Siedler, Träger, Wuselei: Die Rückkehr der Siedler

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Es wird wieder gewuselt. Mit Teil 7 der Siedlerreihe kehren die kleinen Männer wieder zu hohen Standards zurück.

Mit „Anno 1404" legte Ubisoft im Jahre 2009 die Messlatte für das Genre der Aufbaustrategiespiele hoch. Kein anderes Aufbaustrategiespiel schaffte es seitdem, das Spiel vom Thron zu schubsen. Nun kommt der Gegner jedoch aus den eigenen Reihen, denn Ubisoft schickt mit „Die Siedler 7" einen nicht minder charmanten Konkurrenten ins Rennen. Von Jan Schmitt

Mit „Aufstieg eines Königreichs“ gewannen die Siedler-Entwickler Blue Byte eher wenig Lob, war es doch der bis dato schlechteste Teil der Traditionsserie. Zu viele Änderungen schadeten dem Spiel und verwehrten den Weg zum Spitzentitel. Im neuesten Wusel-Spiel der Düsseldorfer wurde nun abermals eine Menge umgestellt und dieses Mal scheint es nicht so, als hätte man sich keine Gedanken gemacht. Mit „Die Siedler 7" erreicht man wieder ein gehobeneres Maß, auch wenn es vielleicht nicht zum Titel „Das Spiele-Highlight 2010“ reicht, wie auf der Spiele-Verpackung steht.

In Gesprächen und Zwischensequenzen wird die Kampagne vorangetrieben - wirklich qualitativ hochwertig sind diese aber in der Regel nicht.

Bevor wir jedoch zu den größten Neuerungen kommen, möchten wir sagen: „Ja, es ist noch ein Siedler-Spiel!“. Anders als bei vielen aktuellen Spielen, die mit zahlreichen Neuerungen das Gesamtkonzept auf den Kopf stellen, bleibt sich hier die Serie treu. Noch immer erschafft der Spieler eine florierende Gesellschaft, indem er verschiedene Gebäude baut, dabei auf genug Materiallager und ausgeglichene Rohstoffverhältnisse achtet und die Wege und Gebäude sinnvoll anordnet. Wer das komplexe Baumenü sucht, wird jedoch enttäuscht. Statt einer Liste mit allen baubaren Gebäuden werden nun die Grundbauten hochgezogen und dann jeweils erweitert. So wird aus einem Bauernhof eine Getreidefarm oder eine Viehzucht. Das gewonnene Mehl landet später in der Mühle und wird von dort zum Bäcker gebracht. Da der Müller jedoch selbst mit dem Mehl aufbricht, steht die Mühle derweil still. Kurze Wege sind somit unverzichtbar, will man nicht ewig auf Waren warten.

Städte werden in der Regel nicht sonderlich groß, lassen sich jedoch beständig ausbauen. Ein richtiges Großstadtgefühl gibt es daher kaum.

Gegliedert wird die Spielwelt in Sektoren, die mit unterschiedlichen Rohstoffvorkommen locken. So findet sich nur in bestimmten Gebieten das wertvolle Eisenerz für Waffen, um an Fisch zu gelangen muss jedoch ein weiterer Sektor eingenommen werden. Wie das geschieht, das bestimmt der Spieler. Militärfanatiker schicken einfach ihre teuren Truppen ins Feld, müssen jedoch - insbesondere bei befestigten Verteidigungsanlagen - mit Verlusten rechnen, finanzstarke Spieler lassen einfach ein paar Geldsäcke zur Bestechung wandern; wer eher auf religiösen Frieden wert legt, der sendet ein paar Mönche ins Feindesland. Diese werden zwar nicht angegriffen, brauchen jedoch für den Weg eine ganze Weile.

Wertvoll sind die Glaubensmänner jedoch auch für die Forschung. Wer möchte, kann sie auf Technologien ansetzen, die beispielsweise höhere Erträge oder stärkere Einheiten garantieren. Ist die Forschung einmal begonnen, so kann der Feind jedoch auch einfach mehr Mönche darauf ansetzen und die Technologie somit wegschnappen. Mit den neuen Prestigepunkten passiert das nicht, durch neue Sektoren oder besondere Bauten steigt der Spieler im Prestigerang auf und bekommt so ebenfalls Vorteile, wie erweiterte Wohnhäuser.

Über das Handelsmenü lässt sich anzeigen, welche Handesrouten verfügbar sind und an welchen Orten Rohstoffe gebraucht werden.

Die wohl größte Neuerung im Siedler-Universum ist das Siegepunkte-System. Anstatt wie in anderen Strategiespielen mit einer Armee über den Gegner zu walzen oder mithilfe eines Weltwunders zu gewinnen, liegt es am Spieler, wie er vorgehen möchte. Je nach Neigung lässt sich sowohl durch militärische Aktionen, als auch durch eine florierende Wirtschaft, Forschung oder schneller religiöser Expansion gewinnen. Wer beispielsweise die größte Armee befehligt, einen neutralen Sektor einnimmt, den größten Geldbeutel oder eine zum Bischofssitz ausgebaute Kirche besitzt, der erhält Siegpunkte. Zusätzlich tauchen immer mal wieder Auftraggeber auf, die weitere Siegpunkte gewähren, wenn man ihren Bitten nachkommt. Das können Warenlieferungen oder militärischer Schutz sein. Hat ein Spieler eine bestimmte Anzahl an Siegpunkten erreicht, so beginnt ein dreiminütiger Countdown. Schafft es der Gegenspieler nun nicht innerhalb des Zeitlimits, ebenfalls die gleiche Menge an Siegpunkten zu ergattern oder dem anderen Spieler abzuluchsen, so ist die Spielrunde vorbei.

Die Siedler 7

Ab 6 Jahren Erhältlich für: PC Homepage

Durch das neue Siegpunkte-System wird das wuselige Siedeln einen ganzen Tick schneller und spannender, es könnte ja immer sein, dass der KI-Gegner (oder menschliche Mitspieler) die gleichen Ziele verfolgen und einem plötzlich fast alle der wertvollen Punkte wegschnappen. Wem dadurch allerdings das gewohnte Siedlergefühl abhandenkommt, der kann sich jede Karte nach seinen Vorlieben anpassen und beispielsweise Gegner entfernen. Ob „Die Siedler 7“ das ältere „Anno 1404“ vom Aufbau-Thron schubsen kann, muss schlussendlich jeder für sich selbst entscheiden, die größten Unterschiede finden sich bei den Siegpunkten und dem erhöhten Tempo der Siedler.

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