Waschbäriges Abenteuer für junge Spieler

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Egal ob in der Haut des Haupthelden oder in der seiner Kollegen: Die „Sly Trilogy" unterhält durchaus einige Stunden.

Spielehelden nehmen schon seltsame Formen an. Egal ob schnauzbärtiger Klempner, rasender Igel oder pinkfarbene Kugeln namens Kirby. Auf der Playstation 2 machte einst ein diebischer Waschbär seine Runden - und mit der „Sly Trilogy" schleicht er sich auch ins Jahr 2011. Von Jan Schmitt

Die Ära der konventionellen 3D-Jump‘n‘Runs ging mit Erscheinen der aktuellen Konsolengeneration zu Ende. Nur vereinzelt fassen Entwickler und Publisher noch den Mut zum Sprung und so versinken die Namen der einstigen Konsolen-Aushängeschilder im Morast des Vergessens. Wer kennt heute schon noch den lilafarbenen Mini-Drachen Spyro? Den Geheimagenten-Gecko Gex? Den Beuteldachs Crash Bandicoot? Nur vereinzelt fanden die Urgesteine des Genres ihren Weg auf Handys, iPods, Wii, 360 oder Playstation 3.

Mit der „Sly Trilogy“ wird nun immerhin ein halbwegs bekannter Geselle aus der verstaubten Kiste geholt: Der diebische, schleichende Waschbär Sly Cooper. Alle drei Abenteuer in einer technisch verbesserten Version zum kleinen Preis. Wer kann da schon ablehnen?

In den häufigen Schleich-Abschnitten darf Sly nicht gesehen oder gehört werden. Ganz so schwierig wie bei Sam Fisher ist es dann aber nicht.

2003 kletterte der hüpffreudige Waschbär erstmals auf die Playstation 2 und erlebte in einer kindgerechten Comicwelt seine Abenteuer. Um Rache an den Mördern seiner Eltern zu nehmen, suchte Sly die teuflischen Fünf - ein Quintett aus verschiedenen Tieren. Zusätzlich musste er immer mal wieder die Seiten des Buches der Meisterdiebe finden, ein Erbstück der Cooper-Familie. Besonders an dem Titel war damals die Abwechslung, die entstand, wenn Sly mal nicht hyperaktiv durch die Comicwelten sprang und seine Widersacher mit verschiedenen Tricks überwand. Immer wieder war es nötig zu schleichen, um an sein Ziel zu kommen. Auch die Interaktionen mit den beiden Begleitern Murray und Bentley sorgten für Unterhaltung. Negativ fiel dagegen die enge Levelstruktur auf. Erkundungsfreiraum gibt es keinen, das Spiel verläuft in Levelschläuchen.

Waschbären, Nilpferde, Schildkröten - die Charaktere bleiben abwechslungsreich, sind jedoch recht oberflächlich gestaltet.

Im zweiten Teil („Band of Thieves“) ändert sich das jedoch. Die Level sind offener, die Hüpfpassagen ein wenig anspruchsvoller und die Geschichte rund um die Erweckung des aus Teil 1 bekannten Erzbösewichts unterhaltsam. „Honour Among Thieves“, der dritte Teil, vollendet die Geschichte und liefert dank leicht besserer Technik, einer noch offeneren Welt und der spürbaren Weiterentwicklung der Charaktere einen grandiosen Abschluss. Wer möchte, kann sogar die Charaktere wechseln und verschiedene Level somit unterschiedlich lösen. Der Schwierigkeitsgrad variiert dabei leicht, bleibt insgesamt jedoch fordernd, ohne zu frustrieren. Obwohl man allen drei Titeln ein hübscheres Äußeres verpasst, eine 3D-Option spendiert und Playstation-Move-Minispiele eingefügt hat, wurde nämlich nicht an den Speicherpunkten geschraubt. Wer einen Fehler macht, spielt also gerne einmal mehrere Minuten nochmals.

The Sly Trilogy

Ab 6 Jahren

Erhältlich für: PS3 Homepage

Insbesondere für jüngere Spieler eignen sich die drei Titel gut. Das mag an der recht zeitlosen Cell-Shading-Grafik liegen, dem eher seichten Humor und dem Titelhelden, der, als eine Art „Robin Hood der Tierwelt“, nur die Bösen bestiehlt. Wer hochdramatische Geschichten mit filmreifen Zwischensequenzen erwartet, der ist hier jedoch falsch. Ebenso Besitzer der Originaltitel, denn abgesehen von minimalen Änderungen hat sich nicht viel getan. Für den Preis von etwa 40 Euro erhält man jedoch eine ganze Menge Spiel. Fans von alten Jump‘n‘Runs greifen zu!

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