Einmal Diktator sein

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Sie eifern Fidel Castro nach und wollen selbst einmal an der Spitze eines Inselstaates stehen? „Tropico 3" bietet Ihnen die Chance dazu und konfrontiert Sie mit all den Diktator-Problemen.

Diktatoren gelten in der Regel als unbeliebt, machtbesessen, gierig und böse. Im Wirtschaftsspiel „Tropico 3" können Sie selbst einmal in die Rolle des Unterdrückers schlüpfen und schauen, wie einfach es sich wirklich an der Spitze eines Staats lebt. Von Jan Schmitt

Stellen Sie sich vor, sie wären Diktator einer mittelgroßen, karibischen Insel mit traumhaften Sandstränden, dichter Palmenvegetation und kristallklaren Bächen und Seen. Stellen Sie sich vor, ihre Insel würde mehrere dutzend einheimische Arbeiter beherbergen, die zwar fleißig für Sie schuften, jedoch immer höhere Löhne fordern. Stellen Sie sich vor, ihr Reichtum würde sich langsam dem Ende zuneigen. Was würden Sie in dieser Situation tun?

Tropico 3

Erhältlich für PC

Freigegeben ab 12 Jahren

Homepage

In „Tropico 3" können Sie ihre profitorientierte Seite hervorholen. Pflastern Sie den Strand mit Betonhotels zu, lassen Sie die Wälder abroden und feuern Sie die einheimischen Arbeiter um ein paar billigere Arbeitskräfte aus dem Ausland zu holen. Politische oder ökologische Korrektheit ist hier kein Muss, einzig „El Presidente" hat zu entscheiden was gemacht wird. Dabei ist das Aufbaustrategiespiel fast nur eine Neuauflage des Originals von 2001.

Zu Spielbeginn wählen Sie entweder einen von bekannten Diktatoren - beispielsweise Fidel Castro - aus oder erstellen sich ihren eigenen Despoten. Spezielle Eigenschaften gewähren Ihnen dabei Vor- oder Nachteile, beispielsweise höheres Ansehen bei einer bestimmten Fraktion oder billigere Baukosten. Ziel des Spiels ist es, solange wie möglich im Amt zu bleiben - ob als gnadenloser, kommunistischer Diktator, der den Strand mit Touristenfallen zupflastert und dabei die Bevölkerung im Inselinneren im Dunst der eigenen Fabriken leiden lässt, oder als kapitalistischer, demokratischer USA-Freund, der dafür nach der Wahl an Amnesie leidet, wenn es ums Thema Wahlversprechen geht.

Überteuerte Souveniershops lohnen sich besonders in der Nähe von Sehenswürdigkeiten. Hier kommen die meisten Touristen vorbei.

Die Aktionsmöglichkeiten in „Tropico 3" sind schier unerschöpflich. Sie können Propaganda per Radio verbreiten oder ganz klassisch vom Palastbalkon sprechen und den verschiedenen Bevölkerungsgruppen neue Gebäude zusichern oder auf Probleme aufmerksam machen. Plantagen lassen sich beispielsweise mit Kaffee, Bananen und Tabak bepflanzen - wer jedoch nur Tabak anbaut, riskiert eine Hungersnot und somit einen Aufstand oder gar Putschversuch. Plantagen wachsen allerdings nur dort, wo es genügend Feuchtigkeit gibt und Fabriken sollten nicht unbedingt neben Wohnbauten stehen. Zu wenig Lohn lässt ihre Arbeiter nicht erscheinen, Fachkräfte aus dem Ausland kosten allerdings und haben höhere Ansprüche. Statt Wellblechhütten sollten also zukünftig auch gepflegte Miethäuser gebaut werden.

Je weiter Sie im Spiel sind, desto größer ist Ihre Siedlung. Dabei ist Planung gefragt, denn Fabriken sollten nicht neben Nobelhotels stehen.

Selbst ihre Diplomatie bietet Vor- und Nachteile. Ihre kommunistischen Bürger sehen es beispielsweise nicht gerne, wenn Sie mit den USA anbandeln, während Kommunismussymphatisanten wiederrum schnell Probleme mit den Vereinigten Staaten bekommen. Um eine florierende, möglichst alle Seiten zufriedenstellende Insel aufzubauen, dauert es somit zahlreiche Stunden. Erfolg oder Misserfolg zeigt sich dabei nicht sofort. So wirft eine Plantage erst drei Jahre nach Baufertigstellung die ersten Gewinne ab und das Bedürfnis eines Einwohners nach ärztlicher Versorgung wird auch erst gestillt, wenn dieser das neue Krankenhaus besucht hat. Trotz aller Möglichkeiten geizt „Tropico" mit grafischen Erfolgsdarstellungen. Statt Menschenmassen beim Papstbesuch erscheint so nur eine Meldung, dass die religiöse Schicht für eine Weile in Jubel verfällt. Durch die Massen an Tabellen, Daten und Anzeigen haben Aufbau-Profis sofort ihren Spaß, alle anderen müssen sich erst einmal einarbeiten.

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