Fastnachtsumzug in Egelsbach

Ausgelassen, farbenfroh und politisch

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Lucky Luke reitet auf dem Drahtesel durch den Ort: Die Handballer der SGE waren beim Umzug der Karneval-Gesellschaft Egelsbach dem Western-Motto entsprechend verkleidet, um für ihren Sport Werbung zu machen. Fotos: Strohfeldt

Egelsbach - Jubel, Trubel und der US-Präsident am Marterpfahl: 30 Gruppen mit 500 Teilnehmern lassen den Egelsbacher Faschingsumzug zu einem Erlebnis für Jung und Alt werden. Von Nicole Jost

Die Narren haben Egelsbach fest in ihrer Hand. Am Samstagmittag schlängelt sich der Western-Tross mit vielen Cowboys, Indianern, Donald Trump am Marterpfahl und feurigen Mexikanern durch den Ort. Am Straßenrand werden die Aktiven von tausenden Egelsbachern und Faschingsfreunden aus den umliegenden Städten begeistert gefeiert.

Die 30 Gruppen starten mit einer kleinen Verspätung in den kunterbunten Nachmittag; es ist genau 15.22 Uhr, als der Musikzug aus Weiterstadt mit Wolfgang Petrys „Wahnsinn“ in die erste Kurve am Berliner Platz einbiegt. Die 29 weiteren Zugnummern, die hinter den Musikern laufen, haben sich mit dem KGE-Kampagnen-Motto „Im Klammerndorf herrscht Westernzeit – närrisch bunt mit Heiterkeit“ sehr kreativ auseinandergesetzt.

Viel Spaß: Die Damen der privaten Gruppe „Tisch Nr. 5“ zogen mit ihren Kostümen die Blicke auf sich.

Bürgermeister Tobias Wilbrand behält den Überblick als schicker Südstaaten-Sheriff: „Im vergangenen Jahr habe ich mir dieses Kostüm noch verkniffen. Dieses Jahr musste das einfach sein“, sagt er mit einem Grinsen. Im vergangenen Jahr gehörte die Teilnahme am Umzug für ihn noch zur – erfolgreichen – Wahlkampftaktik, jetzt marschieren die Grünen aus reinem Spaß am Karnevalstrubel mit.

Die wichtigsten Persönlichkeiten an diesem Nachmittag sind natürlich die Tollitäten der KGE: Prinzessin Susanna mit ihrem Prinz Mathias und dem Kinderprinzenpaar Luis und Sofia, die strahlend und sehr reich „bewaffnet“ hoch oben von ihrem Wagen ins Publikum winken und ganze Schokoriegel und Bonbonarsenale den jubelnden Egelsbachern entgegenwerfen. „Hinter uns liegt eine großartige Zeit, ich kann keinen richtigen Höhepunkt benennen – aber der Umzug ist sicher einer von vielen“, ist ihre Lieblichkeit Susanna überglücklich an diesem Nachmittag. Das Prinzenpaar ist selbstverständlich umgeben von den Gardemädchen und den Lido Girls – dem Männerballett, das Prinzessin Susanna schon etliche Jahre erfolgreich trainiert.

Die SGE-Handballer titeln „Ob die Daltons oder Lucky Luke – Handball ist für alle gut“, die Triathleten radeln wieder auf Spinning-Bikes auf ihrem Wagen und verkünden auch eine Neuigkeit: „Wir übernehmen den Koberstädter Waldmarathon“, wirbt Ironman Frank Richter. Das große Banner am Rande der Fahrräder weist schon auf das Großereignis am letzten Augustwochenende hin.

Nachbarschaftsbesuch: Der Langener Obst- und Gartenbauverein war erstmals im Nachbarort dabei.

Stark besetzt ist die Freiwillige Feuerwehr. Die Egelsbacher Lebensretter feiern den 125. Geburtstag ihres Vereins und allein die Jugendfeuerwehr marschiert mit 18 kleinen Nachwuchs-Löschmeistern beim Umzug mit. Die Mitglieder des Äppli-Clubs tanzen als feurige Mexikaner durch den Ort und haben US-Präsident Donald Trump an den Marterpfahl gebunden. Eine schöne Botschaft in all dem kunterbunten Treiben: Auch die Initiative #Egelsbachistmehr ist mitten drin im Trubel und wirbt für Toleranz in der Gesellschaft und die anstehende Europawahl. „Na klar“, sagt Stefan Buckendahl von der Christlichen Flüchtlingshilfe Egelsbach und Erzhausen, „,Egelsbach ist mehr‘ lebt noch und wir haben hier im Ort Platz für Europa und Demokratie und keinen Platz für destruktive, rechte Gedanken“, setzt er auch eine politische Botschaft bei all der ausgelassen-albernen Heiterkeit.

Fastnachtsumzug durch Egelsbach: Bilder

Erstmals in Egelsbach am Start: der Langener Obst- und Gartenbauverein. Im närrischen Jubiläumsjahr von 111 Jahren sind alle Kabbeleien mit dem Nachbarort vergessen und der OGV geht statt Bonbons mit Äpfeln, Zwiebeln und Saatgut für Bienenwiesen durch das Klammernschnitzerdorf.

KGE-Zugmarschall Andreas Schweitzer ist mit dem närrischen Lindwurm mehr als zufrieden. Das Wetter hält und die Menschen an den Straßen sind bestens gelaunt. „Vielleicht hatten wir im vergangenen Jahr noch drei, vier Gruppen mehr, aber zahlenmäßig ist der Umzug sehr stark besetzt. Die Gruppen sind zum Teil sehr groß“, freut sich Schweitzer, dass es weit über 500 Teilnehmer sind, die durch die Gassen ziehen. Während die kleinen Indianer, Cowboys, Prinzessinnen und Kätzchen vom Straßenrand ihre üppige Beute an Süßigkeiten nach Hause schleppen, feiern die großen Narren auf der Zugparty im Bürgerhaus bis in die Morgenstunden weiter.

Der Egelsbacher Karneval endet heute mit der Kostümsitzung (Bürgerhaus, 19.31 Uhr).

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