Von Nepal bis nach Borneo

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Zahlreiche Waffen, eine tolle Grafik, ein abwechslungsreiches Abenteuer: All das machte das Spiel zum Hit.

Eleganter als Lara Croft, charismatischer als Indianer Jones, realistischer als Kratos: Mit „Uncharted 2: Among Thieves“ wurde gegen Ende 2009 ein Action-Adventure aus dem Playstation 3-Taufbecken gehoben, dass es spielerisch leicht mit Genregrößen der vergangenen Jahre aufnehmen kann. Doch was unterscheidet das Spektakel von den altgedienten Recken? Von Jan Schmitt

Immer wieder werden Kämpfe ausgetragen. In der Regel per regem Bleiaustausch und nur selten - wie hier - im Nahkampf.

Legenden zufolge sagte Marco Polo im Jahr 1324 auf seinem Sterbebett, dass er nicht einmal die Hälfte dessen erzählt hätte, was er erlebt habe. Augenzeugen aus jener Zeit sprechen von dem mysteriösen Verschwinden von Schiffsladungen, als Polo von seiner China-Reise wieder gen Europa segelte. Grund genug den Gerüchten Glauben zu schenken und ein Spiel rund um Artefakte, böse Buben, schöne Frauen und einem weltumfassendem Geheimnis zu stricken, dachte sich wohl Entwickler „Naughty Dog“. Besser so, denn mit „Uncharted 2: Among Thieves" erschien Ende 2009 ein Titel, der noch Mitte 2010 als grafisches Meisterwerk und Kaufgrund für die Playstation 3 gilt.

Selbst durch tiefen Schnee und über vereiste Hänge muss Nathan um das Abenteuer zu überstehen.

Die größte Faszination entwickelt „Uncharted 2“ durch seine dichte Atmosphäre und der filmreifen Erzählung. Wer seinen Entdeckerdrang stillen oder einfach ein wenig auf eigene Faust durch die Lande ziehen will, der ist hier falsch, oftmals führt nur ein einziger Weg zum Ziel und jeder Knopfdruck ist vorgegeben. Das kommt allerdings der Erzählung zugute, denn innerhalb der etwa 13-stündigen Spielzeit warten gut 90 Minuten Zwischensequenzen auf den Spieler. Natürlich ist die Geschichte nicht gerade innovativ und könnte aus einem Indiana-Jones-Film stammen, geht es doch um verborgene Schätze, Museumseinbrüche und Rätsel in alten Ruinen - einzig die Nazis fehlen hier und der Protagonist hat mit „Nathan Drake“ einen nicht ganz so einprägsamen Namen.

Die meiste Spielzeit verbringt der Spieler damit Nathan durch die zahlreichen Schusswechsel zu navigieren. Da wird in Deckung gehuscht, blind aus dieser herausgefeuert oder gezielt mit Raketenwerfern ganze Deckungen weggesprengt. Die Gegner agieren dabei in der Regel nachvollziehbar, versuchen in die Flanken zu fallen oder halten sich so lange in Deckung, bis das Sperrfeuer abgeklungen ist. Zahlreiche Schießprügel - von der Desert Eagle, bis hin zum Maschinengewehr - sorgen für Abwechslung in den Gefechten. Wer es lieber still und heimlich mag, der kann aber oftmals auch Gegner umgehen und heimlich von hinten ausschalten. Das senkt den fünfstufigen Schwierigkeitsgrad ein wenig.

Es gibt Stellen im Spiel, die weder Schießereien, noch andere explosive Momente beinhalten. Die Atmosphäre sorgt dafür, dass man sich dennoch nicht langweilt.

Die andere Sparte, die „Uncharted 2“ bedient, ist die der feindlosen Action. Da wird unter Zeitdruck in einem abrutschendem Zugwaggon herumgeklettert, während immer wieder schwere Gegenstände von oben herabsacken und der Abgrund unter Nathan immer bedrohlicher erscheint oder man schnell noch eine rettende Hand erreichen muss. In manchen Situationen schaltet das Spiel jedoch automatisch in eine Zwischensequenz und nimmt dem Ereignis somit seine Spannung. Quick-Time-Events, in denen der Spieler zur richtigen Zeit die richtige Taste drücken muss, gibt es kaum. Doch auch in ruhigeren Passagen macht das Spiel durchaus Spaß. Die grafische Qualität sorgt für eine durchweg dichte Atmosphäre, egal ob im Dschungel Borneos oder in einem verschneiten Dorf in Nepal. Manchmal genießt man einfach die Aussicht oder die schönen Motion-Capure-Animationen der Charaktere.

Uncharted 2: Among Thieves Ab 16 Jahren Erhältlich für: PS3

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Wer das Abenteuer schließlich beendet hat, der kann sich im Mehrspielermodus austoben. Gefundene Schätze aus dem Einzelspielermodus lassen sich in Geld umtauschen und damit neue Fertigkeiten, Gesten oder Kostüme freischalten - vorausgesetzt, man hat in den Mehrspielergefechten genug Erfahrungspunkte gesammelt. Neben herkömmlichen Modi wie Deathmatch warten auch Varianten auf die Spieler, die es beispielsweise verlangen einen Schatz ins eigene Lager zu tragen oder kooperativ gegen mehrere Wellen von Gegnern anzutreten.

Egal ob Einzel- oder Mehrspielermodus: Das Spiel bleibt ein wahres Prachtstück im Playstation-Lager. Weder an Sound, noch an Steuerung oder Grafik lässt sich etwas bemängeln. Einzig Kletterei und Rätseleinlagen wirken ein wenig zu einfach.

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