Rätseln wie Indiana Jones

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„Lost Horizon" ist in etwa das, was man von einem klassischen Point&Click-Adventure erwartet. Rätsel, Gespräche, schöne Hintergründe, tolle Sprecher und eine filmreife Inszenierung.

Sieben Kapitel voller Nazis, ein mysteriöses Artefakt im verschneiten Tibet, ein Hauptcharakter mit Dreitagebart und eine Geschichte, die diesen über den Globus der 30er-Jahre hetzt. Klingt nach Indiana Jones? Falsch gedacht! „Lost Horizon“ im Test. Von Jan Schmitt

Die Hintergründe sind allesamt liebevoll gezeichnet und passen hervorragend ins Spielgeschehen. Interaktive Gegenstände sind zudem recht leicht zu erkennen.

Fenton Paddock ist der typische Abenteurertyp. Smart, draufgängerisch, ehrgeizig, eigenwillig und - natürlich - ein Schönling. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wird er jedoch unehrenhaft aus der britischen Armee entlassen und gerät in allerlei Schwierigkeiten. Zum einen wären da die chinesischen Triaden, die ihn im Hafenbecken versenken, weil er in illegale Geschäfte in Hongkong verwickelt ist, zum anderen schickt ihn der britische Gouverneur nach Tibet um eine verschollene Forschergruppe zu finden. Natürlich überlebt Paddock den Mordanschlag, nimmt den Auftrag an - und hat damit noch mehr Probleme. Paddock ist nämlich nicht der einzige, der die Gruppe sucht. Nachdem bekannt wurde, dass die Forscher wohl auf ein mächtiges, wohl möglich kriegsentscheidendes, Artefakt gestoßen sind, schließen sich die Nazis der Suche an und machen dem Hauptcharakter das Leben schwer.

Charaktere bleiben ein wenig blass

Im Laufe der sieben Kapitel geht es um die halbe Welt. Rätsel und Gespräche gibt es überall - ein zuschaltbares Hilfemenü, sowie das Anzeigen von wichtigen Gegenständen auf Knopfdruck, helfen bei Problemen auf die Sprünge.

In den kommenden sieben Kapiteln des klassischen Point&Click-Adventures rätselt sich der Spieler im Körper des charmanten Draufgängers über den halben Globus, besucht dabei Orte wie Marokko, Hongkong oder Berlin, fügt zahlreiche Gegenstände zusammen und umschwärmt die Chinesin Kim. Schade nur, dass trotz der tollen Inszenierung mit zahlreichen Zwischensequenzen, Kamerafahrten und der durchaus interessanten Blickwinkel die Charaktere ein wenig blass bleiben. Fühlt man mit Hauptcharakter Fenton Paddock noch mit, so wirkt Begleiterin Kim schon ein wenig hintergrundlos, die Nebencharaktere fast vernachlässigbar und die bösen Nazis schlichtweg zu nett. Ein wirkliches Gefühl der Bedrohung, der Beklemmung, der Angst kommt somit nicht auf. Viele Charaktere, die wohl böse sein sollten, wirken in der Regel lachhaft.

Rätsel langweilen

Den Großteil der Spielzeit in „Lost Horizon“ verbringt der Spieler damit, Inventarrätsel zu lösen. Da werden Gegenstände miteinander kombiniert, mit der Umgebung verbunden oder auch mal feindlichen Kampffliegern die Cockpitscheiben während des Fluges verschmiert. Doch so spannend und aufregend die Umstände auch manchmal sind: Die Rätsel langweilen und könnten definitiv schwieriger sein. In der Regel wird man direkt auf des Rätsels Lösung gestoßen, oftmals kommentiert Paddock das Geschehen zudem. Die zuschaltbare Hot-Spot-Anzeige ist zwar komfortabel, aber wäre aufgrund des niedrigen Schwierigkeitsgrades und der gut sichtbaren Gegenstände nicht nötig gewesen. Anfänger im Adventure-Genre werden durchaus ihren Spaß haben, Profis lächeln jedoch nur müde.

Eines der vielen Rätsel besteht daraus einen feindlichen Kampfflieger loszuwerden. Also wird schnell ein wenig kombiniert und dem Piloten die Scheibe verschmiert.

Ein weiterer, wichtiger Punkt bei Adventures sind die Konversationen mit anderen Charakteren. Diese sind in „Lost Horizon“ erstklassig mit bekannten Sprechern vertont und unterhalten durchaus, sind jedoch für den Spielverlauf nur bedingt von Belang. Klassische Dialogrätsel gibt es selten, der Großteil der Konversationen verdichtet schlichtweg die Atmosphäre, versorgt mit Hintergrundinformationen und plätschert vor sich hin. Per Rechtsklick lassen sich Sätze jedoch vorspulen - wichtige Informationen verpasst man so oder so kaum. Grafisch lässt sich „Lost Horizon“ ebenfalls zwiespältig betrachten. Einerseits sind die Umgebungen und Hintergründe wunderschön anzusehen und lassen das Abenteuer zu einem gezeichneten Höhepunkt werden, andererseits können die Charaktermodelle nicht mithalten, wirken kantig, detaillos und auswechselbar.

Fazit

Lost Horizon Ab 12 Jahren Erhältlich für: PC

Homepage

Trotz der kleinen Mängel ist „Lost Horizon“ durchaus für Adventure-Einsteiger zu empfehlen. Profis oder Spieler der „Geheimakte“-Titel des gleichen Entwicklers werden jedoch unterfordert sein. Wer sich das Abenteuer in der Erstauflage zulegt, muss aktuell zwar mit technischen Problemen (Grafikfehler, Soundfehler, Abstürzen) rechnen, erhält dafür jedoch eine hochwertige Kartonverpackung samt Falt-Flugzeug, ein 80 Seiten starkes Handbuch, ein Wendeposter und die Ur-Fassung von „Lost-Horizon“ auf der Spiel-CD in Schallplattenoptik.

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