Viele Lehrer überlastet

Kommentar: Keine schnelle Besserung

Wie geht’s den Schulen? Nicht besonders. Die Symptome sind bekannt. Von Michael Eschenauer

Überlastete Lehrer, Flickschusterei mit Quereinsteigern, Pensionäre, die aus dem Ruhestand geholt werden, Gymnasiallehrer, die an Grundschulen unterrichten, unterfinanzierte Inklusion behinderter Schüler, schleppender Ausbau echter Ganztagsschulen. Die Tatsache, dass die Kritik vom konservativen Philologenverband bis zur linken Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft reicht, zeigt, wie massiv das Unbehagen geworden ist. „Scherbenhaufen in der Bildungspolitik“ nennt die SPD das Ergebnis von 20 Jahren CDU-Regierung in Hessen angesichts der Überlastungsanzeigen von Lehrern. Sie haben in vergangenen Jahren zugenommen. Vor ein paar Jahren gab es keine, jetzt sehen Lehrer ihre Gesundheit in Gefahr.

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Man mag die Überlastungsanzeige teils als Instrument der Tarifpolitik entdeckt haben. Dass angesichts der mit sozialpolitischen Aufgaben überfrachteten, mit Bürokratie zugeschütteten Lehrer Feuer unterm Dach ist, ist trotzdem kaum zu bestreiten. Gefragt ist schnelle Therapie. Doch selbst wenn man Schwarz-Grün den Willen zu durchgreifenden (teuren) Verbesserungen unterstellt: So schnell wird der in jahrelangen Versäumnissen festgefahrene Karren nicht wieder flott.

Nachwuchsförderung glaubte man nicht nötig zu haben. Lehrer wurden als wehleidige Halbtagskräfte mit Ganztagsbezahlung verunglimpft, während auf den Schulbänken eine zunehmend stachelige Gruppe Platz nahm. Am Ende war der Beruf unpopulär, der Markt leer gefegt, waren für Grund- und Förderschule so gut wie keine Lehrkräfte zu bekommen.

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Die Kultusbürokratie wird sich mit Überlastungsanzeigen als Hilferufe eines Berufsstands auseinandersetzen müssen. Denn das Problem lässt sich mit ein paar Millionen Euro kurzfristig kaum lösen. Allenfalls mittelfristig könnten intensivere Nachwuchsrekrutierung an Universitäten und Schulen und Verbesserung der Arbeitsbedingungen Wirkung zeigen.

Bildungspolitik darf sich nicht darin gefallen, wortreich Missstände zuzukleistern. Das Problem verlangt dringend nach einer nicht von Tagespolitik getriebenen, mittelfristig angelegten Vorgehensweise. Es geht um Bildung. Junge Köpfe – diese Binsenweisheit muss sein – sind der wichtigste Rohstoff, den Deutschland besitzt.

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