Elektrisierende Kletterei

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Held Cole hat durch eine Explosion die Macht über Elektrizität erlangt. Nur er hat die Macht Empire City zu retten oder ins Chaos zu stürzen.

Eine gigantische Explosion erschüttert die Millionen-Metropole Empire City. Kurz darauf wird die Stadt isoliert und Anarchie bricht aus. Von Jan Schmitt

Während die Kriminalitätsrate in die Höhe schießt und rivalisierende Banden durch die Straßenschluchten ziehen, erwacht ein Mann inmitten der Explosion mit übermenschlichen Fähigkeiten. Cole MacGrath ist eigentlich ein ganz gewöhnlicher Fahrradkurier. Ein sportlicher Körper, die Haare kurz geschoren und immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Als Empire City jedoch im Chaos versinkt und Cole sich im Zentrum der Explosion befindet, verändert sich schlagartig alles.

Hasserfüllte Blicke werden auf ihn gerichtet, Steine und Flaschen nach ihm geworfen und der wütende Mob beschuldigt ihn der Terrorist zu sein, der für all das Leid  der Stadt verantwortlich sei. Tatsächlich erinnert er sich nur daran, dass er ein Paket abgeben sollte und plötzlich alles in blendendes Licht gehüllt wurde.

Zahlreiche bewaffnete Bandenmitglieder (hier Reaper) wollen Cole  an den Kragen.

Doch die Explosion hatte auch seine Vorteile - zumindest für Cole. Ein leises Knistern ist in seiner Nähe zu vernehmen, Blitze zucken zwischen seinen Fingern umher und setzt ihm der Mob einmal zu stark zu, so reicht ein Elektrokasten oder auch eine Autobatterie um ihn wieder zu stärken. Cole ist unfreiwillig zu Superkräften gekommen. Held oder Bösewicht liegt ganz bei Ihnen. „inFamous" ist quasi eine Mischung aus „Spiderman", „Assassins Creed" und „Grand Theft Auto". Sie bewegen sich durch eine frei erkundbare Welt, besitzen Superkräfte und klettern an Häuserfassaden entlang. Wirkliche Innovation sollte man also nicht erwarten, dafür brilliert der Titel mit der gelungenen Mischung.

Das Spiel beginnt kurz vor der Katastrophe und erklärt Ihnen in den ersten Minuten die Steuerung. Als schließlich die Explosion losbricht, erklärt eine der - übrigens schön gezeichneten - Zwischensequenzen die aktuellen Geschehnisse. Noch oft im Spiel werden Sie auf diese Art der Story-Fortführung treffen, anders als in vielen anderen Titeln, passt der Umschwung von Spiel- zu Comicgrafik allerdings sehr gut. Die Steuerung von Cole geht sehr schnell ins Blut über. Jeder Befehl erfolgt ohne Verzögerung und wird punktgenau ausgeführt. Das ist auch nötig, denn besonders bei den Klettereien an Häuserfassaden ist punktgenaue Steuerung der Schlüssel zum schnellen Erfolg. Stürzen Sie dennoch einmal ab, so ist das auch kein Beinbruch. Durch die Mutation kann Cole so tief fallen wie er will, er nimmt keinen Schaden.

Selbst auf Gleisen und Zügen warten Feinde. Auch sie haben teilweise übermenschliche Fähigkeiten erlangt.

Überall in Empire City lassen sich Auftragsgeber finden. Das sind sowohl Freunde von Cole wie Exfreundin Trish oder Kumpel Zeke, als auch Zivilisten die Probleme mit den umherziehenden Banden haben. So muss die Wasser- oder Stromversorgung wieder hergestellt oder ein Krankenhaus von Bandenmitgliedern (die teilweise auch übermenschliche Fähigkeiten erlangt haben) befreit werden. Immer mal wieder gibt es Entscheidungsmomente, in dem Sie wählen, ob Sie lieber gut oder böse agieren. Helfen Sie den Polizisten gegen Bandenmitgliedern oder schlagen Sie die Polizisten einfach nieder, nehmen sich Ihre Belohnung und huschen dann schnell davon? Je nachdem wie Sie sich entscheiden, wächst ihre Moralanzeige in die eine oder andere Richtung.

Für besiegte Feinde und erledigte Aufträge erhält Cole Erfahrung, die er in Fertigkeiten investieren kann.

Haben Sie eine von sechs Stufen erreicht, so schalten Sie damit neue Aufträge und Fertigkeiten frei. Fertigkeiten wie Energiegranaten, eine verbesserte Druckwelle oder erhöhte Lebensenergie kosten jedoch wiederrum Erfahrung, die Sie nur durch Aufträge und das besiegen von Feinden erlangen. Es lohnt sich also jeden Auftrag zu machen. Sind alle Storymissionen in einem Teil der Stadt erledigt, so werden Sie automatisch in Richtung des nächsten Viertels gelotst. Hier warten nun weitere Aufträge, andere Gegner und eine Fortführung der Story.

Den Hauptreiz des Spiels macht das ungewohnte Tempo und die Bewegungsfreiheit aus. Im Affenzahn erklimmt Cole Gebäude, schießt mit Blitzen Gegner von den Dächern und gleitet über Elektroleitungen oder Bahnschienen. Zerstörbare Objekte wie Autos, Tankstellen und Kanister sorgen zudem für eine taktische Komponente. Lieber die Bandenmitglieder schocken und dann fesseln oder einfach ein Auto zu ihnen schleudern und dann explodieren lassen? 

inFamous

Freigegeben ab 18 Jahren Erhältlich für: Playstation 3

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Die Gegner in „inFamous" agieren intelligent und gehen bei Beschuss in Deckung. Zwischengegner wie ein riesiger Golem und eine magisch begabte Furie sorgen für einen zusätzlichen Adrenalinkick. Auch die Atmosphäre leidet nicht unter der offenen Welt. Während die Hauptcharaktere auf unsere moralischen Entscheidungen reagieren und Zivilisten einen entweder bejubeln oder panisch davonlaufen, bekommt Cole immer wieder Wahnvorstellungen und findet über die Stadt verstreute Tonbandaufnahmen, die die Katastrophe näher erläutern. Wer also gerne durch eine offene Welt klettert, dabei schöne Musik genießt und effektvolle Kämpfe bestreitet, der ist bei „inFamous" an der richtigen Adresse.

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