Mit Stofffiguren durch die Patchwork-Welt

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Es ist auch nach knapp zwei Jahren auch noch ein Titel, der als Kaufgrund für die Playstation 3 gilt: Little Big Planet.

Als vor einigen Wochen das PS3-Abenteuer „Little Big Planet“ angekündigt wurde, war die Freude groß. Das ist bei Spieleankündigungen nichts neues, doch das charmant-kreative Jump'n'Run von 2008 begeisterte Millionen Spieler weltweit und gab dem Spieler erstmals in der Konsolengeschichte die Möglichkeit eigene Welten zu kreieren. Ein Rückblick. Von Jan Schmitt

Experimente in der Games-Branche werden in der Regel eher schlecht aufgenommen. Zu große Angriffsfläche bieten Projekte, die sich auf anderen Pfaden als dem des Einheitsbrei bewegen, zu hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass den Spielern das Projekt zu außergewöhnlich ist und eventuell nicht gefallen könnte, zu groß der finanzielle Schaden, wenn das Projekt keine Käufer findet. Schlicht: Der Großteil innovativer Spieleideen kommt von kleinen Indie-Studios ohne großen finanziellen Aufwand und großartige Werbekampagnen. Ganz anders „Little Big Planet“, ein Spiel, dass vom großen Publisher Sony vertrieben wird und dennoch mit einer Fülle von kreativen Ideen daherkommt.

Nach und nach kann der Spieler seinen Sackboy weiter verfeinern. Doch auch die unbekleidete Version bietet genug Grund zum Schmunzeln.

Dabei ist das Spielprinzip gar nicht einmal so ausgefallen. Springen wie in „Mario“, kreativ sein wie in „Spore“ und Level bauen wie Skaterparks in den „Tony Hawk“-Titeln. Außergewöhnlich wird das Spiel durch seinen Patchworkcharakter. Statt eines fest vorgegebenen Helden, schlüpft der Spieler in einen sogenannten „Sackboy“, der sich nach den eigenen Vorlieben anpassen lässt. Jeansstoff oder Jute? Knopfaugen oder Brille? Aufgenähter Bart, Hut oder Halsschmuck? Und was soll er überhaupt anhaben? Im Laufe des Spiels stößt man immer wieder auf neue Gestaltungsoptionen, die es erlauben die Spielfigur zu verfeinern und nach den eigenen Wünschen zu gestalten.

Ein wenig seltsam wirken die unterschiedlichen Level schon, doch auch die Spieler können zum Baukasten greifen und eigene Ideen einbringen.

Diese Innovation spiegelt sich auch in den insgesamt 50 Leveln mit steigendem Schwierigkeitsgrad wider. Nichts sieht wirklich aus, als würde es zueinander passen, alles ist meist leicht comichaft gehalten und der humorvolle Sprecher unterlegt die hüpf- und rätsellastigen Level passend. Es erinnert ein wenig an Mario, wenn der Sackboy durch die kunterbunte 2D-Welt springt, Kisten hin und herschiebt und sich die Physik zu Nutze macht um an die große Menge an Geheimnissen zu kommen. Jedes Level lässt sich übrigens unendlich oft spielen, viele Extras lassen sich beim ersten durchspielen gar nicht ergattern. Nur, wenn man die richtigen Aufkleber gefunden hat, lassen sich bestimmte Punkte in der Spielwelt damit bekleben und somit zum Leben erwecken.

Damit das Rätseln und Hüpfen nicht ganz so langweilig wird und die ganze Familie etwas von den Figuren hat, ist es möglich, mit bis zu vier Spielern vor einer Konsole im kooperativen Modus herumzuturnen. Nur dann öffnen sich besondere Abschnitte. Insbesondere die kleinen Details machen das kooperative Spielen zum Hit für jede Party. Per Knopfdruck können die Figuren ihren Gesichtsausdruck ändern oder Kopf, Körper und Arme unabhängig voneinander bewegen, was zu höchst nutzlosen aber spaßigen Angelegenheiten führen kann.

Selbermachen kann jeder

Der Part, der „Little Big Planet“ jedoch zum absoluten Hit macht, ist der Baukasten-Modus. Erklärt ein ausführliches Tutorial zu Beginn noch jeden einzelnen Handgriff, so lassen sich innerhalb von wenigen Minuten ganze Level mit Geheimnissen, Tricks und unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad bauen. Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt, tausende von Gebieten lassen sich per Anschluss ans Internet herunterladen und kooperativ durchspielen. Ein wirkliches Spielzeitlimit gibt es also nicht, wächst das Universum doch auch nach zweijährigem Bestehen beständig weiter.

Little Big Planet

Ab 6 Jahren Erhältlich für: PS3 Homepage

Für Jump'n'Run-Nostalgiker, Bastler, Familien und Knuddelfanatiker eignet sich das Spiel also prima, Sound und Grafik harmonieren in wunderschönem Einklang und die Steuerung geht leicht von der Hand, sieht man von ein paar schwammigen Versuchen beim Ebenenwechsel ab. Bis der Nachfolger „Little Big Planet 2“ voraussichtlich Ende des Jahres erscheint, bleibt noch genug Zeit um einmal in den Vorgänger hineinzuschauen. Es lohnt sich!

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