Spaß durch Klötzchenbauten

+
In „Minecraft" besteht alles aus viereckigen Blöcken. Selbst die Sonne. Doch die Beschränkung auf eine schlechtere Grafik lässt viel Freiraum für die irrsten Bauten.

Wenn ein Spiel bereits eine Million verkaufte Exemplare hat, dabei jedoch nicht einmal als fertige Version im Handel ist und die Grafik an Titel aus den 90ern erinnert, dann muss es etwas besonderes sein. „Minecraft“ erweckt sowohl Kind, als auch Architekten im Spieler. Von Jan Schmitt

„Minecraft“ gibt es nicht im Elektronikmarkt. „Minecraft“ besitzt keine Marketingkampagne. „Minecraft“ besitzt nicht einmal ein Entwicklerstudio. „Minecraft“ besitzt nur einen Erfinder - den Schweden Markus Persson - und der ist nun reich. Denn während auf der ganzen Welt hundertköpfige Entwicklerstudios für Kosten in Millionenhöhe Spiele aus dem Boden stampfen, programmiert Persson alleine ein wenig herum, stellt die Alpha (also die Vorab-Version) für ein paar Euro ins Netz und setzt auf virales Marketing. Inzwischen haben gut eine Millionen Personen „Minecraft" heruntergeladen und ausprobiert - und das für etwa zehn Euro pro Version.

In den zufällig gestalteten Dungeons ist es ziemlich dunkel. Nur wer selbstgebaute Fackeln dabei hat, kann die Umgebung erleuchten.

Doch was ist das für ein Spiel, das ein einzelner Schwede entwickelt und in das so viele Leute ihr Geld stecken? Es hat keine Geschichte, es hat keine Charakterklassen, es hat keine gute Grafik, keine tollen Soundeffekte - es hat eigentlich nichts. Nichts, abgesehen von Blöcken. Blöcke in verschiedenen Farben, mit verschiedenen Eigenschaften und in verschiedener Seltenheit - und es hat einen einzigen Charakter - den Spieler. Zu Beginn steht dieser mitten in einer hässlichen Pixellandschaft. Es gibt kein Tutorial, keine Erklärung, nur die Option herumzulaufen und wie wild auf die verschiedenen Blöcke einzuhauen, bis diese verschwinden. So klopft man sich seinen Weg durch Berge oder in die Tiefe, kommt irgendwann nicht mehr heraus und klopft sich eine Treppe. Die weggeklopften Quader verschwinden jedoch nicht einfach, sondern wandern ins Inventar und können verwendet werden.

Spaß durch eigene Ideen

Also stapelt man die Erd-Quader wieder aufeinander, baut einen Hügel, ein Plateau, vielleicht auch einen Torbogen. Schnell werden weitere Blöcke aus dem Boden geklopft, aufgetürmt und die Ideen breiten sich aus. Eine kleine Hütte? Ein Sprungbrett? Einen Turm so hoch wie möglich bauen? Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, denn Blöcke kleben förmlich aneinander, so dass auch Fantasiegebilde möglich sind. Doch irgendwie fehlt schnell etwas. Nur braune Erdblöcke verarbeiten? Langweilig! Also macht man sich auf die Suche, entdeckt neue Materialien, klopft sie frei und benutzt sie. Baut Steinwege zu seinem Haus, klopft sogar Wasser aus dem naheliegenden Fluss und zimmert sich einen kleinen Burggraben. Auch Metalle lassen sich finden.

Im selbstgebauten Schmiedeofen lassen sich neue Produkte herstellen. Egal ob Eisenbarren oder Glasquader - wer ausprobiert entdeckt eine Menge.

Die gewonnen Blöcke können jedoch auch direkt im Inventar zusammengebaut werden. Aus zwei übereinanderliegenden Holzblöcken mit drei querstehenden Eisenblöcken an der Spitze entsteht beispielsweise eine Spitzhacke. Diese lässt sich ausrüsten, um härtere Materialien abzubauen. So gräbt man sich immer tiefer in die Erde, stößt auf zufällig verlaufende unterirdische Höhlenkomplexe mit Wasser, Lava und seltenen Gesteinen, schlägt sie mit der Spitzhacke aus dem Fels und verarbeitet sie wieder am eigenen Haus. Nach einigen Spielstunden entsteht so beispielsweise ein richtiger Palast mit Glasfenstern, Fackeln, schwarzen Steinwänden und sogar elektrischen Schaltern. Wie alles aussieht und wie man seine Zeit nutzt, das entscheidet ganz allein der Spieler.

Minecraft Erhältlich für: PC Download

Homepage

Wer möchte, der kann auch online mit anderen spielen, gemeinsam bauen und abbauen, Schwerter schmieden und sich gegen nächtlich auftauchende Gegner verteidigen, konstruieren und wortwörtlich Luftschlösser erschaffen. „Minecraft“ ist ein Spiel, das unterhält, ohne ein festgelegtes Ziel zu haben. Ein Experiment, ein Baukasten. Welche Elemente bis zur fertigen Version noch veröffentlicht werden, ist fraglich, wer jetzt - zum günstigen Preis - einsteigt, hat jedoch schon einmal eine Menge zu tun.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare