„Die Elf Babbscher“ stürmen das Rathaus

Erfolgreich „Winter“ vertrieben

+
Lederbaron Frank I. mit der eroberten Stadtkasse und Comtesse Claudia I. haben das Obertshausener Rathaus in Besitz genommen.

Obertshausen - Rathauschef Roger Winter hat gekämpft, konnte dem Narrenstur aber letztlich nichts entgegensetzen. So kaperten „Die Elf Babbscher“ erfolgreich das Rathaus an der Schubertstraße. Von Michael Prochnow 

Der Zug wird immer länger, die Show auch. „Die Elf Babbscher“ blasen zum Sturm aufs Rathaus, um den Winter zu vertreiben. Und wie es der Brauch fordert, rücken Bürgermeister Roger Winter und Erster Stadtrat Michael Möser mit dem Magistrat die Stadtkasse raus. Lederbaron Frank I. und Comtesse Claudia I. führen mit der Truhe unterm Arm eine Polonaise durchs Verwaltungsgebäude an.

Blaulicht und Straßensperrungen weisen darauf hin, dass Großes im Anzug ist. Schürzenträger, die riesige Fahnen schwenken, führen die Gruppen an. Das Trommeln der Node-Babbscher und das krächzende Helau aus einem kleinen Handlautsprecher rücken immer näher. Immerhin, einige Anwohner haben sich leicht maskiert am Straßenrand postiert, andere spazieren weiter Richtung Rathaus. Die Babbscher haben sich in der Stadt längst einen Namen gemacht, man spricht voller Respekt vom ersten Karnevalsverein, doch an den Fenstern und auf den Balkonen ist kein einziger winkender Anwohner zu entdecken.

Dafür haben sich noch mehr Fastnachter aus den Nachbarstädten dem Lindwurm von der Sporthalle Rodaustraße zur Schubertstraße angeschlossen. Mit von der Partie sind die Prinzenpaare aus Lämmerspiel und Mühlheim, Regenten aus Offenbach und Hanau, Narren aus Dietesheim und anderen Orten. Dazwischen rufen Knirpse von den Kitas St. Josef und Rodaustraße in kunterbunten Kostümen aus Leibeskräften „Helau“, Gardemädchen in weißen Jacken winken verhalten.

Mit ernsten Minen, Melone und Zylinder überm schwarzen Frack empfangen Bürgermeister und Erster Stadtrat das laute Treiben. Die anderen Stadträte tragen versöhnlich Narrenkappen. Kalt ist’s geworden, doch die Icebreaker der Offenbacher Stadtgarde heizen mit flottem Spiel auf den Treppen ein. Später bringen Garden und Solotänzerinnen fastnachtliche Stimmung auf den Platz. Babbscher-Chef Andreas Murmann wäscht als „Amtsschimmel-Sanierer“ den Beamten den Kopf.

Dabei verkauft er als besten Plan für die Verwaltung das Ansinnen des Vereins: „Ein neues Rathaus, das wär’ fein, doch schöner ist die Burg im Hain.“ Die Bürger müssen wohl warten, bis der Schwimmteich fertig ist. In Protokoller-Manier kritisiert der Vorsitzende den Diesel-Skandal: „Gezahlt wird nur in Amerika“, wo Präsident Donald Trump poltert und Porzellan zerdeppert – „hat der noch alle Waffen im Schrank?“

Bilder vom Rathaussturm in Hausen

Dann geht’s zur Sache: Baron Frank sieht „Muffesause“ bei den „Stubehockern und Paragrafen-Rittern“ um Roger Winter, die „närrisch’ Übermacht“ habe sie wohl um den Schlaf gebracht. „Nicht schon wieder“, seufzt der, „die GroNKo steht vor dem Haus“, die Große Narren-Koalition. „Und dieser bunt gemischte Haufen will mir jetzt den Schneid abkaufen?“ „Komm sei nicht bockig, großer Boss, komm mal runter vom hohen Ross“, konterte Frank. „All die, die heut’ die Zeit dir stehle, die war’n auch da, um dich zu wähle’!“ An Aschermittwoch bekomme er die Stadt „saniert zurück“.

Winter wehrt sich, „das ganze Jahr bin ich am Renne’, immer ist wo was am Brenne’“. Aus zwei mach’ eins, argumentiert der Baron, „wir setzen uns mit Herzblut ein für den Aufbau der Burg Im Hain“. Das bringe einen Thron als Amtssitz und den Titel „Herrscher in der Burg im Hain“. Finanzierbar sei der Traum, hilft Comtesse Claudia ihrem Baron, „die Beamten bringen’s Brennholz selber mit“. Dazu werden Kerzen entzündet und eine Beamten-Aufwecksteuer eingeführt, eine Folterkammer als Fitnesscenter vermietet, im Graben ein Bootsverleih eröffnet. Dazu vertreibe sie persönlich Fastnachtsmode.

So gibt der Bürgermeister auf, Stadtrat Möser eilt mit der Schatztruhe auf die Bühne, reißt sich den Frack vom Leib, entpuppt sich als Überläufer mit Schürze und Babbscher-Kappe. Als Pizzabäcker schmettert Komödiant Ciro seinen neuen Fastnachtsschlager und steht als „legaler“ Pate den Wagenbauern der Babbscher bei.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare