Reise in mysteriöse Tempelanlagen

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In der Welt von „Risen" brachen mysteriöse Tempel aus dem Boden hervor und locken mit Schätzen.

Ein Rollenspiel aus Deutschland mit einem Helden ohne Namen; eine Inselwelt mit Banditen, Magiern und Inquisition; zahlreiche gut vertonte Dialoge in realistisch-rauer Umgangssprache und eine hohe Entscheidungsfreiheit. „Risen" ist der Nachfolger der populären „Gothic"-Serie. Von Jan Schmitt

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Als das deutsche Entwicklerstudio Piranha Bytes 2001 „Gothic" herausbrachte, ahnte noch niemand, dass die Reihe eine der erfolgreichsten deutschen Produktionen werden würde. Mit innovativen Ideen, einer lebendigen und frei begehbaren Spielwelt sowie einer extrem dichten Atmosphäre gewann das Rollenspiel die Herzen der Fans. Teil Zwei erschien bereits 2002 und brachte sogar ein Addon hervor, während Teil 3 aufgrund zahlreicher Programmfehler eher ein Nischendasein fristete. Mit „Risen" wagte Piranha Bytes nun den Sprung in eine andere Welt, kann die „Gothic"-Wurzeln jedoch nicht verbergen.

Die Hafenstadt ist einer der zentralen Handlungsorte. Hier finden Sie so ziemlich alles, was das Seemannsherz begehrt.

„Weil ich dir sonst die Fresse poliere" argumentiert der Held des Spiels wenig eloquent und legt die Hand auf den Schwertknauf. Wir befinden uns im Banditenlager einer tropisch angehauchten Insel namens Faranga. Nachdem wir im Intro gezeigt bekommen haben, dass der - wieder namenlose - Held scheinbar als blinder Passagier auf einem Segelschiff in einen Sturm gerät und Schiffbruch erleidet, übernehmen wir kurz darauf am Strand die Kontrolle über den Mann mit den kurzen Haaren. Wie wir auf das Schiff kommen, was wir dort wollten und wer unser Charakter überhaupt ist, bleibt ein Rätsel, ist für das Spielverständnis allerdings auch nicht weiter wichtig.

Die ersten Schritte führen uns am Strand entlang. Überall liegen Muscheln (einsammeln!), einzelne Goldmünzen (einsammeln!) und leblose Körper (durchsuchen!). Doch scheinbar sind wir nicht der einzige Überlebende des Unglücks, neben uns erhebt sich eine junge Frau. Ob Sie mit ihr reden oder sie schlichtweg ignorieren bleibt Ihnen überlassen. Genauso, wie die Entscheidung, ob Sie direkt mit einem Ast bewaffnet ins Inselinnere laufen oder erst den Strand nach nützlichen Gegenständen absuchen. Sie merken es vielleicht, „Risen“ lässt Sie über jede Kleinigkeit bestimmen.

Die Bewohner Farangas folgen einem festgelegtem Tagesablauf. Nachts wird sich oftmals am Lagerfeuer entspannt.

Wenige Stunden später. Inzwischen sind wir mit einem rostigen Schwert bewaffnet, das wir in einem verlassenem Haus fanden, haben mehrere Seegeier und gar einen Wolf auf dem Gewissen und unsere Taschen sind voll mit Pilzen, Heilkräutern, rohem Geierfleisch und aus den gefundenen Muscheln haben wir eine Perle bergen können.
Im Banditenlager erfahren wir ein wenig über die Situation auf der Insel. Als die militärische Vereinigung „Die Inquision" auf die Insel kam, Hafenstadt und Vulkanfestung für sich beanspruchte und beides abriegelte, flohen einige Rebellen aus der Stadt und errichteten unter der Leitung des Banditenchefs Don Esteban ein Lager im Sumpf. Doch die Zeiten sind schwer, denn mit einem Mal schossen überall geheimnisvolle Tempel voller Gold aus dem Boden, die zudem auch noch angriffslustige Kreaturen ausspucken. Während die Inquisition ihre Rekruten in den Tempeln verheizt um das Gold zu bergen, planen die Banditen einen Angriff auf die Hafenstadt um die Besetzer zu vertreiben.

In Kämpfen ist das richtige Timing gefragt. Besonders die diebischen Gnome greifen oftmals in Gruppen an und machen Ihnen das Leben schwer.

In der Rolle des Schiffsbrüchigen liegt es an Ihnen, zu entscheiden, welchem Lager sie beitreten und zu erkunden, was es mit den Tempeln auf sich hat. Wie lange Sie dafür brauchen, hängt damit zusammen, wie entdeckungsfreudig Sie sind. Zwar ist die Spielwelt im Vergleich zu „Gothic 3" eher klein, dafür umso verwinkelter. Zahlreiche Schluchten, Wälder, Ebenen und Plateaus reihen sich aneinander und offenbaren Eingänge zu unterirdischen Höhlensystemen oder Tempelanlagen. Noch dazu ist jede Ecke mit Leben gefüllt. In alten Burgruinen wandeln Skelette umher, in Höhlen warten Ghule und Erzadern auf ihren Besuch, die Wälder sind voll mit nützlichen Pflanzen, angriffslustige Wolfsrudel und eine Menge diebische Gnomen machen Ihnen das Leben schwer und in Tempeln oder Häusern sind nicht selten Geheimtüren oder kleine Schätze versteckt.

