Mord im Londoner Armenviertel

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Ein Mann, der als Vorbild der Detektive gilt, sucht einen Mörder, der sich nie fassen lies. Schlüpfen Sie in die Rolle von Sherlock Holmes und jagen Sie Jack the Ripper.

1888 war ein Jahr voller Ereignisse. Ein plötzlich einsetzender Blizzard kostet in den USA etwa 400 Menschen das Leben, in Frankfurt wird der Hauptbahnhof eröffnet, das Deutsche Reich erwirbt die Pazifikinsel Nauru und in London treibt der sagenumwobene Mörder „Jack the Ripper" sein Unwesen. Fünf Frauen fielen damals dem Mann zum Opfer und nie wurde der Täter gefasst. Von Jan Schmitt

Viel Zeit ist inzwischen vergangen. Zeit, in der man lernte sich vor Blizzarden zu schützen, Zeit, die der Frankfurter Hauptbahnhof nahezu unbeschadet überstand, Zeit, die die Pazifikinsel Nauru zum eigenen Staat werden ließ und auch Zeit, die den Menschen in der Forschung voranbrachte. Doch trotz all dieser Zeit fand man bis heute nicht heraus, wer der legendäre Killer war, der 1888 als „Jack the Ripper" Angst und Schrecken in den Gassen Londons verbreitete. Im klassischen Point&Click-Adventure „Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper" liegt es nun am Romanhelden und Vorzeigedetektiv Sherlock Holmes, den Mörder der fünf Prostituierten zu fassen.

Das Londoner Armenviertel quillte Ende des 19. Jahrhunderts fast über. Im Spiel merkt man davon kaum etwas. Tristesse findet sich dagegen an jeder Ecke.

So spannend sich die Geschichte auch anhören mag, die Umsetzung ist eher Mittelmaß. In der Rolle von Sherlock Holmes oder dessen Gehilfen Watson fühlt der Spieler der Sache mit den Morden auf den Zahn und rätselt sich durch London. Dabei lässt das Spiel die Wahl zwischen klassischer Point&Click-Steuerung oder der Ansicht aus der Ego-Perspektive. Beides geht dabei gut von der Hand und lässt auch Details inspizieren - vorausgesetzt sie werden gefunden. Oftmals heben sich die Gegenstände nicht stark genug von der Umgebung ab und lästige Suchereien sind die Folge. Besonders wichtig ist die Suche nach Details aber erst dann, wenn man sich dem Tatort nähert und etwa den entstellten Körper des Opfers betrachten. „Entstellt" trifft es dabei genau auf den Punkt, denn wirklich realistisch oder menschlich sieht das Ganze nicht mehr aus. Das hätte es wohl auch nicht, hätte „Jack the Ripper" mit Gift gemordet, denn um keine Spieler zu verschrecken entschied sich der Entwickler das Ganze mit humanerem, fast comichaftem Grafikstil darzustellen.

Die Innenareale sind oftmals recht dunkel und werden stimmungsvoll beleuchtet. Einzelne Details zu finden, wird hier jedoch schwer.

Die Tatorte sind zugleich grafischer Schwachpunkt, als auch spielerischer Höhepunkt des Spiels. Sicher, Londons Armenviertel war nicht das abwechslungsreichste und auch schillernde Neonreklame sollte man nicht erwarten in einem Titel, der 1888 spielt. Dennoch hätten dem Titel ein paar schärfere Texturen, flüssigere Animationen und gestalterische Abwechslung besser getan. Warum stehen die meisten Nichtspielercharaktere regungslos herum oder bewegen sich nur minimal? Warum sind die Straßen relativ leer, herrschte Ende des 19. Jahrhunderts doch bedrückende Enge in den sowieso schon engen Gassen. Dem gegenüber stehen wiederrum die gut vertonten Dialoge und die fordernde Hatz nach neuen Beweisen, um im Multiple-Choice-Verfahren schließlich die Beweiskette zu schließen und die richtige Schlussfolgerung zu ziehen.

Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper

Ab 12 Jahren

Erhältlich für: PC, Xbox360

Homepage

Die Geschichte des Titels ist ein weiterer Höhepunkt. Dadurch, dass der Spieler abwechselnd in die Rolle von Holmes und Watson schlüpft, wird die Story nach und nach bruchstückhaft klarer und selbst kleinere Laufburschenaufträge unterhalten kurzweilig. Wer ein Faible für Minispiele hat, der sollte ebenfalls zugreifen, denn immer wieder müssen Zahlenschlossrätsel oder andere Kopfnüsse geknackt werden.

Schlussendlich ist „Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper" ein Adventure, dass besonders Krimiliebhabern, Gelegenheitsspielern und Fans von Minispielen gefallen dürfte. Alle anderen sollten lieber auf den nächsten Teil der Serie warten, denn sowohl Grafik, als auch Spieldesign sind eher Mittelmaß.

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