Perfekter Rätselspaß mit allerlei Portalen

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Die beiden Roboter Atlas und P-Body sind zwar die Werbefiguren von „Portal 2", kommen aber nur im Koop-Modus des Titels wirklich vor.

„Sieh nur, wie majestätisch du durch die Luft segelst. Wie ein Adler. Ein fetter Adler.“ Der sarkastische, sadistische Computer GlaDOS und seine tödlichen Testkammern sind wieder da. Mit „Portal 2“ liefert Entwickler Valve eine Portion reinen Spielspaß ab. Von Jan Schmitt

Sie spricht ruhig, gelassen, mechanisch, ein Klicken kündigt ihre Worte an und was sie dann sagt, das will meistens nicht so recht zu ihrem Tonfall passen. GlaDOS, der weibliche Hauptrechner der Forschungsanlagen von Aperture Science. Sie gab uns schon 2007 eine der praktischen Portalkanonen und jagte uns durch zahlreiche knifflige Testkammern. In der Ego-Perspektive liefen wir durch Gänge, erzeugten per Mausklick sowohl blaue, als auch orangene Portale und gingen durch das eine hindurch, um aus dem anderen wieder herauszukommen. So ließen sich Hindernisse umgehen, Wachtürme ausschalten, Gegenstände bewegen und Laserstrahlen umlenken - und wer mochte, der erschuf sich sein endloses Loch, stürzte stundenlang durch zwei übereinandergelegte Portale und nutzte den Schwung, um sich quer durch die halbe Testkammer zu katapultieren.

Je weiter das Spiel voranschreitet, desto komplexer werden die Rätsel. Hier leiten wir Laserstrahlen mithilfe von umlenkenden Würfeln und Portalen zu ihrem Ziel.

Es gab viele Möglichkeiten die Portalkanone zu benutzen. Schwung, Winkel und genaue Platzierung mussten beachtet werden, um durch die zahlreichen Testkammern zu gelangen. Es war ein Spiel mit den Dimensionen, mit dem Einfallsreichtum des Spielers, mit den alternativen und gewaltlosen Möglichkeiten einer Shooter-Perspektive. Einst nur als kurzes Extra gedacht, entwickelte sich schnell eine Community, die das Spiel liebte - und selbst die Fachpresse lobte es in den höchsten Tönen. Dabei gab es nicht einmal viel optische Abwechslung. Die Testkammern wirkten oft steril, was zwar passte, jedoch Details vermissen ließ. Die Tests selbst dagegen wechselten oft die beteiligten Komponenten und wurden von Mal zu Mal herausfordernder.

Das Testsubjekt muss sterben!

Was „Portal“ wirklich zum Erfolg verhalf, war der liebevoll implementierte Humor. Zwar wissen wir nicht, wer wir wirklich sind - man spricht nur von einem „Testsubjekt“ und Spiegelungen zeigen uns als junge Frau im orangenen Overall - und auch der Hintergrund, wie wir überhaupt in die Testkammern gelangten, bleibt verborgen - und doch stellt man sich diese Fragen kaum, wenn GlaDOS uns sachlich, monoton und mit einem Hauch Sarkasmus erklärt, dass die nächste Testkammer durchaus tödlich ist, man sich aber keine Sorgen machen brauche, es bringe ja doch nichts.

Das blaue Repulsions-Gel schleudert den Spieler bei Berührung in die entgegengesetzte Richtung. Passend platziert dient es so beispielsweise als Sprungbrett.

Genau dieser Humor ist es auch, der „Portal 2“ nun wieder zum großen Meisterstück der Spielentwicklung werden lässt. Nachdem die künstliche Intelligenz uns zum Ende von „Portal“ entsorgen wollte, wir uns jedoch widersetzten und sie lahmlegten, wachen wir erneut in den Komplexen der Betreiberfirma Aperture Science auf. Von klinischer Reinheit ist hier jedoch nichts mehr zu sehen, denn während wir eine halbe Ewigkeit im Cyro-Schlaf verbrachten, verfiel die Anlage zusehends. Doch ohne zu viel über die Story verraten zu wollen: Nach wenigen Stunden ist GlaDOS wieder gewohnt aktiv, böse, spitzzüngig und wir finden uns in den Testkammern wieder.

