Gladiatorenkämpfe der Moderne

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Sie stehen sich im Ring gegenüber und prügeln aufeinander ein, bis der Erste das Handtuch wirft. Mixed-Martial-Arts nennt sich die Kampfsportrige, die in MMA gegeneinander antritt.

Halbnackte, muskulöse Männer, die gut Geld verdienen und sich im Ruhm sonnen: Traummann Kampfsportler? In „MMA“, dem neuen Prügelspiel von EA hauen sich allerlei bekannte Athleten auf die Mütze und liegen ringend aufeinander. Na gut, vielleicht doch kein Traummann. Von Jan Schmitt

Balken für Körperteile und Ausdauer zeigen den Zustand der Kämpfer an. Sinkt die Ausdauer auf Null, so hat der Recke kaum noch eine Chance zu bestehen.

Als THQ vor einigen Monaten seine neue Kampfsportspielreihe „UFC Undisputed“ auf den Markt brachte und dank großer Popularität in den Vereinigten Staaten, Japan und Südamerika, sowie teuren Lizenzen einen großen Coup landete, wurde die Konkurrenz wach. Kein Wunder, denn viele Neuerungen, viel Abwechslung kann es in einem möglichst realistischen Kampfspiel nicht geben. Keine Energiebälle wie bei „Street Fighter“, keine Stürze von Türmen und Felsplateaus wie in „Dead or Alive“, keine bulligen Axtschwinger wie in „Soul Calibur“, sondern reines, waffenloses Geprügel in der Arena. Das Einzige, was stimmen muss, sind Steuerung, Atmosphäre, Grafik und eine Prise Abwechslung durch unterschiedliche Kämpfer, Kampfmodi und -einstellungen, sowie vielleicht ein Karrieremodus mit Aufstiegschancen.

Großpublisher EA schnupperte also den Geruch des THQ-Goldesels „UFC Undisputed“ und beschloss, selbst zum Viehmarkt zu laufen um sich ein ähnliches Tier zu besorgen. Kann das klappen? Bietet der neu erschlossene Markt der Mixed-Martial-Arts-Kampfkunstspiele Platz für zwei Schwergewichte? Wrestlingspiele verkaufen sich schließlich inzwischen auch nur noch mittelmäßig. Kann „EA Sports: MMA“ also überzeugen und den Konkurrenten „UFC: Undisputed 2010“ per Knockout zu Boden befördern?

Eher zweitklassige Kämpfer

Der Kampf der Lizenzen geht schon einmal an THQ. Mit Randy Couture schnappte sich EA zwar die MMA und UFC-Ikone schlechthin, allerdings überzeugt die Riege an restlichen Kämpfern nur bedingt. Kein Wunder, ist die UFC der wohl größte Betreiber und Veranstalter von Kampfkunstveranstaltungen - und hat bei THQ unterschrieben, wodurch ein zeitgleicher Auftritt bei EAs Produkt an die Grenzen des Unmöglichen stößt. Abgesehen von einer Handvoll UFC-Kämpfern steigen also vor allem Sportler der amerikanischen Strikeforce-Vereinigung in den Ring. Insgesamt fast 60 Athleten in fünf Gewichtsklassen lassen sich spielen, im Karrieremodus fungiert so mancher davon gar als Trainer. Wer einen eigenen Kämpfer bauen möchte, der kann das per Editor tun, bekommt jedoch nur wenige Möglichkeiten zur freien Gestaltung.

Vor dem Beginn jedes Kampfes werden die Werte jedes Kämpfers eingeblendet. Das sieht aus wie im TV und sorgt für Stimmung.

Als Einzelspieler ist insbesondere der Karrieremodus interessant. Hier erstellt man sich zuerst seinen Kämpfer und wird dann beim ersten Training in die Steuerung eingewiesen. Im Gegensatz zum Konkurrenten „UFC-Undisputed“ legt man hier Wert auf Einsteigerfreundlichkeit. Man muss sich nicht erst stundenlang einarbeiten, bis man die ersten Gegner besiegt. Statt wildem Kreisen der Analogsticks dominieren beispielsweise Tastendrücke und richtiges Timing. Bei Bodenkämpfen lassen sich Aktionen wie der Positionswechsel zwar besser timen, jedoch ist es nicht möglich, selbst auszuwählen, in welche Position man nun möchte. So folgt in der Regel jeder Kampf dem gleichen Muster - insbesondere, da die KI gegen Submissions anfällig ist und sich somit fast jeder Kampf gewinnen lässt.

Balken geben Auskunft über die Fitness

Leisten am Bildschirmrand sind für die nächste Besonderheit wichtig: Ausdauer und Körperteilbelastung. Jede Aktion, egal ob Schlag oder Tritt, verschlingt Ausdauer. Blockt der Gegner den eigenen Angriff ab, erhöht sich der Ausdauerverlust. Ist die Ausdauer aufgebraucht, so schlägt der eigene Kämpfer nicht mehr richtig zu, taumelt und wird langsamer. Nur wer seine Leiste im Blick behält, wartet, bis sie sich wieder auffüllt und nicht auf angetäuschte Angriffe hereinfällt hat gute Karten. Andere Balken zeigen an, wie angeschlagen einzelne Körperteile sind. Per Tritt gegen die Beine, Schläge gegen Kopf oder Arme sinkt deren Wert und die Effektivität nimmt ab. Der angeschlagene Kämpfer wird schwächer, lässt sich leichter zu Boden zwingen oder kippt direkt um. Je nach gewählter Kampfkunst lässt sich so eine eigene Taktik wählen - selbst wenn die unterschiedlichen Stile sich nur durch wenige Werte und Attacken unterscheiden.

Die Präsentation des Rings, sowie die eher schwächelnden Einläufe der Kämpfer, hätte man sich sparen können. Sie lassen sich nicht abbrechen und wiederholen sich ständig.

Die Bewertung der Atmosphäre im Spiel fällt zwiespältig aus: Zwar liefern die Kommentatoren eine gute Arbeit ab, gehen auf Kämpfer, vergangene Siege oder Niederlagen und einzelne Aktionen ein und auch der Trainer ruft ab und zu hilfreiche Kommentare in den Ring, doch sorgt der restliche Sound für Verwirrung. Schon beim kurzen und stimmungslosen Einlauf in die Halle verhalten sich die Fans eher ruhig und bei den Kämpfen fehlt die Begeisterung im Hintergrund. Manchmal kommt gar das Gefühl auf, man wäre beim Training, denn es wird still - richtig still. Grafisch macht das Spiel dabei nichts falsch. Einen Meilenstein sollte man zwar nicht erwarten, die Animationen und Schweißdarstellung sind jedoch auf gutem Niveau.

EA Sports: MMA

Ab 18 Jahren Erhältlich für: PS3, 360

Homepage

Letztendlich ist „EA Sports: MMA“ ein Titel, der etwas im Schatten seines Konkurrenten steht. Vielleicht mehr Pony als Goldesel, in jedem Fall aber weder schlechtes Spiel noch Top-Hit. Spieler mit Interesse sollten sich beide Spiele anschauen und selbst entscheiden, welches ihnen mehr liegt. „MMA“ mit leichterer Steuerung, Timing und einem Multiplayermodus, der wöchentliche, live kommentierte Kämpfe verspricht - oder „UFC Undisputed“ mit toller Atmosphäre, mehr Möglichkeiten aber einem höheren Schwierigkeitsgrad.

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