Kritik an Kultusminister Lorz

Schulstart in Hessen: Lehrer sind überbelastet

Wiesbaden - Große Ferien – sehnlichst erwartet und rasch vorbei. Bei vielen Lehrern hält die Erholung indes nicht sehr lange an: Der Arbeitsplatz Schule kann zur an den Kräften zehrenden Tretmühle werden. Das zeigen die zahlreichen „Überlastungsanzeigen“. Von Michael Eschenauer 

Besonders schwierig ist der Unterricht an Grundschulen. Die Hilferufe aus vielen Lehranstalten in Hessen sind nicht verstummt, zum Schuljahresstart sogar präsenter denn je: Wie aus der Antwort von Kultusminister Alexander Lorz (CDU) auf eine Kleine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Christoph Degen hervorgeht, gingen bei Ministerium und Schulämtern hessenweit im Schuljahr 2017/2018 insgesamt Überlastungsanzeigen von 95 Schulen ein. Allein aus Grundschulen flatterten 28 Anzeigen ins Haus; an zweiter Stelle folgen Integrierte Gesamtschulen (18), an dritter Förderschulen (13). Von den betroffenen Grundschulen liegt eine im Main-Kinzig-Kreis, drei sind in Stadt und Kreis Offenbach.

Überlastet, so dass eine gesundheitliche Beeinträchtigung oder Schädigung zu befürchten ist, fühlen sich in Stadt und Kreis Offenbach Lehrer an vier Integrierten Gesamtschulen, zwei Kooperativen Gesamtschulen und drei Oberstufenschulen. Von drei Grundschulen kamen bereits mehrfach Hilferufe.

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Eingereicht wurden die Anzeigen meist von Personalräten. Daher lässt sich die tatsächliche Zahl überforderter Lehrer nur schätzen. Allerdings müssen Überlastungsanzeigen von einer Mehrheit des Lehrerkollegiums an der jeweiligen Schule verabschiedet werden.

Als Gründe der Überlastung werden „gestiegenes Arbeitspensum durch Zunahme der dienstlichen Aufgaben“ und „Verwaltungstätigkeiten“ genannt. Es folgen Mehrarbeit durch Inklusion bei geringen Stundenkontingenten sowie Raum- und Personalmangel für diese schwierige Aufgabe. Weitere Auslöser sind Baumängel, Schmutz, Lärm und ein schwieriges Einzugsgebiet.

Minister Lorz will die Wogen glätten. Man nehme die Eingaben ernst, prüfe die Sachverhalte und nehme sie zum Anlass, in Kooperation mit Schulen und Ämtern Lösungen zu entwickeln, lässt er mitteilen. Landesweit setze man auf zusätzliche Stellen, Reduzierung der Klassengrößen und Senkung der Pflichtstundenzahl.

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Für die Gesamtpersonalratsvorsitzende der Lehrerinnen und Lehrer beim Schulamt für Stadt und Kreis Offenbach, Birte Krenz, haben die mehrfachen Überlastungsanzeigen der Lehrer in der Vergangenheit zu keiner spürbaren Verbesserung der angespannten Lage geführt, obwohl man persönlich mit Lorz über die Probleme gesprochen habe. Die Arbeitsbelastung habe ein Ausmaß erreicht, das nicht mehr hinnehmbar sei.

Hart ins Gericht mit der Schulpolitik geht der Initiator der Anfrage im Landtag: Degen, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, bescheinigt der CDU, in der 20-jährigen Zeit ihrer Regierungsverantwortung einen „Scherbenhaufen in der Bildungspolitik“ hinterlassen zu haben. Viele Lehrer arbeiteten am Limit, Überlastungsanzeigen häuften sich, würden aber als „subjektives Belastungsempfinden“ abgetan. Entsprechende Studien und Anhörungen interessierten den Kultusminister nicht, so der Sozialdemokrat. In Hessen fehlten hunderte Lehrer, Unterrichtsausfall sei an der Tagesordnung. All dies werde geleugnet oder kaschiert. Degen fordert Entlastung und Wertschätzung der Arbeit der Lehrer, unbefristete Verträge, faire Bezahlung sowie Unterstützung durch Experten.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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