Jeden Tag eine böse Tat

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Vier Charakter, eine tolle Grafik, ein lebensechtes Japan. „Yakuza 4“ erfreut Fans fernöstlicher Lebenskultur.

Verbrechen sind seit jeher beliebter Stoff für Bücher, Filme und Spiele. Nicht zuletzt erfreut sich die „Grand Theft Auto“-Reihe, in der man immer einen Ganoven spielt, so großer Beliebtheit. Mit „Yakuza 4“ stürzt sich der Spieler nun wiedermal in die Tokioter Unterwelt. Von Jan Schmitt

Während „GTA“ und „Mafia“ Namen sind, mit denen Europäer direkt etwas anfangen können, gar vielleicht eigene Spielerfahrungen verbinden, ging die fernöstliche „Yakuza“-Serie auf dem europäischen Markt ein wenig unter. Kein Wunder, wirkt die japanische Mafia uns doch so fremd, mit all den Riten, dem Ehrenkodex, dem positiven Ansehen in großen Teilen der Bevölkerung. Nicht zuletzt ist es doch Japan selbst, welches oft das geistige Fragezeichen aufkommen lässt. Zu groß scheinen die Unterschiede der Kulturen zu sein, zu krass die Gegensätze zwischen ruhevollem, traditionellem Leben und der hektischen Metropole Tokio. Ja, die Unterschiede zwischen Mitteleuropa und Japan scheinen doch so ausgeprägt zu sein, dass ein wirklicher Erfolg der Serie hierzulande bisher ausblieb.

Die zahlreichen Zwischensequenzen machen das Spiel fast schon zu einem interaktiven Film. Perfekter Schnitt, tolle Kamerafahrten und die guten Animationen sorgen für Kino-Flair.

Dabei ähnelt das Spielkonzept doch stark dem westlichen „GTA“. Als Mitglied der Yakuza läuft man durch eine frei zugängliche Großstadt (in der Regel Tokio), erledigt Aufträge für allerlei zwielichtige Gestalten und arbeitet sich so nach und nach durch die Geschichte. Abseits der Hauptgeschichte warten Beschäftigungen wie Minispiele, Entdeckungstouren und Ähnliches. Den großen Erfolg im Heimatland Japan hat die Serie dennoch wohl hauptsächlich wegen des typisch Japanischen. Tokio wurde stellenweise Meter für Meter haargenau nachgebaut und bietet den dortigen Spielern somit einen großen Wiedererkennungswert. Die zahlreichen, von Neonlicht erleuchteten, Geschäfte und Sehenswürdigkeiten erinnern zudem stark an das klischeehafte Bild des Landes.

Vier Helden - vier Geschichten

Im Gegensatz zum Vorgänger, erlebt der Spieler in „Yakuza 4“ vier verschiedene kleinere Geschichten, die irgendwie immer überlappen und miteinander verknüpft sind. So steuert man im ersten Kapitel noch Shun Akiyama, einen Kredithai im Vergnügungsviertel Kamurocho, später flieht man in der Haut von Taiga Saejima aus dem Gefängnis, geht als Ex-Polizist Masayoshi Tamura krummen Geschäften nach und vollendet die Protagonistenriege mit Kiryu Kazuma, dem Helden des Vorgängertitels. Wirklich tiefgreifend sind die einzelnen Geschichten leider nicht, unterhaltsam dafür schon. Häufige, oft minutenlange Zwischensequenzen treiben die Handlung voran und sorgen dank nahezu perfekter Mimik, super Kameraführung und tollem Schnitt für kinoreife Atmosphäre.

Die Kämpfe sind meistens recht simpel und lassen sich besonders durch Komboattacken schnell beenden. Leuchteffekte symbolisieren Treffer.

Egal ob man sich der rund 20-stündigen Haupthandlung widmet oder auf eigene Faust durch die Gegend streift, mit hunderten Passanten redet, Gesprächen lauscht, in der Spielhalle sein Geld verzockt oder sich im Stripclub entspannt: Das Spiel sieht sehr gut aus. Während die Lichtspiegelungen auf nassem Asphalt noch der Atmosphäre dienen, zerstören die zahlreichen zufällig auftretenden Straßenschlägereien schnell den schönen Schein. Immer wieder wird man von Gangs aufgehalten und prügelt sich in simpler, wenn auch spaßiger Tastendrückerei durch die Gruppe. Auf Knopfdruck lässt sich zudem die Umgebung mit einbeziehen. Für gewonnene Kämpfe und erledigte Aufträge gibt es Erfahrung, die sich in neue Techniken investieren lässt - witzig aber nicht zwingend notwendig.

Kritikpunkte lassen sich durchaus finden

Schade auch, dass das Straßenbild zwar gefüllt ist von Autos und Fahrrädern, man selbst jedoch nicht ein- oder aufsteigen kann. Stattdessen fügte man im vierten „Yakuza“-Teil nun auch die Möglichkeit hinzu auf die Dächer oder durch unterirdische Tunnel zu gehen. Das vergrößert die Spielfläche zwar, wirkt jedoch arg einfallslos. Auch wird es wohl viele Spieler stören, dass das komplette Spiel auf Englisch ist und nur japanische Sprachausgabe besitzt.

Yakuza 4

Ab 18 Jahren

Erhältlich für: PS3

Homepage

Betrachtet man den Titel als Ganzes, ist es also nicht verwunderlich, dass Europäer sich eher zu westlichen Titeln hingezogen fühlen. Für Freunde der japanischen Kultur, des japanischen Humors und der japanischen Sprache ist „Yakuza 4“ jedoch wie ein zweites Weihnachten. Spieler mit guten Englischkenntnissen erfreuen sich jedoch an der filmreifen Inszenierung, den zahlreichen Möglichkeiten und der guten Präsentation der Stadt.

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