Kleiner Fleischjunge auf gefährlicher Reise

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Ein Jump&Run mit winzigem, hautlosen Helden, zahlreichen Fallen und einem knackigen Schwierigkeitsgrad. „Super Meat Boy" fordert den Spieler.

Ein zweidimensionales Jump&Run mit einem Helden, der versucht, seine Freundin aus den Klauen des Bösewichts zu retten. Klingt wie Mario, ist aber „Super Meat Boy“ - eine Art kurzweiliges, extrem knackiges Mario mit viel Fleisch, Blut und Wutausbrüchen vor dem Monitor. Von Jan Schmitt

Es klingt so einfach, so simpel, so lächerlich ermüdend. Ein kleiner, quadratischer Held muss durch zahlreiche, kleine Level, um am Ende seine Freundin zu erreichen. Dabei kann er nur springen, laufen und sich von Wänden abstoßen. Waffen hat er keine, Power-Ups braucht er nicht, nur schnell sollte er optimal noch sein. Was kann daran also so schwer sein? Die ersten Level sind auch leicht, da wird mal von links nach rechts gelaufen, kurz gesprungen und sich an einer Wand abgestoßen, um an höher gelegene Orte zu kommen. Die Blutspur, die der kleine Quader hinter sich herzieht wirkt harmlos, es kann einem hier ja schließlich kaum etwas passieren!

Die wenigen Zwischensequenzen sind allesamt schön gezeichnet und bringen zum Schmunzeln. Eine ausgefallene Handlung sollte man allerdings nicht erwarten.

Das ändert sich nach den ersten zehn Level. Laufen, springen, laufen, springen, abstoßen, springen, patsch! Hat es uns wieder erwischt. Warum ist diese Kreissäge denn auch gerade dort, wo wir wieder landen wollen? Und erst diese scharfen Kanten dort unten? Und dort das Feuer? Da der Raketenturm? Da die Laserkanonen? Alles führt zu unserem Ableben und sorgt für eine blutige Masse am Ort unseres Todes. Wir starten erneut, landen am Levelanfang und versuchen es nochmal. Es scheint sogar zu klappen, die Kreissäge wurde umgangen doch... Huch! Was macht der Ventilator denn da? Einmal nicht aufgepasst, schon schleudert er uns quer durch das ganze Level in den Tod.

Im Rausch dem Ziel entgegen

Na komm! Nochmal! Irgendwann muss es doch klappen und wir haben die Freundin von unserem Helden doch schon gesehen! Da oben steht sie, so hilflos und alleine, diesmal klappt das! Wir laufen, springen, stoßen und gleiten also wieder los, überwinden zahlreiche gefährliche Objekte ohne anzuhalten, rasen wie im Rausch durch das Todeslabyrinth und landen direkt neben ihr, stürzen uns auf sie und wollen sie in unsere Arme nehmen doch... Puff! Da hat der Bösewicht sie wieder und verschwindet mit ihr ins nächste Level. Na immerhin waren wir schnell genug, um ein A+ zu bekommen, die Sonderauszeichnung jedes Levels.

Im Replay schauen wir uns noch einmal an, wie wir uns geschlagen haben. Jeder Versuch wurde aufgenommen und wird nun übereinandergelegt, so dass Dutzende von kleinen „Meat Boys“ los rennen und nach und nach alle an irgendwelchen Gefahren platzen. Sieht makaber, aber lustig aus.

Dutzende kleiner Fleischquader springen durch die Level. Die Replay-Option macht das Spiel zum humorvollen Splattererlebnis.

Durch das A+ haben wir zeitgleich die dunkle Version des Levels freigespielt. Wir betreten es, ziehen die Augenbrauen nach oben und steuern den kleinen Kerl lachend in die nächste Kreissäge. Zu angespannt sind bereits die Nerven, zu wertvoll der Controller, um hier noch einmal daran zu verzweifeln. Dunkle Level stellen die besondere Herausforderung dar. Sie warten mit einer nicht unerheblichen Menge tödlicher Fallen auf und sorgen so selbst bei den ruhigsten Gemütern für angespannte Nerven. Also geht es weiter ins nächste normale Level. Dann noch eins - und noch eins! Der Schwierigkeitsgrad steigt auf dem Weg durch die etwa 350 Level immer weiter. Als zusätzliche Herausforderung wartet jede der fünf Welten noch mit einem Endgegner auf, der jeden Fehlschritt mit dem Tod bestraft.

Super Meat Boy

Download Erhältlich für: PC, Xbox360

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Damit das Spiel noch mehr Abwechslung gewinnt, gilt es, zahlreiche Pflaster - sozusagen als Sahnehäubchen - zu sammeln. Weiterhin lassen sich Extra-Charaktere freispielen, die jeweils mit unterschiedlichen Fertigkeiten daherkommen. Doch auch so fesselt der Titel trotz des immens schweren Schwierigkeitsgrades eine Weile. Es wird nie unfair, die Steuerung ist stets punktgenau und die wenigen, humorvollen Zwischensequenzen animieren immer wieder zum Grinsen. Choleriker sollten sich den Kauf allerdings nochmals überlegen.

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