Weißer Ritter im Recyclingabenteuer

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Der weiße Ritter ist zurück und schickt Spieler des Vorgängers erneut in den Kampf zur Weltrettung. Neueinsteiger blicken allerdings in die Röhre und dürfen den mitgelieferten Erstling spielen.

Einsteigerfreundliche Spiele erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Je simpler, desto besser, so scheint die Devise. Doch was, wenn ein durchaus komplexes Rollenspiel auf jegliche Erklärung verzichtet und den Spieler in kaltes Wasser wirft? Von Jan Schmitt

„White Knight Chronicles 2“ ist so ein Titel. Statt ausführlichem Tutorial oder schrittweise heranführenden Erklärungen neuer Spielelemente startet der Titel mitten im Spielgeschehen. Die Charaktere sind schon auf Stufe 35, die Talentpunkte nicht verteilt und in großer Masse vorhanden, die erste Mission direkt eine Eskorte durch da Feindgebiet. Erklärungen? Fehlanzeige. „White Knight Chronicles 2“ entpuppt sich absolut unfreundlich gegenüber Einsteigern und verweist auf die andere Installation auf der Blu-Ray – die Installation des Vorgängertitels.

Neuerdings ist es auch möglich Zauber zu wirken. Diese können sowohl offensiv, als auch als defensiv-passive Boni daherkommen. Schade, dass es trotzdem nur möglich ist einen Charakter gleichzeitig zu befehligen.

Wer also seinen Spaß mit dem neuen Asia-Rollenspiel haben möchte, der darf sich erst einmal an eine überarbeitete Fassung des Vorgängers setzen. Dieser zeigt zwar einige kleinere Mängel und größere Macken auf, erklärt aber immerhin schon einmal die Geschichte, die Charaktere, das Spieldesign und was man hier überhaupt macht. Prinzipiell ein netter Schachzug, dem Käufer direkt zwei Spiele zum Preis von einem bereitzustellen – doch wer den zweiten Teil der Chroniken um den weißen Ritter eine Weile spielt, wird merken, dass der nette Schachzug vielleicht ein Eigentor des Entwicklerteams war.

Heroischer Winzer auf Marios Spuren

Die Story der beiden Titel ist, wie so oft bei Rollenspielen asiatischer Machart, gespickt mit Wendungen aber ziemlich klischeehaft. Reich 1 überfällt Reich 2, tötet dessen König, während Winzer Leonard die Prinzessin rettet und die magische Rüstung des weißen Ritters findet. Doch die Prinzessin wird wieder entführt und so macht sich der weiße Winzer auf die Welt zu retten – oder so. Im zweiten Teil droht dann schließlich noch der ehemalige Erzbösewicht der ganzen Welt mit Vernichtung und – wie sollte es auch anders sein – nur unser Held kann ihn aufhalten. Praktisch, dass er dabei auf alte Bekannte stößt und somit Charaktere des ersten Teils direkt wieder mit von der Partie sind. Wer den Vorgänger spielt, kann gar seinen Speicherstand übernehmen, dann wird allerdings die Charakterstufe auf 35 herabgesetzt.

Effekte und riesiges Getier sind Markenzeichen der Japano-Serien und auch hier vertreten. Unübersichtlich wird es allerdings nie, dafür sorgt schon die zeitliche Begrenzung beim attackieren.

Zu den bestehenden Charakteren lässt sich erneut ein eigener Held erstellen. Dieser übernimmt zwar im Laufe der Geschichte keine größere Rolle und ist somit nur sekundär interessant, kann aber von der Nasenspitze bis zum Augenwinkel komplett den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Wer seinen Helden im späteren Spielverlauf allerdings optisch verändern möchte, muss mit realem Geld bezahlen. Änderungen der vielfältigen Talente und Ausrichtungen (Krieger, Magier, Schütze) sind durch eine Neuorientierung ab Stufe 80 möglich, wer direkt zu Beginn eher suboptimal lernt, muss also eine Weile warten. Generell ist es allerdings nicht schwerwiegend, wenn man sich einmal nicht optimal entwickelt hat, der Schwierigkeitsgrad der Kämpfe mag zwar gestiegen sein, ist jedoch durchaus noch human und schützt vor frustigen Momenten.

Buttonsmashing, Timing und die Verwandlung zum Ritter

Gekämpft wird, anders als beim Kollegen „Final Fantasy“ nicht in Runden, sondern in Echtzeit. Per Tastendruck wird aus einem Menü die gewünschte Attacke oder der gewünschte Zauber ausgewählt und direkt gewirkt – eine kurze, durch einen sich füllenden Kreis symbolisierte, Ruhepause ist jedoch vonnöten. Wer zum richtigen Zeitpunkt auf die Tasten hämmert entlockt den Helden Kombos und kämpft effektiver. Auch lassen sich bei größeren Feinden spezielle Körperteile anpeilen und somit schwächen. Ab und an ist es auch möglich, sich in den namensgebenden weißen Ritter zu verwandeln. Dieser ist geschätzte acht Meter groß, haut dementsprechend alles kaputt und sollte taktisch klug eingesetzt werden, da entsprechend große Widersacher recht häufig auftauchen.

White Knight Chronicles 2

Ab 12 Jahren

Erhältlich für: PS3

Wer in den Mehrspielermodus eintauchen möchte, der kann sich mit wildfremden Menschen auf die Jagd begeben. Hier steuert man dann ausschließlich den selbst erstellten Charakter oder baut seine eigene Stadt auf. Besteht diese zu Beginn noch aus einem kleinen Dörfchen, so lassen sich später kleinere Metropolen errichten und ausbauen. Das sorgt für Unterhaltung und Langzeitmotivation, hat man die rund 30 bis 40-stündige Kampagne beendet. Bis jedoch die Schlusssequenz über den Bildschirm flimmert, erlebt der Spieler rund 90 Prozent der Gegner und Umgebungen des ersten Teils in neuem Gewand. Große Neuerungen fehlen. Der Titel wirkt insbesondere durch den ersten Teil auf der gleichen Blu-Ray nur wie ein lang andauerndes Addon in alten Gefilden. Wer damit leben kann und Japano-Rollenspiele liebt, der kann bedenkenlos zugreifen.

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