Bitkom-Präsident Prof. August-Wilhelm Scheer im Interview über falsche Angaben im Internet

Falsche Angaben im Internet: Viele tricksen beim Alter

+
Professor Dr. August-Wilhelm Scheer, Präsident des Hightech-Verbandes Bitkom.

Zwölf Millionen Deutsche machen im Netz falsche Angaben - doch auf Facebook sind die meisten ehrlich. So die Ergebnisse von zwei Studien. Darüber haben wir mit dem Präsidenten des Branchenverbands Bitkom gesprochen.

Herr Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer, wie ist es denn nun: Sind Nutzer im Netz ehrlich oder lügen sie?

Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer: Jeder vierte Internet-Nutzer ab 14 Jahren hat schon einmal falsche Angaben über sich gemacht. Das entspricht ungefähr zwölf Millionen Deutschen. Besonders beliebt: Viele tricksen bei Name und Alter.

Gibt es im Internet eine Möglichkeit, zu erkennen, ob Profile der Wahrheit entsprechen oder nicht?

Scheer: Genau wie im richtigen Leben benötigen Internet-Nutzer ein gesunde Portion Misstrauen. Gerade weil man seinem Gegenüber nicht live ins Gesicht sieht, sollte man im Netz nicht alles glauben. Bei Profilen in Internet-Gemeinschaften kann der Betrachter kritisch hinterfragen, ob die unterschiedlichen Informationen mit der Person zusammenpassen. Auch Bewertungen und Kommentare anderer Nutzer können ein Hinweis sein, ob man es mit einem authentischen Profil zu tun hat.

Warum fälschen Nutzer ihre Profile?

Scheer: Die Gründe sind sehr unterschiedlich. Wir haben nicht nur nach Profilen in Internet-Gemeinschaften gefragt, sondern allgemein nach Angaben im Web. Bei vielen Online-Diensten wird nach persönlichen Daten gefragt, etwa bei E-Mail-Anbietern oder Shops. Das ist oft berechtigt, manchmal aber auch überzogen. Falsche Angaben sind oftmals eine Abwehrreaktion gegenüber den zahlreichen Datenabfragen im Internet. 58 Prozent der Schwindler ist es suspekt, so viele persönliche Daten preiszugeben.

Sind Lügen denn ein Schutz vor Datenmissbrauch?

Scheer: Lügen sind nur bedingt ein Schutz vor Datenmissbrauch. Wir raten, mit persönlichen Angaben im Internet grundsätzlich sparsam umzugehen. Internet-Surfer sollten bewusst entscheiden, wem sie welche Details mitteilen wollen. Man muss nicht jedes weiße Feld ausfüllen. Bei vielen Internet-Gemeinschaften können Nutzer selbst bestimmen, wer ihre Kontaktdaten und andere persönliche Einträge sehen darf. Bei Web-Shops und Infodiensten können oft die Einstellungen zur Werbung individuell geändert werden. Diese Möglichkeit, den Datenschutz selbst anzupassen, wird allerdings von jedem Dritten noch nicht genutzt. Auch Passwörter sollten möglichst regelmäßig geändert werden.

Gibt es noch andere Gründe für Lügen im Netz?

Scheer: Es gibt auch Web-Surfer, die anderen bewusst etwas vorspielen. Zehn Prozent der Schwindler wollten sich unerkannt nach einem neuen Partner umschauen, fünf Prozent wollten schlicht andere an der Nase herumführen.

Von Yvonne Albrecht

Hintergrund: Falsche Angaben im Netz

Eine Umfrage der Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien) besagt, dass zwölf Millionen Deutsche im Netz falsche Angaben machen. Die Bitkom-Studie hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa organisiert. Dafür wurden mehr als 1000 deutsche Internet-Nutzer ab 14 Jahren repräsentativ befragt.

Im November 2009 hatten Psychologen der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz eine Studie unter dem Titel „Persönlichkeit und soziale Wahrnehmung in Online Social Networks“ veröffentlicht. Sie kam zu dem Ergebnis, dass Online-Profile ein sehr genaues Bild der Profilinhaber vermitteln. Dafür erhoben die Forscher über Fragebögen Daten über 236 deutsche (studiVZ/meinVZ) und amerikanische (Facebook) Nutzerprofile in sozialen Netzwerken im Netz. Dann wurden die Selbst- und die Fremdeinschätzung der Profile miteinander verglichen. (alb)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare