Stille Geschichtenerzähler in mechanischer Welt

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Keine Sprachausgabe, keine Dialoge, keine besondere Grafikengine: „Machinarium" erklärt die Handlung mit Symbolik und ist mehr Kunst als wirkliches Spiel.

Ein Spiel, dass trotz kleinem Entwicklerteam, winzigem Budget und kurzer Spieldauer zu überzeugen vermag: „Machinarium" ist ein Adventure der anderen Art und trotz kleinerer Macken einen Blick wert. Von Jan Schmitt

Das Adventuregenre lebt normalerweise von seinen kniffligen Rätseln, dem Forscherdrang des Spielers und zahlreichen, oft humorvollen, Dialogen. Mit „Machinarium“ erschien nun ein Titel, der komplett ohne Dialoge oder sonstige Sprachausgabe auskommt und auch sonst nicht mit herkömmlichen Spielen vergleichbar ist.

Als der kleine Roboter Josef in Einzelteilen auf einem Schrottplatz des endzeitlichen Maschinenplaneten erwacht, weiß er noch nicht, welches Schicksal ihn erwartet. Anscheinend wurde er auf den Müll geworfen, doch warum? Nachdem der Spieler mithilfe der klassischen Point&Click-Steuerung Josef wieder zu allen seinen Teilen verholfen hat, ist zumindest klar, dass er eigentlich noch funktioniert. Hat sein Rauswurf aus der naheliegenden Stadt etwa etwas mit den finsteren Gesellen zu tun, an die er sich immer wieder erinnert?

Die Gegenden in „Machinarium" sind trotz ihrer Flash-Programmierung oft schön detailliert und versprühen zusammen mit dem schönen Soundtrack eine dichte Atmosphäre.

Erinnerungen, Gedanken und Ideen des Roboters werden in „Machinarium“ mit Piktogrammen und Animationen in Sprechblasen symbolisiert. Wenn Josef in einer ruhigen Minute an seine große Roboterliebe denkt, eine Roboterfrau ihm aufträgt ihren Blechhund zu suchen oder eine Zigarette hergestellt werden muss, dann entwickelt das Spiel einen ungeheuren Charme und künstlerischen Charakter. Oftmals ist nichtmal auf den ersten Blick klar, was wirklich getan werden muss und auch die verschiedenen Rätsel sind nicht die einfachsten. Abhilfe schafft die Spielhilfe, die als Comic detailliert den Lösungsweg aufzeigt. Wem das noch zu schwer ist, der guckt einfach in die ins Spiel integrierte Lösungshilfe, die jedoch erst per kleinem Minispiel freigeschaltet werden muss.

Gedanken des Protagonisten sowie Gespräche zwischen den Charakteren werden in kleinen, oft witzig animierten Comic-Sprechblasen dargestellt.

Als Roboter hat Josef natürlich auch besondere Fertigkeiten. So kann er sich strecken, klein machen oder auch die Hände ausfahren um an weit entfernte Gegenstände zu kommen, die sich im komfortablen Inventar miteinander kombinieren lassen. Statt mit kompliziertesten Grafik-Engines wurde das Spiel komplett in herkömmlichem Flash realisiert und hat dementsprechend relativ geringe Systemvorraussetzungen. Trotz der simplen Entwicklungsform sieht das Spiel sehr gut aus, was insbesondere am eigenen Stil liegt. Während die 2D-Umgebungen einen eher dunklen und dreckigen Charme versprühen, zeigen die zahlreichen Charaktere und Wesen eine durchaus menschliche und oftmals auch humorvolle Komponente, besonders Josef wächst einem nach einer Zeit ans Herz - und das alles ohne Sprache!

Machinarium

Ohne Altersbeschränkung

Erhältlich für: PC

Homepage

Dennoch wirkt das Spiel in manchen Bereichen ein wenig veraltet. Interaktive Objekte lassen sich nicht auf Knopfdruck anzeigen und eine Schnellreisefunktion zwischen den einzelnen Schauplätzen hätten wir uns ebenso gewünscht, wie die Möglichkeit, aus weiterer Entfernung mit Punkten zu interagieren. Während es also an Komfortfunktionen etwas mangelt, kann man das über Extras nicht sagen. Sowohl der gute Soundtrack auf CD, als auch der Vorgänger „Samorost 2“ und ein Poster liegen dem Spiel bei. Dank seiner Macken und dem ungewöhnlichen Stil ist „Machinarium“ somit der hochgelobte Independentfilm unter den Hollywoodblockbustern.

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