Für einen Hut voll Dollar

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Mit einer offenen Spielwelt, zahlreichen Interaktionsmöglichkeiten und einer klassischen Western-Story überzeugt das neuste Werk Rockstars auf ganzer Linie.

Welcher kleine Junge hat nicht davon geträumt, einmal Cowboy zu sein? Auf dem Rücken eines Pferdes durch die Prärie reiten, im Morgengrauen Duelle ausfechten, im Saloon dem Klang des Klaviers lauschen und die Nacht unter freiem Himmel verbringen.  Von Jan Schmitt

Mit „Red Dead Redemption" ist dies nun endlich möglich.

Zugegeben, mit dem Western-Game liefert GTA-Entwickler Rockstar kein Spiel ab, das mit purer Lagerfeuerromantik daher kommt und den Wilden Western idealisiert. Ganz wie in klassischen Western sind Schießereien keine Seltenheit und an Bäumen werden schon einmal Verräter oder Unschuldige aufgeknüpft. Kein Wunder also, dass das Spiel eine Altersfreigabe ab 18 Jahren erhalten hat.

Egal ob Verbrecherjagd, klassisches Duell oder eine Runde im Saloon - Abwechslung findet man an jeder Ecke.

John Marston ist ein Cowboy alter Schule. Als Mitglied einer Gang überfiel er Züge und Postkutschen, raubte Banken aus, stahl Pferde und Leichen pflasterten seinen Weg. Doch diese Zeiten sind vorbei. Als Marston niedergeschossen wird, lassen ihn seine Freunde liegen und verschwinden mit der Beute. Doch er hat Glück und kommt wieder auf die Beine, kehrt dem kriminellen Leben den Rücken und lebt glücklich mit Frau und Kind auf einer Farm. Da Entwickler Rockstar jedoch nicht gerade für Farmer-Simulationen bekannt ist, taucht plötzlich die Regierung auf, entführt Frau und Kind und stellt Marston vor die Wahl: Entweder er beseitigt seine alten Kumpel oder er sieht seine Familie nicht wieder.

Besonders die detaillierte Darstellung der Pferde war dem Entwickler wichtig. Das sieht man den Tieren an.

Gezwungenermaßen schwingt sich der alte Haudegen also in den Zug und fährt vom Hafenstädtchen Blackwater, das in der Blütezeit der industriellen Revolution steht, nach Armadillo - einem Ort, an dem die Zeit stillzustehen scheint. Holzhäuser stehen dicht an dicht, Wassertröge säumen die Fassaden der Saloons mit den obligatorischen Schwingtüren und die untergehende Sonne sorgt für eine fast schon zu idyllische Atmosphäre. Doch als Marston dann schließlich das übernommene Fort seiner ehemaligen Bande stürmen will und kurzerhand niedergeschossen wird, wird klar, dass „Red Dead Redemption" nicht nur das Potential zum schönsten Westernspiel aller Zeiten hat, sondern durchaus auch mit dem hochgelobten Vorgänger „Grand Theft Auto IV" konkurrieren kann.

Grand Theft Auto im Wilden Westen?

Auch das Spielprinzip erinnert stark an die Gangstergeschichten aus Liberty City. Nach und nach bekommt John verschiedene Aufträge. Mal soll Vieh auf die Weide getrieben, mal Entführte aus einem Bandenversteck befreit oder Wildpferde eingefangen werden. Langweilig wird es durch die große Abwechslung dabei nie, insbesondere, da jeder Auftrag mit einer kleinen, oft humorvollen Zwischensequenz eingeleitet wird und auch die Gespräche durchaus unterhalten. Doch ist das Spiel nur ein „GTA" im Wilden Westen? Nein! Es ist viel mehr, denn durch die offene Welt und zahlreiche Minispiele lässt sich auch abseits der Story eine Menge erleben.

Die Aufträge im Spiel könnten unterschiedlicher nicht sein. Egal ob das Eintreiben von Viehherden, das Fangen eines Verbrechers oder die Befreiung von Geiseln.

Da wäre zu Beginn beispielsweise das Einfangen und Zureiten von Wildpferden. Reitet John nah genug an eine Herde der scheuen Tiere heran und schafft es, sich nicht abschütteln zu lassen, so benötigt es nur einen gezielten Lasso-Wurf und schnelle Reaktionen, um auf den Rücken des Pferdes zu gelangen. Kurz darauf muss einige Sekunden lang die Balance gehalten werden - denn wer vom buckelnden Pferd geworfen wird, darf erneut die Verfolgung aufnehmen und das Tier einfangen. Neue Pferde unterscheiden sich nicht nur in der Farbe, sondern auch in der Geschwindigkeit und Ausdauer. Wer ständig auf Höchstleistungen pocht und seinem galloppierendem Untersatz keine Ruhe gönnt, wird abgeworfen. Mit der Zeit gewöhnt sich das Tier jedoch an den Reiter, wird ausdauernder und gewinnt an Tempo.

Überall in der Wildnis stößt Marston auf wilde Tiere. Hier beispielsweise dieses Wolfsrudel.

Umso dramatischer ist es dann, wenn der treue Begleiter des Cowboys bei der zweiten Freizeitbeschäftigung sein Ende findet: Dem Jagen. Mit Colt oder Flinte gewappnet schwingt sich Marston in den Sattel, reitet durch die verschiedenen Regionen - von der Wüste, über Schluchten und Canyons bis hin in verschneite Gebirge und nimmt allerlei Getier ins Visier. Stinktiere, Waschbären, Gürteltiere, Eulen, Singvögel, Wölfe, Eber, Bisons, Bären und Pumas. Alles lässt sich jagen, vorausgesetzt der Spieler ist treffsicher. Stürzt sich ein bedrängtes Wolfsrudel schon einmal auf den Reiter, so reissen Pumas besonders gerne den eigenen Untersatz - und lassen Marston somit erst einmal eine Weile laufen. Nach einiger Zeit lässt sich jedoch per Pfiff ein neues Tier anfordern.

Ein weiteres Augenmerk verdienen die ganzen Missionen, die immer wieder auf der Karte erscheinen. Mal fordert man den Helden zum Wettkampf im Jagen oder Pflanzen auflesen auf, mal stellt man ihm einen Hinterhalt und manchmal kommt es sogar zum Duell. Bei letzterem lassen sich in einer kurzen Zeitlupe die verschiedenen Körperteile des Gegners anvisieren und diesen damit entweder töten, entwaffnen oder bewegungsunfähig machen. Je nachdem wie sich der Spieler entscheidet, reagieren die Leute anders auf ihn. Helden bekommen neue Waffen in Läden zu sehen, berüchtigte Verbrecher werden steckbrieflich gesucht und angegriffen.

Red Dead Redemption

Ab 18 Jahren. Erhältlich für: PS3, Xbox360

Homepage

Durch die vielen kleinen Aufträge, der gelungenen Story, der lebendigen Welt mit dutzenden von Tierarten und kuriosen Gestalten, dem automatisch ablaufenden Tageszeitwechsel mit romantischen Sonnenuntergängen und furchteinflößenden Gewittern, sowie den zahlreichen Minispielen (Poker, Blackjack, Hufeisenwerfen etc.) wirkt „Red Dead Redemption" ausnahmslos rund und in sich geschlossen. Die imposante Grafik, sowie die tollen (englischen) Sprecher tragen ihren Teil dazu bei und nach wenigen Spielminuten geht auch die Steuerung mit all ihren Optionen - egal ob Waffenwahl oder der „Dead Eye" genannten Zeitlupenfunktion - leicht von der Hand. Kaufempfehlung!

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