Schläge, Tritte, Käfigkämpfe

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Egal ob Faustkampf, Tritte, das Ringen am Boden oder sonstige Manöver: Das neue Spiel zur UFC macht einen Heidenspaß.

Es ist ein Sport, dessen Ausstrahlung im deutschen TV verboten wurde. DSF musste die „Ultimate Fight Championship" aus dem Programm nehmen, weil die Kämpfe in den Metallkäfigen zu brutal waren.  Von Jan Schmitt

Hat man einmal keine Lust sich selbst in den Ring zu stürzen, so lassen sich auch Kämpfe beobachten, die vom Computer gespielt werden.

Das Spiel zu den Schlägereien darf dennoch erscheinen und wirft ein ganz anderes Licht auf den Sport, der in den vereinigten Staaten so populär ist.

Zwei Männer stehen sich in einem Octagon - einem achteckigen Käfig - gegenüber. Scheinwerfer beleuchten die Szenerie von allen Seiten, Kameramänner filmen die Kämpfer über die Banden hinweg und der Ringsprecher kündigt fulminant den bevorstehenden Kampf der Schwergewichte an. Kurz darauf gehen die beiden muskulösen Männer aufeinander los, boxen, treten, gehen in den Clinch und werfen einander auf die Matte. Ehe der Zuschauer sich versieht, ist einer der Männer auf dem anderen und versucht, ihn zu schlagen. Diesem gelingt es jedoch, sich herauszuwinden und den Arm des Gegenspielers zu greifen um ihn quälend langsam zu verdrehen. Das Publikum jubelt, als der Unterlegene mehrmals auf den Boden klatscht und somit seine Niederlage bekannt gibt.

Im Notfall greift der Arzt ein

Szenen wie diese sind in einem UFC-Kampf an der Tagesordnung. Gebrochene Gliedmaßen? Fehlanzeige. Cuts und Blut? Ja. Es kann durchaus vorgekommen - real, als auch im Spiel - dass der Ringarzt den Kampf abbricht, weil er zu gefährlich wird. Es ist also fraglich, ob man von einer erhöhten Brutalität sprechen kann, wenn sich zwei Kämpfer unter den Augen von Richtern und Ärzten miteinander messen und zahlreiche Regeln festlegen, wie weit die Beteiligten gehen dürfen. Geht man im neuen „UFC Undisputed 2010" zu aggressiv und unbedacht vor, so ist man es selbst, der schnell im Nachteil ist - oder der Kampf wird eben abgebrochen.

Die Atmosphäre in den Arenen ist gewaltig. Während sich die Kämpfer gegenseitig auf Trab halten, sorgen Ringsprecher, Kommentatoren und Publikumsrufe für ein mittendrin-Gefühl.

Gerade diese Nähe zur Realität macht die neue Octagon-Klopperei so interessant. Egal ob im Multiplayer oder in Gefechten gegen den Computer, es gibt viel zu beachten und die Präsentation könnte direkt aus dem TV übernommen worden sein. Geht der Spieler mit seinem Kämpfer offensiv vor und versucht, ihn schnell K.O. zu hauen oder blockt ihn eine Weile ab und überwältigt ihn dann? Halte ich ihn mit Tritten und Schlägen auf Distanz oder falle ich ihm im Clinch um den Hals und traktiere Kopf, Beine und Rücken mit Schlägen und Kniestößen? Die Möglichkeiten sind zahlreich.

Ist ein Kampf gewonnen, so lassen sich spezielle Jubelrufe ausführen - und das eigene Ansehen in Interviews steigern.

Der große Kern des Spiels steckt im Karriere-Modus. Hier wird zuerst der eigene Kämpfer gestaltet. Frisur, Haarfarbe, Augenfarbe, Statur, Leicht-, Mittel-, Halbschwer- oder Schwergewicht, Bekleidung und Tattoos werden ausgewählt. Je nach Einstellungen ändert sich somit die Schlagreichweite. Danach werden sowohl die ersten Techniken (egal ob Boxen oder Jiu-Jiutsu), als auch Kombinationen bestimmt. Werte des Kämpfers sind ebenso von Bedeutung. Nur ein ausgewogener Kämpfer hat wirkliche Chancen auf den Sieg, denn wer zu sehr auf den Faustkampf im Stand setzt, der ist, einmal am Boden, fast chancenlos und hat den Kampf quasi verloren.

Im Laufe des Kampfes kommt es häufig zu Auseinandersetzungen am Boden. Anders als beim Boxen sind hier auch Attacken gegen Konkurrenten am Boden erlaubt.

Ist der Charakter erstellt, so bietet das Spiel ein ausführliches und langes (aber überspringbares) Tutorial an. Neueinsteiger sollten es nutzen, da jeder Griff, jeder Schlag, jeder Angriff konterbar oder zumindest blockbar ist. Wer die komplexe Steuerung nicht beherrscht, muss der Niederlage ins Auge sehen. Bestreitet man die ersten Kämpfe noch im Octagon des Trainingslagers, so winkt bald der Aufstieg in höhere Ligen - bis hin zu Weltmeisterkämpfen in der UFC. Zwischen den Kämpfen stehen jedoch auch eine Reihe organisatorischer Aufgaben an. Regelmäßiges Training steigert Stärke, Geschwindigkeit und Kondition, Sparring lässt bestimmte Fertigkeiten verbessern, Trainingscamps lehren neue Techniken. Nur wer abwechslungsreich trainiert, dabei keine Aspekte unter den Tisch fallen lässt und auf seine Erholung achtet, hat Chancen und Vorteile in den nächsten Kämpfen.

Nervige Imagetermine

In regelmäßigen Abständen kommt es schließlich zu Mails, die weitere Aufgaben garantieren und den Wochenkalender zusätzlich strapazieren. Erledigt man die Aufgaben gut und gewinnt auch regelmäßig seine eigenen Kämpfe, so steigt man nach und nach im Ruhm-Balken auf, bekommt neue Sponsorenkleidung und tritt schließlich gegen den Champion der Gewichtsklasse an, um diese später noch zu verteidigen. Nach mehreren Titelverteidigungen ist sogar ein Aufstieg in eine höhere Gewichtsklasse möglich.

UFC Undisputed 2010

Ab 18 Jahren Erhältlich für: PS3, Xbox360

Homepage

Schlussendlich ist „UFC Undisputed 2010" ein Titel, der durchaus - vor allem in der Präsentation - überzeugen kann. Grafisch gibt es nichts zu bemängeln und selbst der Sound erinnert frappierend echt an reale Kämpfe - was nicht zuletzt an den klassischen Kommentatoren liegt. Wirklich nervig sind nur die immer wiederkehrenden Interviews nach gewonnenen Kämpfen, die Anfragen für Kamerateams und die sehr komplexe Steuerung. Fans der UFC greifen dennoch zu!

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