Mini-Roboter Wheatley unterstützt uns die ersten Spielstunden, erklärt die Techniken und quasselt ohne Unterbrechung.

Im Laufe der rund achtstündigen Einzelspielerstory wird der Spieler wieder mit zahlreichen Rätseln konfrontiert. Der Schwierigkeitsgrad und die Komplexität steigt dabei stetig - Einsteiger freut es, Freunde des Vorgängers lösen die ersten Kammern im Halbschlaf. Nachdem jedoch die Doppel-Portalkanone gefunden wurde, Laserstrahlen die Kammern durchkreuzen, Geschütztürme das Feuer eröffnen, drei verschiedene Flüssigkeiten für veränderte Physik und Traktorstrahlen für schwebende Gegenstände sorgen, ist Nachdenken angesagt. Wie löse ich das Rätsel ohne im endlosen Abgrund zu landen oder von den Türmen zersiebt zu werden? Wie verteile ich das Geschwindigkeitsgel um mit Hilfe von Portalen quer durch den Raum zu fliegen? Wie leite ich den Traktorstrahl am besten um und wann muss ich die Portale neu setzen?

Lustige Geschütztürme und gesprächige Roboter

Zahlreiche, automatisch gesetzte Speicherpunkte vermeiden aufkommenden Frust und animieren zu komplexen Versuchen, die vielleicht nicht sonderlich sinnig sind, jedoch durchaus Spaß machen können. Der Ideenvielfalt sind kaum Grenzen gesetzt, wer sich geschickt anstellt, bekommt vieles hin. Kleine Hinweise an versteckten Orten oder die häufigen Kommentare von GlaDOS, den flehenden Wachtürmen ("Komm doch bitte her!") oder anderen mechanischen Wesen sorgen für Schmunzler und Unterhaltungswert.

Wer geschickt ist, der nutzt Portale und Traktorstrahlen um sich selbst in alle möglichen Richtungen schweben zu lassen. Doch auch Gegenstände fliegen so fast beliebig durch den Raum.

Ist der Einzelspielermodus vollendet, so sorgt ein kooperativer Mehrspielermodus für weiteren Spaß. Zu zweit, also mit vier Portalen, Testkammern zu lösen ist jedoch um einiges komplexer und erfordert schnell den Hirnschmalz beider Spieler. Per Tastendruck lässt sich glücklicherweise die Sicht des anderen Spielers einblenden und auf bestimmte Orte hinweisen. Das sorgt für Koordination, wenn man mal übers Internet spielt und nicht - wie auf den Konsolen auch möglich - im Splitscreen. Die gewohnte Qualität wird im Koop-Modus gehalten, samt böser Sprüche und Schadenfreude.

Portal 2

Ab 12 Jahren

Erhältlich für: PS3, PC, 360 Homepage

Während PC- und Playstation 3-Spieler die Möglichkeit haben das Spiel gemeinsam zu erleben - also plattformübergreifend - müssen 360-Besitzer sich mit ihresgleichen begnügen. Sonst lassen sich jedoch kaum Versionsunterschiede finden. Steuerung, Grafik und Sound sind auf allen drei Systemen ausgereift, setzen jedoch keine neuen Maßstäbe. Käufer der PS3-Version erhalten allerdings einen Code für die PC-Steam-Version des Spiels. Erfolge, die dann auf der Playstation errungen werden, landen auch gleich auf dem eigenen Steam-Account. Schlussendlich ist „Portal 2“ ein definitiver Kauftipp für jeden, der auch nur ansatzweise etwas mit Rätselkost anfangen kann.

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