Beinharte Action auf dem Eis

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Rangeleien auf dem Eis gehören ebenso zur Tagesordnung, wie spektakuläre Tore. Mit NHL 11 wird das Sportgenre definitiv bereichert.

Kufen kratzen über das Eis, Schläger bersten und eine Scheibe Hartgummi schießt in atemberaubendem Tempo über das Spielfeld. Kaum ein Sport ist so actionreich wie Eishockey. Mit „NHL 11“ versucht Publisher EA nun den Sport realistisch auf den Bildschirm zu bannen. Von Jan Schmitt

Jedes Jahr im Herbst bringt EA die neuesten Versionen seiner Sporttitel auf den Markt. Oft fehlt es an Neuerungen, an revolutionären Spielmechaniken oder größeren Veränderungen. Während „Fifa 11“ dieses Jahr auch auf dem PC den Sprung in höhere Ligen schafft und mit ein paar neuen Möglichkeiten aufwartet, waren die Kollegen auf dem Eis schon letztes Jahr sehr gut aufgestellt. Was kann man an einem fast perfekten Spiel also noch verbessern?

Elegant springt der Spieler mitsamt Puck über seinen Gegner. War es im Vorgänger noch effektiv sich einfach in den Weg zu legen, so stellt es hier nur ein kleines Hindernis dar.

Die ersten Partien auf dem Spielfeld sind ernüchternd. Von wirklichen Veränderungen bekommt man kaum etwas mit, würde man die Vorjahresversion ins Laufwerk legen, so wären die Unterschiede minimal. Doch sie existieren. Wo? Im Detail - und diese Details machen das ohnehin gute Spielerlebnis noch einen Tick besser. Da wäre zum einen die neue Physik des Pucks. Die Hartgummischeibe prallt nun von verschiedenen Oberflächen auf andere Weise ab - spielentscheidend ist das jedoch kaum. Zum anderen können die Schläger nun brechen, was weitaus schwerwiegendere Folgen hat, da der betroffene Spieler für einen kurzen Moment ausfällt und die Bruchstücke den Puck ablenken oder behindern können.

Bricht ein Schläger, so muss schnell Ersatz besorgt werden. Die Bruchstücke auf dem Eis lenken den Puck jedoch ab und lassen Schüsse somit unberechenbar werden.

Änderungen in der Steuerung bieten da schon mehr beeinflussbare Variationen. Per Druck auf den Analogstick beschleunigen die Spieler nun endlich ein wenig, was bei Überstrapazieren jedoch stark auf die Ausdauer des Spielers schlägt und somit auch zum Nachteil werden kann. Ein neuer Hüftcheck, neue Optionen bei Rangeleien an der Bande oder die Bullyoptionen schaffen mehr Kontrolle im Spiel. Beim Bully lässt sich der Puck nun, wie bisher bekannt, einfach erringen und nach hinten hauen - oder aber man wechselt die Schlaghand, täuscht an oder drängt seinen Gegner im entscheidenden Moment weg. Antäuschen ist sowieso eines der großen Themen von „NHL 11“, denn die neuen Dekes erlauben das elegante umspielen oder gar überspringen von Widersachern und somit das Aushebeln der gegnerischen Verteidigung.

Dem Gegner mangelt es an Intelligenz

Die künstliche Intelligenz der Widersacher ist leider immer noch zwiespältig. Zahlreiche Schwierigkeitsgrade lassen das Spiel zwar durchaus herausfordernd werden, allerdings agiert der Computer oftmals zu defensivstark, weist dabei aber Offensivschwächen auf. In einem - eigentlich torstarken - Spiel wie Eishockey ist das ein wenig auffällig, insbesondere, wenn man sich in den Pausen die Statistiken anschaut und die Torschussversuche des Gegners an einer Hand abzählen kann. Die eigenen Kollegen spielen dafür oftmals gut, können sich nur bei plötzlichen Vorstößen selten vom Gegner lösen und kommen somit für elegante Passmanöver oft zu spät.

Die neuen Optionen an der Bande kommen sowohl Offensive, als auch Defensive zu Gute.

Neben herkömmlichen Spielen mit Mannschaften aus zahlreichen Ligen (unter anderem auch der deutschen DEL) lässt sich der „Be a Pro"-Modus, sowohl als Spieler, als auch als Manager oder Trainer absolvieren, was für Abwechslung und Anreiz sorgt. Nur wer gut spielt oder taktiert steigt in höhere Ligen auf und stellt ein erfolgreiches Team zusammen. Auch lassen sich komfortabel Mehrspielerpartien an einer Konsole spielen. Die Sammelkarten aus vergangenen Zeiten sind schlussendlich auch wieder da. Mit über 4000 Spielerkarten aus allen Ligen lässt sich das eigene Wunschteam zusammenstellen, aufwerten, mit Trainerkarten verbessern und gegen andere Spieler weltweit antreten. Das Gewinnerteam des Monats wird öffentlich vermerkt. Schade nur, dass man sich die Karten auch gegen echtes Geld (und nicht wie sonst über Siege) zulegen kann und dadurch unfaire Vorteile erhält.

NHL 11

Ab 12 Jahren System: PS3, Xbox360

Homepage

Die Vorteile eines „NHL 11“ gegenüber dem Vorgängertitel sind also durchaus da, rechtfertigen aber nur bedingt einen Kauf, falls man „NHL 10“ bereits besitzt. Die neue Physik, die neuen Techniken, Modi und die leicht verbesserte Grafik runden das Paket des Vorjahres also ab, wie EA sich im nächsten Jahr noch übertreffen will, ist jedoch fraglich.

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