Sechs Tanzformationen

„Bau uns ein Rathaus“: Kappensitzung der Elf Babbscher

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Gleich sechs Tanzgarden zählen die Babbscher in diesem Jahr.

Obertshausen -  Die Kappensitzung der „Elf Babbscher“ (DEB) ist keine Fastnacht für Anfänger. Das Programm erfüllte am Wochenende das Bürgerhaus mit einer überschäumenden Stimmung, in seinem zehnten Jahr präsentierte der Karnevalsverein allein sechs Tanzformationen. Von Michael Prochnow

So ist das also, wenn der Lichttechniker auch Chef der Musiker ist. Da leuchtet bei jedem Schlag aufs Fell die Trommel oder der Stock auf. Auch die Nodebabbscher haben sich zu einer schlagkräftigen Truppe entwickelt, die fröhliche Ausgelassenheit in karnevalistische Rhythmen kanalisiert. So geleiteten sie mit Fahnen und Tänzerinnen die närrischen Regenten auf das Podest, das für die Babbscher-Sitzung traditionell vor der Wand zum Foyer aufgebaut ist. Die eigentliche Saalbühne dient den mittlerweile zahlreichen Tollitäten als edler Rückzugsort.

Auch bei der Sitzplatzvergabe für die Besucher geht der junge Verein neue Wege – sie geschieht per Losverfahren. Die Babbscher brauchen keinen Elfer, aber ein Motto. Es fordert mit einem Augenzwinkern, die Burg im Hain zum gemeinsamen Rathaus zu errichten. „Nicht nur reden, sondern was Neues wagen“, warb Vorsitzender Andreas Murmann.

Als Väter brillierten Oliver Murmann (links) und Michael Möser.

Die Präsentation überließ er Sebastian Leinweber, der die Blue Little Stars ankündigte. Die jüngsten Gardemädchen wurden auf den Schultern ihrer Papas hereingetragen. Auch die Blue Magic Kids zeigten ihre Choreografie mit viel Begeisterung. Eine Premiere und beachtliche sportliche Leistungen in Sachen Tanz brachten gleich zwei Duos. Ex-Baron Chris hatte starke Hebefiguren mit Tanzpartnerin Iris einstudiert. Die Aktive aus Hanau steht zugleich für das große Netzwerk, das die Fastnachter in der Region verbindet.

Als Dombaumeister wollte Michael Schmitt, Babbschers erster Baron, einen „Dom zu St. Thomas Morus“ erstellen. Pfarrer Hofmann könnte dann in einer Kathedrale Paare trauen. Die Fahrradbrücke über die A3 ließ man durch Heusenstammer testen, die Sanierung des heimischen Kanalnetzes hinterlasse „überall Schlamm“: „Ist ein Loch da, sindse fort“, frotzelte der Baumeister.

Der neuen „Lichtsignalanlage“ an der Umgehungsstraße fehlte der Strom, „da haben sie beim Hundeverein nachgefragt“. Im Monte Mare versickere Steuergeld, dagegen sei der neue Internetauftritt der Stadt „nicht mit Informationen überfrachtet“, die meisten Seiten noch immer „im Bau“. „Schneller, höher, weiter“ wirbeln die Blue Blizzards über die Bühnen der Fassenacht, die Teenager beherrschen schnelle Schrittfolgen mit hoher Synchronität und artistischen Elementen. Die Pausen begleiteten im Saal die Band Holzköppe. Der zweite Teil begann mit einer Schlange von Tollitäten mit noch längeren Titeln. Baron Frank und Comtesse Claudia forderten singend charmant, aber vehement, „Winter, bau uns ein Rathaus“ – in der Burg.

Mit „Chim Chim Cher-ee“ in langsamer und flotter Version gestalteten die Blue Butterflies ihren Schautanz mit gelungenen Hebefiguren. Wettkampf erprobt ist Solistin Sara Hagemann, die diesmal in Schwarz „Tribute von Panem“ verarbeitete. „Warum hast du nicht Nein gesagt“, schmetterte Wolf-Christian Baesecke von den Katholischen Karnevalisten Mühlheim.

Das kreative Herren-Rudel übte einmal mehr in einem romantischen Militärmanöver. Kevin aus Lämmerspiel, der ausgerechnet im Waschplanet des Barons schafft, baggert im „Herzblatt“ Britney an, die mit ihren wilden Hühnern erschienen war.

Das passende Gegenstück zum Rudel sind die „Häuser Gretchen“, die mit reichlich Tüll und Bonbon verteilend auch ohne Comtesse tanzten. Zu den raren Büttenassen gehören zwei „Vädder 2017“, Michael Möser und Oliver Murmann, mit Infusion und Mobile am Hut. Die Babysitter sinnierten über Sex mit Schwangeren und Windelwechseln: „Auf der Packung steht sechs Kilo, da passt noch was nei!“, sah Möser keinen Handlungsbedarf.

Der Kleine liege „an Mamas Brust – de Babba schiebt Frust“. Im Männerballett stampften die „jüngsten“ Babbscher; die Kerle sind nun in den Verein „eingemeindet“ und stiegen in den Box-Ring.

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