Pokemon und die Sache mit der Strategie

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Die kunterbunten, tierartigen Wesen aus Japan sind wieder da: Pokemon. Doch können die neuen Spiele überzeugen?

„Geh mir weg mit dem Kindermist" sagen die einen, „Oh cool, ein Onix!" die anderen. Man kann es lieben oder hassen: Pokemon. Mit „Heartgold" und „Soulsilver" kamen nun zwei neue Versionen für den Nintendo DS auf den Markt. Doch was ist so faszinierend an den japanischen Fantasywesen und was bieten die Spiele für Erwachsene? Von Jan Schmitt

Jedes Pokemon hat Vor- und Nachteile. Während dieses Endivie gut gegen Wasserpokemon ist, verliert es gegen Wesen der Gattung Feuer.

493 sind es inzwischen. 493 japanische Comicfiguren, die seit Jahren hauptsächlich Kinder und Jugendliche begeistern und für Millionenabsätze beim Merchandising sorgen. Während hierzulande hauptsächlich das offizielle Sammelkartenspiel gespielt wird, existieren in Fernost ganze Pokemon-Shops mit tausenden von Produkten. Waren die ersten 151 Pokemon, die „erste Generation" genannt, noch recht einfach gezeichnet und auf knuddelig getrimmt, so sind es nun, 14 Jahre nach Veröffentlichung der ersten Versionen in Japan, hauptsächlich detaillierte und erwachsenere Wesen, die scheinbar auch älteres Publikum ansprechen sollen. Dennoch gilt das Pokemonuniversum in der Regel als Fantasyreich für Kinder. Das in den zahlreichen Versionen ein hochkomplexes Strategiespiel schlummert, wissen die wenigsten. Mit den beiden neuesten Versionen „Pokemon Heartgold" und „Pokemon Soulsilver" versucht Nintendo nun erneut Käufer aller Altersschichten zu gewinnen.

Auch in den neuen Versionen bleibt das Spielziel gleich. Zu Beginn wählt der Spieler sein Geschlecht und einen Namen, entscheidet zwischen einem von drei Pokemon seinen Favoriten und zieht mit dem neuen Gefährten in die große Welt um Pokemonmeister zu werden. Im hohen Gras begegnen ihm dabei im Sekunden Takt wildlebende Pokemon, die im Kampf besiegt oder mit speziellen Pokebällen gefangen werden müssen. So stellt sich der Spieler nach und nach ein schlagkräftiges Team zusammen und zieht mit diesem gegen Arenaleiter, andere Trainer oder legendäre, also besonders seltene, Pokemon.

Jeweils das erste Pokemon im Team des Spielers, begleitet ihn sichtlich auf Schritt und Tritt.

Insbesondere, in Anbetracht der Tatsachen, dass die beiden neuesten Werke Nintendos nur grafisch aufgepeppte und erweiterte Remakes der Gameboy Colour-Klassiker sind und sich untereinander nur durch unterschiedlich fangbare Pokemon unterscheiden, kommt einem hier schnell der Begriff „Abzocke!“ in den Kopf. Wer alle 493 Pokemon sein eigenen nennen will, muss nämlich mit anderen Spielern und den unterschiedlichsten Versionen tauschen. Zwar sind alle Pokemon-Generationen im Spiel vertreten, wer jedoch keine Internetverbindung oder Freunde mit der jeweils anderen Version, beziehungsweise „Pokemon: Pearl“ oder „Pokemon: Diamant“ hat, kann sich das Sammeln sparen. Solange man es allerdings nicht auf Vollständigkeit anlegt, lassen sich die Remakes ausnahmslos empfehlen.

Zu Beginn wählt der Spieler zwischen einem von drei Begleitern. Jedes besitzt dabei eine andere Gattung.

Wie in jedem Spiel der Reihe, zieht der eigene Trainer mit dem ersten Pokemon in die Wildnis und stößt dort auf die ersten Gegner. Während wildlebende Pokemon den Spieler attackieren und sich durch Attacken wie „Ruckzuckhieb“, „Silberblick“ oder „Aquaknarre“ schwächen und schließlich fangen lassen, gestalten sich die Duelle mit anderen Trainern ein wenig schwieriger. Da jedes der Fantasywesen mindestens einem Element oder einer Klasse angehört (Elektro, Wasser, Feuer, Stein etc.), besitzt jedes auch Vor- oder Nachteile. Stein- und Feuerpokemon reagieren allergisch auf Wasser und sollten somit niemals gegen diese ins Feld geschickt werden, während Wasserpokemon wiederrum sehr schlechte Chancen gegen Elektropokemon, wie beispielsweise das bekannte „Pikachu“ haben. Durch das geschickte Schere-Stein-Papier-Prinzip, den Rundenkämpfen, sowie der Einschränkung, dass jedes Pokemon nur vier Attacken erlernen kann, entsteht somit ein wahres Feuerwerk der Strategie. Mithilfe von verschiedenen Items lassen sich die eigenen Pokemon zudem stärken, heilen oder wiederbeleben.

Das „Pokewalker" genannte Gerät sorgt für sportliche Betätigung. Per Schrittzähler lassen sich so nach und nach die Schützlinge stärken.

Gewonnene Kämpfe garantieren Erfahrung für alle Pokemon, die am Kampf beteiligt waren. Im Laufe der Zeit steigen die Viecher schließlich auf und entwickeln sich gegebenenfalls zu stärkeren, optisch veränderten Versionen mit neuen Vor- und Nachteilen, sowie Fertigkeiten. Letztere benötigt der Spieler für seine Reise durch die riesige Spielwelt. Nur, wer ein Pokemon mit der Attacke „Surfer“ dabei hat, kann über Wasser gleiten, nur mit „Flug“ lässt sich schnell von einem Punkt zum anderen reisen. In den sechsköpfigen Teams sollte somit immer ein Multitalent dabei sein um die zahlreichen Geheimwege, versteckten Items oder besonderen Pokemon aufzustöbern.

Pokemon:Heartgold/Soulsilver

Ohne Altersbeschränkung

Für: Nintendo DS Homepage

Wirklich alle Punkte der Spiele aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Tests sprengen. Die endlosen Taktikmöglichkeiten, die Zucht und Entwicklung der eigenen Begleiter und die hunderten Geheimnisse sorgen jedoch für ein langanhaltendes, unterhaltsames Spielerlebnis - auch für Erwachsene und Spieler der Originalversionen von 2001.

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