Rasante Effektorgie mit tollem Spielfluss

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„Vanquish" ist schnell, „Vanquish" ist stilvoll, „Vanquish" spielt sich toll. Der Titel aus Japan vereint viele tolle Elemente zu einem zwar kurzen aber guten Shooter.

Kommt ein neuer Shooter auf den Markt, so wird in der Regel viel Trubel gemacht. Nicht so bei „Vanquish“ einem Konsolenshooter mit irrwitziger Geschwindigkeit. Man bewarb das Spiel kaum, Trailer erreichten Europa erst vor kurzem und dennoch ist der Titel ein Hit. Von Jan Schmitt

Von einem modernen Shooter erwartet man so einiges. Eine Geschichte beispielsweise. Warum macht mein Charakter das, was er eben tut? Warum muss ich diese Gegner nun um die Ecke bringen? „Vanquish“ pfeift auf diesen Story-Trend und kommt mit altbackener USA-gegen-Russen-Handlung daher. Warum da dann allerdings plötzlich rote Mechs über die Raumstation flanieren weiß keiner. Es wird zumindest nicht deutlich gesagt und eigentlich ist das auch total egal. „Vanquish“ ist einer dieser Shooter, der keine Story braucht.

Per Boost gleitet man in rasendem Tempo über die Raumstation. Das hilft beim ausweichen und sorgt für ein schnelles Spielgefühl.

Von einem modernen Shooter erwartet man in der Regel auch Abwechslung. Da wechselt man im Minutentakt zwischen verschneiten russischen Wäldern in brasilianische Armenviertel, robbt durch Sandstürme, befreit Geiseln auf Ölplattformen oder dringt in Hochsicherheitsgefängnisse ein - oder bricht eben aus. Da wird der Charakter gewechselt, die Geschichte von mehreren Seiten erzählt und ab und zu auch hinter das Steuer oder Geschütz eines Fahrzeuges geschlüpft. Bei „Vanquish“ ist das nicht so. „Vanquish“ spielt nur auf einer Raumstation, man spielt nur einen einzigen Helden und wenn dieser mal hinter das Steuer eines Roboters schlüpft, so ist der Aufenthalt meist nur von kurzer Dauer und beschränkt sich aufs hektische Feuern mit den Bordkanonen.

„Vanquish“ ist in vielen Punkten das genaue Gegenteil der meisten aktuellen Shooter. Es ist schnell, es ist laut, es ist voller bunter, leuchtender Effekte und es spielt sich vor allem extrem flüssig. Es entwickelt einen Sog, der den Spieler in die Welt hineinzieht, ihn mit Coolness am laufenden Band belohnt und das nach kurzen sechs bis sieben Stunden zwar endet, jedoch einen positiven Gesamteindruck hinterlässt. Doch wie darf man sich das vorstellen? Der Spieler schlüpft in die Haut von Sam Gideon. Sam ist so etwas wie der Master Chief in „Halo“, also der Elitesoldat unter normalen Spacemarines. Sam ist nicht der lupenreine Held. Er flucht grob, reißt dreckige Witze, hängt ständig an der Glimmstange und besitzt den Traum eines jeden kleinen Jungen: Einen Kampfanzug mit verdammt coolen Funktionen.

Rücken an Rücken kämpft Sam mit einem hochdekorierten Spacemarine. Nicht selten ist man mit Gefährten auf den Schlachtfeldern.

Da wäre zum einen der Boost, der ihn in irrwitzigem Tempo auf Knien oder Hintern durch die Gegend gleiten lässt. Dann das Kraft-Upgrade, das ihn im Nahkampf fünf Meter hohe Mechs aus den Schuhen hauen lässt. Dann die eingebaute Zeitlupenfunktion, die jedes Mal zum Einsatz kommt, wenn er kurz davor ist, ins Gras zu beißen. Alternativ lässt sie sich aber auch manuell einschalten. Jede dieser Fähigkeiten kostet Energie, die sich nur in Ruhepausen regeneriert. Doch auch der kleine Energievorrat reicht für ein unglaublich schnelles Spielerlebnis. Sam springt aus der Deckung, boostet zu Gegner eins, haut ihn per Nahkampfattacke aus den Socken, boostet an Gegner zwei und drei vorbei, schaltet die Zeitlupe an und erledigt beide noch in der Bewegung, bevor er hinter der nächsten Deckung verschwindet und sich erst einmal die Kippe anzündet. Keine drei Sekunden später ergreift er wieder die Waffe, verwandelt mit gezielten Schüssen explosive Container in rot glühende Rauchwolken und schießt den Fahrer eines Mechs aus seiner Kanzel.

Riesige Gegner lassen sich oft nur durch traktieren von speziellen Punkten besiegen. Quick-Time-Events erledigen dann den Rest.

Das alles geschieht ständig und innerhalb von Augenblicken. Zwar lassen sich Gegner auch ganz typisch aus der Deckung heraus per Zielfernrohr erledigen, die Feinde reagieren jedoch intelligent, verschanzen sich, versuchen zu flankieren oder sprengen direkt die eigene Deckung weg. Nach einigen Minuten mit „Vanquish“ will man aber sowieso nicht mehr den klassischen Shooter spielen. Man will die vielen Gegner möglichst effizient ausschalten, die riesigen Bosse an ihren Schwachstellen treffen. Nicht selten rutscht man dafür per Boost unter seinem Feind hindurch, wirft dabei eine von zwei Granatensorten oder setzt sich an eines der stationären Geschütze. Abgesehen von ein paar Ausnahmen sind die Waffen übrigens unspektakulär. Schrotflinten, Maschinengewehre, Scharfschützengewehre - hat man alles schon gesehen. Dafür lassen sich die Knarren aufrüsten und somit beispielsweise mit größeren Magazinen versehen.

Ruhepausen gibt es im Spiel nur selten. Die einzelnen Level werden nur von einem kurzen Statistikbildschirm unterbrochen, gehen ansonsten jedoch flüssig ineinander über. Trotz der Beschränkung auf die Raumstation gibt es jedoch auch ein wenig Abwechslung. Mal fährt Sam auf einer Magnetschwebebahn, mal kämpft er sich durch Parkanlagen, mal dreht sich der Boden unter den eigenen Füßen, mal stürzen aus heiterem Himmel riesige Kampfflotten aufs Schlachtfeld.

Es ist bombastisch, was die japanischen Entwickler hier auf die Konsolen zaubern. Insbesondere, da der futuristische, eckige Grafikstil zugleich modern, als auch altmodisch wirkt. Viel Grau, viel Silber, viele Explosionen und bunte Effekte. Trotz der wirklich hübschen Grafik kommt es dabei nicht einmal zu Leistungseinbrüchen oder Grafikfehlern.

Vanquish

Ab 18 Jahren Erhältlich für: PS3, 360

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„Vanquish“ ist kein Shooter wie jeder andere. „Vanquish“ ist ein Meisterwerk, was Grafik, Stil, Soundtrack, Gameplay und einfache Steuerung betrifft. Selbst Spieler, die nichts mit Shootern auf Konsolen oder der Zukunftsthematik anfangen können, sollten einen Blick auf diesen Titel werfen. Langweilig wird es nie und auch wenn ein Mehrspielermodus fehlt, so sorgen ein weiterer Schwierigkeitsgrad, sowie die Möglichkeit, gegen die Zeit zu spielen, für lang anhaltenden Spielspaß. Klare Kaufempfehlung.

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