Filmreifes Mafiaepos mit kleinen Schwächen

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Der Vorgänger war ein großer Überraschungshit, nun erschien Teil 2. Mit „Mafia 2" taucht der Spieler in die Unterwelt ein.

Die Cosa Nostra gehört dazu, die Camorra tut es und auch die 'Ndrangheta wird dazu gezählt. Die Sprache ist von der Mafia, eine Verbrecherorganisation, die durch Filme wie „Der Pate“ an Bekanntheit gewann. Mit „Mafia 2“ ist es nun möglich, selbst in die Unterwelt einzutauchen. Von Jan Schmitt

„Mafia 2“ spielt in den 40er und 50er Jahren. Der Zweite Weltkrieg neigt sich dem Ende zu und die ersten Soldaten werden aus Europa abgezogen. Hauptdarsteller Vito Scaletta ist einer von ihnen. Doch wie beginnt man sein Leben neu? Die neu gewonnene Arbeit sagt ihm nicht zu, denn Vito will Geld und Macht - und das will er schnell. Was ein Glück also, dass Kumpel Joe Kontakte zur amerikanischen Mafia geknüpft hat und diese mit guten Gehältern lockt.

Geht es zu Beginn nur darum, ein paar Tausend Dollar für die Geldnöte der eigenen Mutter zu verdienen, so stellt der Protagonist schnell fest, dass man so schnell nicht mehr aus der Mafia heraus kommt - zumindest nicht lebendig. Wäre auch schade, denn sonst würden wir eines der besten Actionspiele der letzten Jahre verpassen.

Die Umgebung ist zu großen Teilen zerstörbar und geht bei Beschuss zu Bruch. So wird aus einem gemütlichen, italienischen Restaurant schnell ein wahrer Trümmerhaufen.

Der Spielbeginn - und somit das Tutorial - von „Mafia 2“ startet actionreich. Vito ist als Fallschirmjäger auf Sizilien stationiert und soll Mussolinis Truppen vertreiben. Per Tastendruck huschen wir in Deckung, schießen, lernen nach und nach mit der Steuerung umzugehen und bekommen dabei einen Blick in die Vorgeschichte des Protagonisten. Das geht alles reibungslos von der Hand, wirkt intuitiv und führt gut in das Spiel hinein, insbesondere, da Vito zurück in Amerika plötzlich nur noch Kisten stapeln soll und der Spieler somit die Intention des Hauptdarstellers gut verstehen kann. Wer möchte schon Kisten für einen Hungerlohn stapeln, wenn man mit Waffen umgehen kann und einen äußerst lukrativen Job vorgeschlagen bekommt? Im Laufe der gut acht- bis zehnstündigen Story arbeitet sich Vito immer weiter nach oben und gewinnt sichtlich an Macht und Geld.

Vito Scaletta ist Held des zweiten Mafia-Spieles. Geld, Macht und Ruhm locken ihn in die Arme der Familie.

Eingeleitet und unterbrochen werden die insgesamt 15 Kapitel, die meist einen Tag des jungen Mannes beschreiben, von grafisch spektakulären, filmreifen Zwischensequenzen - samt toller Kamerafahrten und Detailaufnahmen. 15 Kapitel zu je einem Tag, das klingt weniger als es ist. Und tatsächlich, Teil 1 des Mafia-Epos war umfangreicher, insbesondere, da es „Mafia 2“ an Nebenaufgaben oder Minispielchen wie in der „GTA“-Reihe mangelt. Abseits der Aufträge gibt es in der offen befahrbaren Stadt kaum etwas zu tun, sie ist mehr Kulisse, als wirklich lebendiger Handlungsort. Doch die Art, wie „Mafia 2“ die Kapitel erzählt, ist Spitzenklasse. So startet und endet der Tag in der Regel im eigenen Bett (beziehungsweise zu Beginn auf dem Sofa von Joe) und plätschert nur kurz vor sich hin, bis der tägliche Auftrag eintrifft. Dann werden, begleitet von klassischen Dialogen, Personen abgeholt und zum Zielort gebracht, Sachen verkauft, Verfolgungsjagden bestritten oder Schießereien ausgetragen. Dafür gibt es dann am Ende jedes Kapitels Geld, das in neue Wagen oder Kleidung investiert werden kann. Beides lässt sich jedoch auch schnell und recht unkompliziert klauen.

Das Schadensmodell der unterschiedlichen Boliden kann sich durchaus sehen lassen. Unfälle lassen den Wagen schnell verkratzen oder eindellen.

Doch Vorsicht! Wer einfach Autos stiehlt oder zu schnell fährt, der bekommt es schnell mit der Polizei zu tun. Diese lässt sich bei Kleinigkeiten zwar bestechen, drückt bei Mord aber kein Auge mehr zu und alarmiert Kollegen. Um dann noch zu entkommen hilft nur die Flucht oder ein gutes Versteck - und selbst dann sollte man nicht ohne neues Nummernschild oder neue Kleidung an den Beamten vorbeilaufen. Die Fahrten sind übrigens gut steuerbar, wer möchte, kann zusätzlich den Simulations-Modus anschalten und bekommt somit eine erhöhte Herausforderung. Auch der Sound hält die Qualität und lässt Waffen ordentlich wummern und die Umgebung realistisch krachen, wenn etwas explodiert. Die Sprecher sind zudem erstklassig und verleihen dem Spiel den typischen Mafia-Flair.

Mafia 2

Erhältlich für: PC, PS3, Xbox360

Ab 18 Jahren Homepage

Schlussendlich merkt man „Mafia 2“ nicht viel von seiner offenen Welt an. Zu wenig Beschäftigung gibt es außerhalb der Missionen, zu wenig Gründe, überhaupt etwas anderes als die 15 Kapitel zu spielen. Dadurch geht ein großer Teil an Wiederspielwert verloren; insbesondere, wenn man die teilweise großen Abstände zwischen den Speicherpunkten und den teilweise zu hohen Schwierigkeitsgrad beachtet.

Gezielte Aktionen in einem Kapitel lassen sich so nicht anspringen. Dennoch ist das Spiel zu empfehlen. Die Missionen sind wundervoll und realistisch gestaltet, das Ambiente wirkt wie aus einem Mafiafilm entnommen und die kleinen Handlungen an jedem Tag bleiben einem positiv im Gedächtnis. Wer also Gefallen an klassischer Mafia-Lektüre oder Mafiafilmen hat, der schlägt zu!

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