Taktische Finesse im Zweiten Weltkrieg

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Mit „R.U.S.E" haben PC- und Konsolenspieler endlich wieder die Möglichkeit zu taktieren. Trotz dem altbackenen Szenario unterhält der Titel gut und bietet sogar Neuerungen im Genre.

Echtzeitstrategiespiele, die im Zweiten Weltkrieg spielen, gibt es wie Sand am Meer. In „R.U.S.E.“ rollen die Panzer nun über Schlachtfelder, die mit einem enormen Zoomfaktor und vielen Gemeinheiten locken. Von Jan Schmitt

Geht man näher ans Geschehen heran - wie hier an einen kleinen Stützpunkt - so fällt die detailarme Grafik auf. Abgesehen von Einheiten und Bäumen gibt es fast nichts zu entdecken.

Strategiespiele auf Konsolen sind selten. Das liegt zum einen daran, dass ein Gamepad in der Präzision einfach nicht mit einer Maus mithalten kann, zum Anderen aber auch daran, dass es auf dem Sofa selten zur Lust auf taktische Gefechte über längeren Zeitraum kommt. „R.U.S.E.“ versucht das nun zu ändern, verzichtet fast gänzlich auf fummeliges Micro-Management und kommt mit riesigen Karten samt konsolenfreundlicher Steuerung daher.

Ein etwas langsameres Spieltempo sorgt zudem für wenig Hektik und lässt das Spiel neben dem pfeilschnellen „Starcraft 2“ fast schon langweilig aussehen. PC-Spielern dürfte das allerdings zu langsam sein, immerhin profitieren diese von den zahlreichen Hotkeys.

In der höchsten Zoomstufe wird das Schlachtfeld als Tisch dargestellt. Insbesondere mit einem Touchscreen-Monitor entsteht ein richtiges Generals-Gefühl, dass den Spieler per Fingerbewegung seine Truppen verschieben lässt.

Trotz der einfachen Steuerung wird das Spiel jedoch nicht zu leicht. Selbst in einfachen Schwierigkeitsgraden sorgt die gut gelungene KI für spannende Gefechte und hohe Verluste in den eigenen Reihen. Eine präzise Aufstellung der eigenen Truppentypen und ein Ausnutzen der mehrere Kilometer großen Schlachtfelder sind somit unbedingt erforderlich, will man den Sieg erringen.

Trotz der riesigen Karten konzentrieren sich die Gefechte übrigens auf wenige markante Punkte, die spezielle Zoom-Engine, die das Geschehen aus dem Himmel betrachtet, wird somit fast überflüssig. Ein Nachteil der Größe sind zudem die realistischen Bewegungsgeschwindigkeiten der Einheiten. Sausen Flugzeuge noch geschmeidig über den Himmel, so quälen sich Panzer langsam über die Straßen. Schlecht, wenn man eigentlich schnell reagieren müsste.

Dennoch entwickeln die Gefechte schnell einen Sog. Das bewehrte Stein-Schere-Papier-Prinzip fesselt von den ersten Missionen an und bietet Spielraum für zahlreiche Taktiken. Lieber mit einem Aufklärer die Feinde ausfindig machen und mit der Artillerie von hinten schießen oder direkt mit den Panzern ins Feindesland einmarschieren und die Luftunterstützung in die Flanke fallen lassen? Letztere wird allerdings gerne einmal von den Flugabwehrgeschützen des Gegners vom Himmel geholt, die sich, dank der relativ detailarmen Grafik in der Nahansicht nur schwer ausfindig machen lassen.

Die Zwischensequenzen des Spiels wirken altbacken und können nicht mit denen, eines „Starcraft 2" mithalten. Es fehlt an Spannung und Innovation.

Neben der 23 Missionen langen Kampagne, die sich, ganz klassisch, um einen aufsteigenden Offizier dreht, der gegen die Nazis kämpft und dabei seinen Erzbösewicht findet, locken noch einige andere Spielmodi. In den Szenarien soll beispielsweise eine Verteidigungslinie lange genug gehalten oder attackiert werden. Gefechte gegen den Computer, Koop-Missionen und der ausgereifte Multiplayer runden das Paket ab. Speziell in letzterem lohnen sich die namensgebenden „Ruses“, die den Gegner in die irre führen oder den eigenen Vorteil sichern. So bewegen sich Einheiten mit dem „Blitz“ schneller oder werden mit „Terror“ in die Flucht getrieben. Papp-Panzer oder das Verschwinden von ganzen Armeen können zudem schlachtentscheidend sein.

R.U.S.E

Erhältlich für: PC, PS3, Xbox360

Ab 12 Jahren Homepage

Trotz des altbackenen Szenarios und der kleineren Mängel ist das Spiel mit den vielen Punkten im Namen also durchaus zu gebrauchen. Der Multiplayerpart mit seinen fünf spielbaren Ländern und den verschiedenen Stärken/Schwächen unterhält auch über längeren Zeitraum, und wer ein Herz für Strategiespiele, aber nur eine Konsole hat, der greift sowieso zu. Spieler mit zu viel Geld, können den Titel zudem über riesige Touchscreen-Bildschirme spielen und somit die Generalatmosphäre bei den ausladenden Zoomstufen genießen.

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