Verfolgungsjagden bei 300 Km/h

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Hochgeschwindigkeitsrennen zwischen Polizei und Rasern: Das neue „Need for Speed" sorgt für einen Adrenalinrausch.

Wenn man jedes Jahr ein neues Rennspiel derselben Marke herausbringt, wird das dem Käufer irgendwann zu langweilig. Zu sehr klingt es nach Aufguss alter Mechaniken, zu sehr nach Geldmacherei. Kann EA mit „Hot Pursuit“ die Monotonie beenden? Von Jan Schmitt

Die „Need for Speed“-Reihe hat eine lange Geschichte: Erst waren es herkömmliche Autorennen, dann Autorennen mit bestimmten Markenwagen, Autorennen im Untergrund mit Tuning-Möglichkeiten, Autorennen als Undercovercop, Autorennen, Autorennen, Autorennen - die Marke ging mit der Zeit den Bach herunter. Ein Titel wurde jedoch stets besonders gut in Erinnerung behalten, die Fans riefen sogar dazu auf, endlich ein Remake zu entwerfen: „Need for Speed: Hot Pursuit 2“.

Anders als bei herkömmlichen Rennspielen war es dem Spieler hier möglich, sich halsbrecherische Verfolgungsjagden mit der Polizei zu liefern - samt Straßensperren, Nagelbändern und Polizeihelikopter. Nun nahm sich Entwickler Criterion Games der Herausforderung an und entwarf unter der Fuchtel des Publishers EA ein neues „Hot Pursuit“.

Schon früh in den Rennen wird die Polizei auf den Spieler aufmerksam. Dann heisst es: Vollgas und ab durch die Mitte.

Also geht es zurück zu den Wurzeln. Tuning wird rausgeschmissen, der Realismusansatz wird rausgeschmissen, die Undercovercop-Sache wird rausgeschmissen. Übrig geblieben ist ein unterhaltsamer Arcade-Raser mit der Möglichkeit, auch selbst ins Cockpit von Polizei-Boliden zu steigen - und das samt Adrenalinrausch und lizenzierten Boliden. Dennoch bleibt „Hot Pursuit“ im Kern ein Rennspiel. Rennen gegen bis zu sieben Gegner sind ebenso vorhanden wie simple Fahrten gegen die Uhr oder eben die speziellen Verfolgungsjagden gegen Polizisten, die die Raser mit aller Gewalt von den Straßen haben wollen.

Egal ob Raser oder Polizei: Beide Parteien besitzen schnelle Sportwagen

Egal, ob der Spieler als Rennfahrer oder Polizist im Einsatz ist: Er steigt durch Erfolge in der Karriere in bis zu 20 Rängen auf und erhält sowohl neue Wagen, als auch stärkere Gadgets. Während erstere hervorragend in Szene gesetzt sind und jeden Rennwagen-Fan sabbernd vor dem Bildschirm sitzen lassen, sorgen letztere für den spannenden Kniff, quasi die Höhepunkte jeder Fahrt. Polizisten und Raser legen Nagelbänder aus, die die Reifen ihrer Opfer zerfetzen, Polizisten rufen Polizeihelikopter, Raser stören per Störsignal den Funk der Polizei. Nur wer geschickt die zahlreichen Alternativwege nutzt, Straßensperren ausweicht und seine Gadgets geschickt einsetzt hat Erfolg, die Raser zu fassen oder zu entkommen. Alternativ lassen sich feindliche Wagen auch durch besonders harte Rempler einfach in die Pampa schubsen und somit für längere Zeit außer Gefecht setzen.

Obwohl das Schadensmodell fast nur optischer Natur ist, besitzt jeder Wagen eine Energieleiste, die durch jeden Zusammenprall, jede Attacke langsam sinkt. Ist sie im roten Bereich angekommen, so sind schon Leistungseinbußen spürbar, leer setzt sie das Fahrzeug komplett außer Gefecht. Dennoch geht die Steuerung generell leicht von der Hand. Selbst die schnellsten Wagen driften sanft und kontrollierbar durch die Kurven, liegen gut auf der Straße und hinterlassen nur einen leicht schwammigen Eindruck. Wer die Wahl hat, der greift aber so oder so zum Lenkrad, per Tastatur oder Analogstick fehlt es immer ein wenig an Fahrgefühl.

Die Strecken sind vielfältig. Egal ob verschneite Bergstraßen oder malerische Strandkulissen: Überall geht es heiss her.

Einen Großteil der Spielfreude zieht der Titel aus seinen Mehrspieleroptionen. So lassen sich Leistungen im Einzelspielermodus an eine Art Pinnwand festnageln und von Freunden betrachten. Schlägt ein solcher die eigene Zeit, so wird man vom Spiel direkt darauf aufmerksam gemacht und das jeweilige Event markiert - das treibt an und sorgt zusätzlich zur Belohnungsflut für lang anhaltende Motivation. Auch sonst lässt sich Online eine Menge erleben. Der Interceptor-Modus lässt beispielsweise einen Spieler in die Rolle des Rasers und einen in die Rolle des Verfolgers schlüpfen und wirft die unvermittelt in den gesamten Bezirk. Da der eigene Nitro-Boost sich nur durch gefährliche Fahrtmanöver auflädt, heizen die beiden Kontrahenten also an Stränden und Bergen vorbei, durch Wälder und Städte und bringen sich gegenseitig zur Strecke.

Need for Speed: Hot Pursuit Ab 12 Jahren

Erhältlich für: PC, PS3, 360 Homepage

Grundsätzlich hinterlässt „Hot Pursuit“ also einen positiven Nachgeschmack. Negativ fällt hingegen die Gummiband-KI auf, die es weder erlaubt, allzu weit hinter computergesteuerten Fahrern zurückzufallen, als auch sich nach vorne hin abzusetzen. In Kombination mit dem knackigen Schwierigkeitsgrad sorgt es durchaus für den einen oder anderen Frustmoment, wenn kurz vor dem Ziel plötzlich mehrere Fahrer am Spieler vorbeiziehen. Weiterhin ist es nicht möglich, im Splitscreen zu fahren - wer gegen Freunde spielen will, muss also zwangsweise ins Internet.

Zeitrennen sind zudem arg knifflig und müssen zwingend absolviert werden, um in der Karriere voranzukommen. Wer über diese Punkte hinwegsehen kann, der erlebt mit „Need for Speed: Hot Pursuit“ jedoch endlich das Spiel, das seit Jahren überfällig gewesen ist.

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