Union: Dieses "Killerspiel" darf keinen Preis bekommen!

Berlin - Die Unionsfraktion im Bundestag hat die Nominierung des Kampfspiels “Crysis 2“ für einen Preis als bestes deutsches Computerspiel scharf kritisiert.

“Sogenannte Killerspiele dürfen nicht honoriert werden, auch wenn sie technisch noch so ausgereift sind“, erklärte der kultur- und medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen, am Mittwoch in Berlin. Die Computerspielpreise werden am Donnerstag vergeben. Der Anbieter des Spiels und ein Branchenverband verteidigten die Nominierung.

“Wir tolerieren nach unserem Freiheits- und Demokratieverständnis durchaus jeden Erwachsenen, der diese Art von Spielen in der Freizeit spielt“, schrieb Börnsen in einer Erklärung. Unter dem Aspekt des Jugendschutzes werde es aber jetzt vielen Eltern noch schwerer gemacht, sich für alternative, sinnvolle Spiele einzusetzen. Börnsen brachte eine Neubesetzung der Jury für die Vergabe der Computerspielpreise ins Gespräch. Grundlage für die Preisvergabe sei ein Bundestagsbeschluss von 2007, wonach inhaltliche Kriterien höher bewertet werden müssten als die technische Qualität einer Spielsoftware. Bei der Entscheidung für “Crysis 2“ habe der rein technisch-innovative Aspekt im Vordergrund gestanden.

Electronics Arts weist Kritik zurück

Der Spieleanbieter Electronics Arts, der “Crysis 2“ vertreibt, wies Börnsens Kritik zurück. Beim Computerspielpreis gelte es, unterschiedliche Aspekte zu berücksichtigen - neben dem pädagogischen Wert auch die Unterhaltung, erklärte Sprecher Martin Lorber auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. “Genau wie bei Buch, Film oder anderen Medien setzen Spiele-Entwickler unterschiedliche Stilmittel ein, um bei den Spielern eine Emotion zu erzeugen.“ Das könnten auch Gewalt und Aggression sein. Wie bei Filmen dürfe aber die Altersfreigabe eines Titels nicht das Kriterium für die Preiswürdigkeit sein, “sonst wäre es der Kinder- und Jugendspielpreis“.

Der Branchenverband BIU kritisierte, die unabhängige Jury werde durch die Kritik aus der Union beschädigt. Das Gremium sei mit “hochkarätigen Experten aus den Bereichen Medien und Medienpädagogik“ besetzt und habe sicher eine wohlüberlegte Entscheidung getroffen. Zudem habe das Haus von Kulturstaatsminister Bernd Neumann die Hälfte der Juroren benannt - die andere Hälfte entsandten BIU und der Bundesverband der Computerspieleindustrie (GAME). Die Öffnung der Kategorie für Titel ab 16 oder 18 Jahren sei einvernehmlich von den Verbänden und dem Kulturstaatsminister vereinbart worden.

dpa

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