Steinzeitfastnacht vom Feinsten

Tolle Motto-Sitzung des TSV besticht mit Tanz und Wort-Akrobatik

Die TSV-Tanzgruppe bezauberte als „Fantasy-Krieger“ in kreativen Kostümen: ein echter Hingucker. Fotos: petra grimm
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Die TSV-Tanzgruppe bezauberte als „Fantasy-Krieger“ in kreativen Kostümen: ein echter Hingucker.

Zwei wilde Steinzeitmenschen finden in grauer Vorzeit eine kleine Narrenkappe und graben sie mit der Hoffnung ein: „Dann kommen bestimmt irgendwann ganz viele Narrenkappen hier auf die Bühne.“

Babenhausen – In der kleinen Eröffnungsszene scheint doch ein Körnchen Wahrheit zu stecken, denn tatsächlich: Eskortiert von seinem Elferrat, dem in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal auch Frauen angehören, marschierte Sitzungspräsident Frank Ludwig Diehl Samstagnacht in die Markwaldhalle ein. Gekonnt begleitete er die närrischen Gäste bei der ersten von zwei Kostümsitzungen des TSV Langstadt auf eine Reise in die Steinzeit. .

Auch wenn die frühzeitlichen Narrenkappen, da sie aus Fell waren, natürlich vergangen seien und so ein Beweis fehle, sei er doch sicher, dass auch damals in Langstadt schon Fastnacht gefeiert wurde, sagte Diehl, der einen Bogen schlug zum Klimawandel, die „Fridays for Future“- Bewegung lobte und die Rolle Deutschlands bei diesem Thema „ambivalent“ nannte: Merkel werbe weltweit für den Klimaschutz und schnüre gleichzeitig ein Klimapaket, für das die Bezeichnung „halbherzig noch geschmeichelt ist“.

Von der Weltpolitik – Putin, Trump und China – kam er zu lokalen Themen. Mit Blick auf die AfD betonte Diehl: „Intoleranz kann man nicht tolerieren“. Mit einem Augenzwinkern rief er: „Beim Schunkeln wird niemand ausgegrenzt. Auch Sickenhöfer sind willkommen!“

Offensichtlich hatte das Motto „Karneval in der Steinzeit“ sowohl die Bühnenakteure als auch die Besucher mehr inspiriert als irgendein Motto die Jahre zuvor. Im Saal trug man Fake-Fell, vor allem Jaguar, Leo oder Flokati-Zottel, die Damen gerne Knochen als Hals- oder Haarschmuck. Die Orden zierte ein Mammut. Und auch auf der Bühne wirbelte jede Menge Fell, das auch Spuren hinterließ. Nach der temperamentvollen „Stone-Age-Love-Story“ des Männerballetts waren die Bretter, die die Welt bedeuten, übersät mit kleinen Fellschnipseln und Fusseln.

Nicht nur diese schräge Nummer kurz vor der Pause riss das Publikum von den Stühlen. Spontaner Applaus im Stehen belohnte auch die Nachwuchstalente Lena Danel und Tom Fischer nach ihrem Zwiegespräch. Routiniert wie alte Fastnachtshasen witzelten die beiden, die vor zwei Jahren als CVB-Kinderprinzenpaar Bühnenerfahrung sammeln konnten, über die Schule oder auch ihre Eltern: „Ich hätte ja mehr Vertrauen zu den Ratschlägen meiner Mutter, wenn sie meinen Vater nicht geheiratet hätte.“

Bei der Auswahl auch seiner erwachsenen Tollitäten greift der CVB immer gerne auf Lengschder zurück. So hatte der aktuelle Regent Prinz Fabian I, an seiner Seite Prinzessin Meike I, ein Heimspiel, als er sich auf der TSV-Bühne präsentierte.

Körperbeherrschung und Akrobatik zeigten die beiden Tanzmariechen Selina Danel und Emily Fischer. Neben schmissigen Gardetänzen waren die Showtänze, die fast alle das Motto aufgriffen und variierten, ein echter Hingucker. So verzauberte die TSV-Tanzgruppe als Fantasy-Krieger in kreativen Kostümen mit stattlichen Hörnern auf den Köpfen das Publikum. Der Dschungel-Tanz der #-Garde und der Steinzeit-Tanz der Gruppe Kult, ebenso wie der Auftritt der Gruppe „Glamourös“ als tanzende Ameisen rockten die Bühne.

Das Männerballett zeigte mit seiner „Stone-Age-Love-Story“, was es drauf hat.

Für Kalauer aus der Bütt waren einige Legionäre im Einsatz. Direkt auf den mittelalterlichen Scheiterhaufen wäre wohl der Babenhäuser Ralf Knöpp nach seinem Vortrag als Mönch gewandert. Deftige Gags, aber auch Wort-Akrobatik, bei der gutes Zuhören gefordert war, sorgten für beste Unterhaltung. Und ein Helau mit einem Halleluja zu verschmelzen schafft wohl auch nur Knöpp. Aus Semd in die Lengschder Bütt waren Ricky Heb als „Laternenumzugsteilnehmer“ und Kirstin Goksch mit einem Bericht über ihren Sohn als Führerscheinneuling gereist. Mitsingen war bei den Stimmungsliedern der „Disharmoniker“ und der Live-Band Atze & Friends angesagt.

Dass Werbung von heute auch in der Steinzeit wirkt, bewies die Langstädter Comedy-Gruppe mit originellen Einlagen, die sich durch das ganze Programm zogen. Zum Abschlusslied drängelten sich etwa 30 „Ton-Artisten“ auf der Bühne und entließen die Gäste in die dann folgende Party. Die Karten für die zweite Sitzung am kommenden Samstag, 8. Februar, sind bereits ausverkauft.

VON PETRA GRIMM

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