Das neue Schuljahr steht vor der Tür

Eine Problem-Liste: Was an Hessens Schulen falsch läuft

Wiesbaden - Die Ferien sind rum, das neue Schuljahr beginnt. Dabei bleiben die Herausforderungen die alten: Lehrer fehlen, die Digitalisierung läuft recht schleppend. Aber es gibt auch Ansätze, über die sich sogar die Gewerkschaft freut. Welche Themen sind beim Thema Bildung gerade besonders präsent?

Lehrermangel

„In Hessen steht im kommenden Schuljahr ausreichend qualifiziertes Lehrpersonal zur Verfügung“, heißt es aus dem Kultusministerium in Wiesbaden. Allerdings bestehe grundsätzlich ein Einstellungsbedarf bei Grundschul- und Förderschullehrern, in den Fächern Kunst, Physik und Chemie sowie an Beruflichen Schulen im Bereich Metall und Elektro. Für die Lehrergewerkschaft GEW ist vor allem der Mangel für Fächer wie Metall und Elektro kein neues Phänomen. „Das ist seit mehr als 20 Jahren so, da hätte längst gegengesteuert werden müssen“, fordert Landesvorsitzende Birgit Koch. Auch die Landtagsopposition und Bildungsverbände mahnen mehr Initiativen der Landesregierung an.

Digitale Schule

Drinnen analog, draußen längst digital: Schüler haben privat viel mehr mit modernen Medien zu tun als in der Schule. Landesschulsprecher Fabian Pflume fordert mit Blick auf die Digitalisierung der Arbeitswelt: „Darauf muss uns die Schule vorbereiten.“ Für die GEW fehlt dafür aber vor allem eins: ein Konzept. Eins, das in Rücksprache mit den Lehrern entstehe und nicht vom Kultusministerium „von oben herab“ beschlossen werde, sagt Koch. Es reiche nicht aus, einfach einen Laptopwagen mit 20 Geräten in die Schule zu stellen. Die schwarz-grüne Landesregierung hofft nun auf die Umsetzung des Digitalpakts zwischen Bund, Ländern und Kommunen - und damit zusätzliche Finanzmittel.

Sozialpädagogen

Aufs Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) kommt viel Arbeit zu.

Sozialpädagogische Fachkräfte sollen Lehrer künftig bei Erziehungsaufgaben unterstützen – zum Beispiel bei Hausaufgaben oder in Krisensituationen. Schon zum Halbjahr wurden laut Ministerium 400 solcher Stellen an Grundschulen geschaffen, im neuen Schuljahr sollen noch mal 300 an weiterführenden Schulen dazukommen. Eingestellt werden Sozialpädagogen, Sozialarbeiter oder Erzieher – die dann wohl anderswo fehlen, wie die GEW zu bedenken gibt. Inhaltlich aber findet die Gewerkschaft die Idee toll und will „noch viel mehr davon, bitte!“

Privatschulen

Sie sind von Jahr zu Jahr mehr gefragt. Im abgelaufenen Schuljahr besuchten knapp 47 000 Schüler eine allgemeinbildende Schule in privater Trägerschaft, das waren 7,5 Prozent der Schüler. Vor allem bei Förderschulen und Gymnasien sind die Anteile hoch. Zu den freien Schulen zählen neben Elterninitiativen sowie Waldorf- oder Montessori-Schulen auch die Schulen von katholischer und evangelischer Kirche. Privatschulen können sehr teuer sein, müssen aber nicht. Denn der Staat finanziert die Schulen mit. Für die GEW ist der Privatschul-Boom nur Folge der Unterfinanzierung der staatlichen Schulen.

Schulweg und Elterntaxi

Seit Jahren appellieren Polizei und Schulen an Eltern, ihre Kinder seltener mit dem Auto zur Schule zu fahren. „Unfälle passieren, wenn es Eltern eilig haben, zu schnell vor die Schule vorfahren oder Gehwege zuparken“, sagt Rainer Michaelis, Leiter des Straßenverkehrsamt Frankfurt. Stattdessen sollen Kinder zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule kommen. Ohne die Elterntaxis würden Kinder zudem fitter im Alltag, erklärt Michaelis. Laut Unfallstatistik waren im vergangenen Jahr 208 Kinder in Schulwegunfälle verwickelt – das waren immerhin vier Prozent weniger als noch im Vorjahr.

Sanierungsstau

Dreckige Toiletten, baufällige Turnhallen, Eimer im Klassenzimmer – viele Schulen sind in schlechtem Zustand. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Hessen-Thüringen beziffert den Investitionsstau allein in den Großstädten Frankfurt, Wiesbaden und Kassel auf über 1,5 Milliarden Euro. Finanz- und Kultusministerium in Wiesbaden verweisen auf das Kommunalinvestitionsprogramm „KIP macht Schule“. Den Schulträgern stehe damit ein Investitionsvolumen von 558 Millionen Euro zur Verfügung. 26 Projekte laufen schon, heißt es aus Wiesbaden, 50 weitere seien angemeldet. (dpa)

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare