Sitzung der Steinheimer Karnevalsgesellschaft

Publikum auf Zeitreise in die 80er

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Und hoch das Bein: Die Dancing Lions begeisterten in der Kulturhalle mit ihrem Marschtanz.

Steinheim - „Zurück in die 80er“ führten die Aktiven der 1. Steinheimer Karnevalsgesellschaft am Samstag in der Kulturhalle die vielen Gäste einer närrischen Gala, die bis nach Mitternacht dauerte. Von Dieter Kögel 

Büttenreden, Tanz, Gesang und das Wiedersehen mit Gestalten, die ein Jahrzehnt geprägt haben, kamen prächtig an. „Seid ihr gut druff?“ Die Frage von Prinz Sascha I. und Prinzessin Anja I. an das närrische Volk war eigentlich eine rhetorische. Schließlich hatte der Spielmanns- und Fanfarenzug der 1. SKG mit seinem Eröffnungsständchen schon für gute Stimmung gesorgt. Und die Musiker überraschten: Anstatt in den gewohnten Uniformen traten sie in Schwesterntrachten auf, ehe sie blitzartig die schwarzen und weißen Hüllen fallen ließen und im Glitzerlook mit Netzstrümpfen die Gäste „Atemlos durch die Nacht“ schickten.

Zurück in die 80er: Das Männerballett „Die Bordsteinschwalben“ sorgte für mächtig Stimmung.

Die Narren im Saal taten gut daran, gleich kräftig mit einzustimmen. Denn wer sich der karnevalistischen Hochstimmung in den kommenden Wochen verweigere, dem drohe die „Höchststrafe,“ so Prinz Sascha I.: „Exil in Klanaam.“ Unter der Leitung von Sitzungspräsident Edgar Noll eröffneten „Die Zuckerpuppen“ der „Peanuts“ das Bühnenprogramm mit einem Showtanz, der die Zeitreise bereits erahnen ließ: Riesenbonbons ließen die jüngsten Tänzerinnen der SKG schweben und hüpfen, und großen Applaus gab es für das musikalische Bekenntnis der Kleinen, dass sie lieber einen Mann statt Schokolade wollen.

Dennoch widmete sich die ersten Programmhälfte mehr der Aktualität. Vor allem auch mit dem Protokoll des Till Eulenspiegel, dargestellt von Petra Jeckel. Längst vorbei die Zeiten, in denen der Spiegel die einfache Aufgabe hatte, zu sagen, wer denn die Schönste im Lande sei. Der Schalck hielt den Gästen einen besorgten Spiegel vor, in dem sich eine Welt mit Tugenden, oder besser Untugenden, abbilde, die längst als überwunden galten. Wenigstens scheint der Mikrokosmos in Steinheim noch halbwegs in der Waage zu sein, auch wenn gerade ältere Menschen gar nicht mehr wüssten, wo sie denn nun eigentlich noch einkaufen können, das Stadtbild in weiten Zügen eher traurig wirke, und Briefkästen Mangelware seien. „Auch in unsrer kleinen Welt, ist es zum Besten nicht bestellt.“ Nachdenkliche Töne einer kritischen Chronistin.

Das „Bobelsche“ ist aber ganz schön alt geworden: Willi Werner machte den Becker – aber ohne Hecht...

Mehr auf karnevalistische Komik indes setzten Manfred Nietsch als Hitzegeschädigter der letzten Heißzeit im September und Angi-Rebecca Köbler, die bei ihrer Bühnenpremiere in der SKG-Bütt witzige Einblicke in die jugendliche Gedankenwelt gab.

Dann gab Edgar Noll die Sitzungsleitung ab. An keinen Geringeren als an Wolfgang Petri, verkörpert von Timo Röhr, der die musikalische Zeitmaschine anwarf und mit „Hölle, Hölle, Hölle!“ gleich den akustischen Nerv der Gäste traf. Den Knopf für die richtige Zeitmaschine betätigten dann die „Kesse Staanemer Mädcher.“ Sie beamten Doc Brown und Marty McFly aus „Zurück in die Zukunft“ auf die Bühne und ließen sie Zeuge eines tänzerischen Wettstreits der „Ghostbusters“ aus den 80er Jahren und denen der Neuzeit werden. Wobei die Geister auf der Bühne eher liebenswerter Natur waren und verschont wurden. Die Geisterjäger waren nämlich eher dem „Weingeist“ auf den Fersen.

Willi und Angelika Werner ließen die schwer gealterten Tennisstars Boris Becker und Steffi Graf auferstehen, Prinz Sascha I. kam als David Hasselhoff vorbei, um nach dem „Freedom“ zu schauen, ABBA gegen Boney M. inszenierten die „mamma Mias“ in flotter Manier, mit einer 80er Show wartete das Männerballett „Bordsteinschwalben“ auf, die „Dancing Lions“ und die „K-Jambs“ boten tänzerische Höchstleistungen, und die Altstadtraben luden nach Mitternacht zum klangvollen Finale. „Trink doch aaner mit, stell disch net so ah…“ Das ließ sich im Saal niemand zweimal sagen. Auch nicht die gekrönten Häupter aus Großauheim, Hausen und Hanau mit Hofstaat. Am kommenden Samstag wird die Sitzung der 1. SKG in der Kulturhalle wiederholt.

Zurück in die 80er mit der Steinheimer Karnevalsgesellschaft: Bilder

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