Containerlösungen erst im Herbst

Grundschulen mit Platzproblemen: „Nächsten Sommer kracht’s“

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Für die Kinder der Schillerschule, hier die Abc-Schützen der Vorklasse mit Lehrerin Martina Hunkeler, begann gestern ein aufregender neuer Lebensabschnitt. Die Schulleitung sorgt derweil die Raumnot, denn erst im Herbst kommen zwei Container.

Dreieich - Mit dem Ranzen auf dem Rücken und der Schultüte in der Hand haben die Erstklässler gestern an den sieben Dreieicher Grundschulen einen neuen Lebensabschnitt begonnen. Es werden aber so viele Kinder eingeschult, dass der Platz kaum mehr ausreicht. Von Julia Radgen 

Während der Kreis betont, rechtzeitig zu reagieren, kritisieren Schulen, er hinke der Entwicklung hinterher. Überall sind sie am Dienstagmorgen zu sehen: Fünf- bis Sechsjährige, die nervös und stolz in Begleitung ihrer Eltern in die Grundschulen in allen fünf Stadtteilen pilgern. Während die Kinder sich an ihrem ersten Schultag darauf konzentrieren, ihre Mitschüler und Lehrer kennenzulernen und sich im Gebäude zurechtzufinden, sorgen sich die Schulleitungen um Platzprobleme.

In Dreieich und Neu-Isenburg begannen gestern 869 Kinder ihre Schulkarriere. Im gesamten Kreis Offenbach wurden nach Angaben des Staatlichen Schulamts 3350 Kinder eingeschult. Der Schulentwicklungsplan des Kreises sagt für die kommenden fünf Jahre 1402 Grundschüler mehr im Westkreis voraus – der Bedarf an neuen Grundschulplätzen ist hier mit Abstand am größten.

Auch in Dreieich versucht der Kreis, mit Containerlösungen kurzfristige Abhilfe zu schaffen. Zwei mobile Klassenzimmer wurden jüngst an der Selma-Lagerlöf-Schule in Buchschlag eingeweiht, um die Zeit bis zum Erweiterungsbau zu überbrücken. Während diese rechtzeitig aufgestellt werden konnten, wartet die Schillerschule in Sprendlingen noch auf ihre Container.

Der Kreis hat sie erst vor den Sommerferien beauftragt. Nach Angaben von Schulleiter Ruwen Guggenberger sollen die zwei Container in den Herbstferien aufgestellt werden. Wegen Platzmangels übereinandergestapelt dienen sie dann als zwei weitere Klassenräume. „Stadt und Kreis haben gepennt und jetzt bekommen wir nur kurz vor knapp eine Notlösung“, sagt Guggenberger. Schon vor einem Jahr habe die Schule gemeldet, dass die Raumkapazität bald ausgeschöpft sei, ärgert er sich. Die volle Klassenstärke von 25 Kindern sei überall fast ausgeschöpft.

Gestern begannen an der Schillerschule 41 Kinder, aufgeteilt auf zwei Klassen, ihr Schulleben. Die höheren Jahrgänge muss die Schule schon dritteln, um das Unterrichtsniveau zu halten. Weil der Kreis so spät reagiert habe, muss die Schillerschule momentan alle Klassen im Hauptgebäude unterbringen. Zehn Klassenräume konnte man einrichten, aber Fachräume für Musik oder Kunst stehen hintenan, erzählt Guggenberger.

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Den Grund für den massiven Anstieg der Schülerzahlen sieht der Rektor im starken Zuzug nach Dreieich, vor allem durch das Neubaugebiet Heckenborn. „Allein über die Sommerferien haben wir noch sechs Kinder hinzubekommen.“ Der Schulleiter ist sicher: „Zum nächsten Sommer kracht’s!“

Die Grundschulen trifft das Problem zwar zunächst arg, aber in Zukunft wird sich die Platznot auch an die weiterführenden Schulen verlagern. Die Heinrich-Heine-Schule soll daher ebenfalls mit zwei nebeneinander aufgestellten Containern ausgestattet werden. Deren Schulleiterin Sigrid Harnischfeger rechnet im September mit der Aufstellung. „Leider noch nicht zum Beginn dieses Schuljahres“, bedauert sie. Denn nicht nur Schulneubauten stecken in der Warteschleife, auch die Aufträge für Schulcontainer. „Die Firmen kommen anscheinend nicht hinterher“, sagt Harnischfeger.

Der Kreis will alle Container für zwei Jahre anmieten. Landrat Oliver Quilling betont aber, dass sie lediglich vorläufige Lösungen seien, „die erst durch Festbauten ersetzt werden, wenn sich die Entwicklung stabilisiert hat.“

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