Kleiner Korse auf großer Reise

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„Napoleon: Total War" schließt spielerisch nahtlos an den Vorgänger an. Einige Neuerungen, sowie die Beschränkung auf Europa sorgen für Abwechslung.

Napoleon Bonaparte galt fast sein ganzes Leben lang als ausgezeichnetes militärisches Talent und einer der besten französischen Generäle. Dennoch wurde ihm 1815 die Schlacht bei Waterloo zum Verhängnis. Hätten Sie es besser gemacht? „Napoleon: Total War" bietet die Möglichkeit, das zu beweisen. Von Jan Schmitt

Der Strategiekoloss „Empire: Total War" gilt als eines der besten Rundenstrategiespiele der letzten Jahre. Trotz zahlreicher Programmfehler und sonstigen Problemen erreichte der Titel in der Fachpresse gute Wertungen. Die Mischung aus Rundenstrategie, Echtzeit-Kämpfen, Diplomatie und Handel, sowie der großen nutzbaren Umgebung sorgte nicht nur für einen hohen Wiederspielwert, sondern auch für lang anhaltenden Spielspaß in einer Partie. Vorausgesetzt man hatte die Zeit neben Nord- und Mittelamerika auch noch Europa und ganz Indien zu unterjochen.

Einheiten werden, wie schon in „Empire", als einzelne Einheit dargestellt. Erst in den Schlachten sieht man seine volle Truppe.

Mit dem lauffähigen Ableger „Napoleon: Total War" wird dem Spieler nun immerhin das Problem mit dem Zeitmangel abgenommen. Als Spielfeld dient nur noch Europa, sowie Ägypten. In drei Kampagnen lassen sich die Feldzüge Napoleons nachspielen und die wenigen Neuerungen betrachten. Wie gehabt zieht der Spieler rundenbasiert mit seinen Armeen über die Europakarte und erobert nach und nach Landstrich für Landstrich. Treffen Armeen aufeinander, so schaltet das Spiel in den Echtzeitmodus und der Spieler darf das Geschehen aus der Nähe betrachten und Einheitentrupps einzeln positionieren und in die Flanke fallen lassen. Auch in „Napoleon: Total War" sorgt der typische „Nur noch eine Armee schlagen/Nur noch diese Stadt einnehmen"-Faktor für lange Nächte und Müdigkeit am nächsten Morgen.

Bauernhöfe erweitern und Nachschubdepots bauen

Doch kommen wir zu den Neuerungen: Erstürmte Städte lassen sich nun nicht mehr nur besetzen und einnehmen, sondern auch ausplündern oder zum Protektorat ernennen. Während Ersteres dabei Geld in die Kasse spült aber die Bewohner verärgert, wird ein Protektorat zum Verbündeten, der ab und zu frische Einheiten zur Unterstützung aussendet. Weiterhin vergeht pro Runde nun nicht mehr ein ganzes halbes Jahr, wie noch zu „Empire"-Zeiten, sondern nur ein halber Monat, was sich auf die Jahreszeiten und somit auf die eigenen Truppen auswirkt. Eine Armee, die im russischen Winter feststeckt wird bald keine Armee mehr sein und auch ein heißer Sommer in Ägypten kann eine Truppe schnell zum Scheitern bringen.

Auf der übersichtlichen Gebietskarte lassen sich alle Aktionen planen und durchführen. Egal ob Kriegserklärung oder Ausbau von Bauernhöfen.

Die hohen Verluste sind insbesondere dadurch tragisch, da sich fehlende Einheitenstärke nicht mehr durch kurze Geldspritze aufstocken lässt. Vielmehr müssen nun Bauernhöfe erweitert und Nachschubdepots gebaut werden. Nur an diesen - und somit nur in eigenen Gebieten - frischen sich die Armeen nach und nach wieder auf und wachsen zu voller Stärke heran. Durch die stark verbesserte künstliche Intelligenz der Computermitspieler und neuen taktischen Möglichkeiten in den Echtzeitschlachten (Haubitzen verlangsamen gegnerische Truppen durch Bodenunebenheiten) wirkt das Spiel nun noch einen Tick langsamer, als der Vorgänger es war. Blindes vorstürmen mit den eigenen Truppen führt nur noch selten zum Erfolg und wirre Aktionen der Computermitspieler sind auch eher die Ausnahme.

Speichern jederzeit möglich

Erstmals in der Geschichte der „Total War"-Reihe ist es nun jedoch auch möglich gegen andere Spieler in der Kampagne anzutreten. Während sich einerseits für Schlachten in der normalen Einzelspielerkampagne andere Spieler einladen lassen, ist es andererseits auch möglich alle drei Kampagnen gegeneinander zu bestreiten. Spieler 1 spielt dabei weiterhin die Franzosen, während Spieler 2 in die Haut der Widersacher schlüpft. Ist der andere Spieler im Rundenmodus an der Reihe, so lassen sich immerhin noch Bauaufträge verteilen. Wem das zu langweilig ist, der begrenzt einfach die Aktionszeit pro Runde oder spielt die Kampagne in mehreren Schichten, denn speichern ist jederzeit möglich.

Napoleon: Total War

Ab 12 Jahren

Erhältlich für: PC Homepage

„Napoleon: Total War" ist also eine Art abgespecktes und verbessertes „Empire: Total War". Wer sich für Frankreich, den kleinen Korsen oder Mehrspielerschlachten interessieren kann, für den könnte der Titel also etwas sein. Zuviel für sein Geld sollte man jedoch nicht erwarten, wirklich spektakuläre Neuerungen fehlen schlichtweg.

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