Überall in der Welt liegen Gegenstände verstreut. Hier beispielsweise ein Kugel, die kurzzeitiges schweben erlaubt.

Auch in Städten verstärkt sich der Eindruck der liebevoll gestalteten Welt. Egal, ob Sie sich auf eine Bank setzen und den Tagesablauf jedes Nichtspielercharakters beobachten oder Holz sägen, es ist machbar, bringt Ihnen jedoch keinen Vorteil. Ganz anders sind da die Fertigkeiten. Haben Sie das Erzschürfen erlernt, so lassen sich Erzbrocken abbauen. Diese lassen sich gegen Erzrohlinge eintauschen, die sich wiederum mit einer Schmiedefertigkeit zum Schwert basteln lassen. Dabei muss der Rohling erst erhitzt, dann am Amboss geformt, dann abgekühlt und schließlich geschliffen werden. Fleisch ist ebenfalls erst essbar, wenn es gekocht oder gebraten wurde. Dies erledigen Sie an Lagerfeuern oder Herden. Alternativ lassen sich auch mehrere Zutaten zu einem energiereicherem Mahl verbinden - vorausgesetzt Sie kennen das Rezept.

Die Interaktionen mit anderen Charakteren ist ebenso vielfältig. Gespräche sind komplett vertont und realistischer als in den meisten Rollenspielen. Während der Bauersknecht Ihnen eher unterwürfig entgegentritt und vielleicht um Hilfe bittet, schnauzt Sie der Seemann oder Bandit schon einmal an, wenn Sie ihm auf die Nerven gehen.

In den Charaktereigenschaften betrachten Sie ihre Fertigkeiten und legen neue Ausrüstungsgegenstände an.

Haben Sie bei einem talentiertem Dieb den Taschendiebstahl gelernt, so können Sie Ihr Gegenüber ablenken und ihm innerhalb eines kurzen Zeitraums einen Gegenstand entwenden. Das funktioniert mit Schlüsseln genauso wie mit Waffen oder Gegenständen, die Sie dem NPC gaben. So tauscht der Sumpfbauer zehn Krautpflanzen gegen 50 Goldmünzen ein, lässt sich das Kraut jedoch per Taschendiebstahl wieder abnehmen und bezahlt noch einmal dafür. Damit das ganze jedoch nicht zu lohnend wird, lässt sich eine Person nur einmal im Spielverlauf beklauen. Werden Sie beim Taschendiebstahl oder Einbruch allerdings bemerkt, so verweigern Ihnen die Charaktere oftmals das weitere Gespräch oder den Handel. In den meisten Fällen greifen die Bewohner Farangas allerdings zur Waffe und attackieren Sie. Verlieren Sie den Kampf, so werden Sie KO geschlagen und der Sieger nimmt sich ihr komplettes Gold. In diesem Fall hilft nur ein Laden des Speicherstandes, Taschendiebstahl oder das zurückholen mit Waffengewalt.

Kämpfe in „Risen" laufen immer nach dem gleichen Muster ab. Während ihr Gegner angreift, müssen Sie entweder blocken, parieren oder ausweichen, um dann schnell genug zu reagieren und ihn angreifen. Zu Beginn ist das dank fehlender Rüstung, schlechter Waffe und recht starken Gegnern ein wenig schwieriger, später erhalten Sie jedoch eine breite Palette an Nah- und Fernkampfwaffen, eine schadensmindernde Rüstung und neue Angriffszauber (vorausgesetzt, Sie werden Magier). Durch besiegte Gegner und erledigte Aufträge erhalten Sie zudem Lernpunkte, die, zusammen mit Gold, bei Trainern gegen neue Fertigkeiten eingetauscht werden können. Egal ob Alchemie, eine erhöhte Spanngeschwindigkeit für den Bogen oder Konterattacken für den Schwertkampf.

Die Dialoge und Charaktere punkten oftmals durch Humor und sind vollkommen vertont

Aufträge bekommen Sie von den meisten Charakteren in „Risen". Mal müssen mehrere Artefakte besorgt, mal ein paar klauende Gnome beseitigt, mal ein geheimer Schatz gefunden werden. Durch verschiedene Lösungswege und großer Entscheidungsfreiheit wird somit Abwechslung geboten, insbesondere, da sich erstmals in einem Piranha Bytes Spiel wirklich an Kanten hochklettern lässt. Wer also einen Gefangenen in der Hafenstadt befreien soll, kann also entscheiden, ob er über das Dach klettert und ins Haus schleicht, sich den Weg freikämpft oder die Wachen mit verlockenden Illusionszaubern hinhält.

Risen

Ab 12 Jahren

Erhältlich für: PC, Xbox360

Homepage

Grafik und Sound sind wieder einmal erstklassig. Wälder wirken so dicht und stimmungsvoll beleuchtet, dass man manche Gegner erst bemerkt, wenn man schon längst umstellt wurde, die Stimmen der Sprecher passen fast immer zum ausgewählten Charakter und der Soundtrack liegt dem Spiel sogar auf CD bei. Nur Charaktermodelle, sowie manche Animationen wirken ein wenig veraltet und wurden anscheinend - zumindest teilweise - aus Gothic 3 übernommen.

Wer gerne virtuelle Welten erforscht und seine Freude an einer dichten, absolut stimmungsvollen Welt hat, der kann bei „Risen" bedenkenlos zugreifen. Einsteiger sollten sich jedoch auf einen gehobenen Schwierigkeitsgrad gefasst machen.

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