Dynamo am Rad ist Pflicht

+
Fahrräder

Offenbach - Hätten Sie’s gewusst? Eine batteriebetriebene Lampe allein ist illegal; ein Dynamo muss am Fahrrad sein. Unser Redaktionsmitglied Ralf Enders sprach mit Roland Huhn, Leiter Verkehr, Tourismus, Technik beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC), über die richtige Beleuchtung.

Paragraph 67 der Straßenverkehrszulassungsordnung verbietet es, sein Fahrrad nur mit einer batteriebetriebenen Leuchte auszustatten; ein Dynamo muss sein. Viele halten dies für längst überholt. Wie stehen Sie dazu?

Die Dynamopflicht besteht in Deutschland seit 75 Jahren, ist aber nicht überholt. Die Dynamotechnik hat gerade in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Nabendynamos im Vorderrad können nicht bei Regen durchrutschen und liefern fast ohne spürbaren Widerstand dauerhaft und zuverlässig Strom. Zwar sind auch Batterieleuchten besser geworden. Sie bringen dank LED-Technik helleres Licht für längere Zeit. Aber sie sind nicht unerschöpflich, und der Akku ist dann doch vielleicht leer, wenn er gebraucht wird. Akkuleuchten eignen sich für Radsportler mit begrenzten Einsatzbereichen und sollen für sie auch erlaubt werden, aber nicht für Alltagsräder.

Mein Fahrrad habe ich in einem Fachgeschäft gekauft - ohne Dynamo. Eigentlich rechtswidrig also. Wie sind Radler - auch aus juristischer Sicht zum Beispiel nach Unfällen - auf der sicheren Seite?

Der Fahrradhändler darf von Gesetzes wegen Fahrräder ohne Beleuchtung verkaufen. Es ist dann Sache des Radfahrers, für die verkehrssichere Beleuchtung zu sorgen - ein Unding, deshalb ist der ADFC dafür, dass Fahrräder nur mit Beleuchtung verkauft werden dürfen, ausgenommen Sportgeräte.

Bei einem Unfall in der Dunkelheit kann es ein Nachteil sein, wenn der Radfahrer eine nicht zugelassene Beleuchtung am Rad hatte und unklar bleibt, ob sie eingeschaltet und sichtbar war. Bei fest montiertem Dynamolicht gehen Richter eher davon aus, dass es vor dem Unfall funktioniert hat.

Drückt die Polizei angesichts des Widerspruchs zwischen Theorie und Praxis permanent ein Auge zu?

In manchen Großstädten ist die Polizei schon froh, wenn überhaupt Licht am Fahrrad zu sehen ist. Darauf verlassen kann man sich nicht. Streng nimmt sie es auf jeden Fall bei der Fahrradprüfung im vierten Schuljahr und verlangt Dynamolicht. Denn welche Eltern wollen jeden Morgen danach sehen, ob die Akkus der Aufsteckleuchte geladen sind? Und welcher Schüler würde absteigen und sein Rad morgens im Dunkeln schieben, nur weil die Batterien im Scheinwerfer leer sind?

Übrigens: Laut Zweirad-Industrie-Verband werden 80 Prozent der Fahrräder mit StVZO-Ausstattung verkauft. Vom Rest muss man noch die Rennräder bis 11 Kilo Gewicht abziehen, die ohne Dynamolicht fahren dürfen. So groß ist der Unterschied zwischen Rechtslage und Praxis also gar nicht.

Kommentare