Ödes Mittelalter Intermezzo der Sims

+
Die Tafel ist angerichtet, das Spiel fertig. Doch kann „Die Sims: Mittelalter“ auch überzeugen? Unser Test liefert Antworten.

„Die Sims“, das sind Charaktereditoren, Häuserbau, Einrichtung derselben, brennende Leute am Herd und sterbende im Swimmingpool ohne Leiter. In „Die Sims: Mittelalter“ gibt es nun weder Swimmingpools, noch Häuserbau. Dafür gibt es Barden. Jippie. Von Jan Schmitt

Man hätte so viel aus der Mittelalter-Thematik machen können. Man hätte sich eigene Sims erschaffen, diese in selbst konstruierte und eingerichtete Häuser stecken und anstatt in Bürogebäude in dunkle Drachenhorte schicken können. Man hätte Höhlen wirklich erforschen und ein vielfältiges, interessantes und abwechslungsreiches Leben kreieren können. Hat man aber nicht. „Die Sims: Mittelalter“ ist sicherlich kein schlechtes Spiel – doch aus dem ganzen Potential hätte man so viel mehr machen können. Ist der Titel also wirklich nur ein „Die Sims 3“-Ableger auf Diät?

Die Charaktererstellung der unterschiedlichen Personen ist weiterhin vorhanden und bietet eine Auswahl an hübschen Mittelaltergewandungen.

Vieles spricht dafür. Grafik, Technik und Sound orientieren sich stark am Originalspiel. Statt Bedürfnissen wie Hunger, Hygiene, Komfort, Energie, Harndrang etc. gibt es nur noch Hunger und Energie. Statt Häuserbau lassen die vorgefertigten Buden noch maximal ein wenig einrichten. Statt selbstständiger Jobwahl bekommt jeder – immerhin noch selbst erstellbare – Charakter nun eine Berufung zugewiesen. Dafür wechselt man stetig zwischen mehreren Charakteren, zwei sind zudem immer gleichzeitig aktiv – der Rest ist computergesteuert.

Wie sieht das Spiel also aus?

Nachdem man erneut einen Charakter erstellt und in die durchaus hübschen Mittelaltergewänder gesteckt hat, stößt man schnell auf die größte Neuerung der Serie, quasi das Rollenspielelement: Aufträge. Immer wieder kommt es in der Siedlung zu Problemen, die gelöst werden wollen. Je nach aktiver Person (und damit auch Berufung) werden die Aufträge anders angegangen. Der Ritter geht oft brutal vor, der Barde versucht es diplomatisch, der König sorgt sich mehr um sich selbst und der Schmied versucht es mit Technik. Wirklich viel von den Unterschieden bekommt man jedoch selten mit, da schlussendlich alles im Verborgenen geschieht und – ähnlich der Gruft im Originalspiel – nur Textfenster über Entscheidungen und Ergebnisse informieren.

Ein ganz normales Leben im Sims-Mittelalter. Einer steht am Pranger, ein anderer wird von Monstern angegriffen...

Jeder Charakter hat dabei jedoch auch seine Schwächen. Einer geht ständig auf die Barrikaden, ein anderer ist beispielsweise ungeduldig oder stets hungrig. Wer jedoch seinen Konzentrationsbalken – das Mittelaltersynonym für die Erfolgsanzeige – stets per Wunsch- und Aufgabenerfüllung oben hält, der hat gute Chancen den Ausbrüchen zu entgehen. Schade nur, dass diese Wünsche und Aufgaben sich schnell wiederholen und auf Dauer gar nerven. Beteiligt man sich zu Beginn noch mit Interesse an jeder kleinsten humorvollen Animation der Charaktere, so wird es eben langweilig, wenn sich diese quasi stündlich abspielt.

Als Äquivalent zur Karriereleiter steigt jeder der Charaktere nach und nach im Rang auf, bis er, auf Rang 10 angekommen, schließlich seine Berufung perfektioniert hat. Dann klappen Zaubersprüche besser, bessere Schwerter werden geschmiedet oder unser Ritter siegt häufiger in Duellen.

Die Sims: Mittelalter

Ab 6 Jahren

Erhältlich für: PC

Homepage

Abseits dieser Aufträge gibt es jedoch nicht viel zu tun. Natürlich lauert hinter jeder Ecke etwas Humorvolles. Von Hinweisen, über Beschreibungen, bis hin zur Animation – ein Schmunzeln hat man quasi ständig auf den Lippen. Doch diese Langzeitunterhaltung, die man aus der Serie kennt, die fehlt. Der Häuserbau und Einrichtungswahn ist eben doch ein elementarer Spielteil. Ich will meine eigene Burg bauen, will sie einrichten, abreißen, umgestalten, Geheimgänge bauen und sehen, was passiert, wenn mein Held im Wald verschwindet – nicht nur über Textfenster.

Kommentare