoiler? Welche Reifen? Die Auswahl ist riesig.

Die ersten Stunden langweilen eher

Neben einem seichten Streckeneditor, kurzen Rennen im Arcade-Modus und den Mehrspielermodi im Internet wurde der Großteil der Entwicklungszeit auf die Karriere verwendet. Hier startet der Spieler mit einem langsamen Gebrauchtwagen, fährt mehr schlecht als recht Wertungen in den ersten Rennen ein, verdient Preisgelder und arbeitet sich nur mühselig zu besseren Wagen vor. Die ersten Stunden in „GT5“ sind wahrlich nicht Spielspaß fördernd.

Wer hier jedoch schon aufgibt, verpasst das wahre Potential - Premiummodelle und richtige Hochgeschwindigkeitsrennen kommen nämlich erst später im Spiel vor. Leistungseinschränkungen gibt es in den Rennen übrigens nicht - selbst mit einem der schnellsten Wagen kann der Spieler an anfänglichen Rennen teilnehmen und sich schnell an die Spitze setzen - schade nur, dass ein Kontrahent sich immer anpasst und sich mit nach vorne setzt.

Gran Turismo 5

Ab 0 Jahren Erhältlich für: PS3 Homepage

Was gibt es noch? Zeitrennen, eine Option als Rennstallleiter alles zu organisieren und nicht mehr selbst zu fahren, einen Fotomodus, in dem man seine eigenen Boliden geschickt in Szene setzen kann, zahlreiche Communityoptionen, um sich mit Freunden auszutauschen und vieles, vieles mehr. Wirklich alle Möglichkeiten des Spiels hier aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, weswegen wir nur sagen können: Rennspielfans schlagen zu!

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