Amt des Hofmarschalls währt übers ganze Jahr

Roland Keil schwingt stets die Feder

+
Roland Keil bewältigt als Hofmarschall in jeder Kampagne unzählige Termine.

Babenhausen – Seit der Fastnachtskampagne 2011/2012 ist er in Amt und Würden. Und immer noch mit spürbarer Freude dabei: Roland Keil ist der Hofmarschall des Carnevalvereins Babenhausen (CVB) und bewältigt während der närrischen Wochen unzählige Termine. Von Petra Grimm

Aber eigentlich beginnt seine ehrenamtliche Arbeit lange vor der fünften Jahreszeit. Denn bei den Karnevalisten ist umgehend nach der Kampagne vor der Kampagne.

Eine seiner wichtigsten Aufgaben vor der närrischen Zeit ist neben dem Schreiben der Reden die Auswahl des Babenhäuser Prinzenpaares. Auf dessen Suche begibt er sich gemeinsam mit CVB-Präsident Klaus Fengel, mit dem Keil seit Kindertagen befreundet ist, bereits um Ostern herum. „Wir fragen dann zunächst in den eigenen Reihen nach, also bei den Tänzerinnen der Prinzengarde und anderer Gruppen oder beim Komitee, ob Interesse besteht. Manchmal kommen Leute, die nicht zum CVB gehören, auch nach der Fastnacht auf uns zu, weil sie gerne Prinzenpaar wären. Die meisten werden dann aber doch von der Anzahl der Termine abgeschreckt. Die Babenhäuser stehen nicht direkt Schlange für dieses Amt, wir können üblicherweise maximal aus zwei Paaren auswählen“, sagt Keil.

Rund 35 Termine bewältigt der 60-Jährige auch während dieser Kampagne wieder gemeinsam mit dem Prinzenpaar, das er bei den verschiedenen Auftritten begleitet und mit humorigen Reimen vorstellt. Nicht nur bei den Sitzungen im Stadtgebiet, auch beispielsweise beim Gesangverein Harmonie Froschhausen oder beim Empfang des Landrats sind die Babenhäuser Tollitäten seit Jahren zu Gast. Sie sorgen in Kindergärten und in Seniorenheimen für gute Laune und sind die Ehrengäste bei den CVB-Veranstaltungen. Wobei der Hofmarschall betont, dass die närrischen Regenten, „nicht das CVB-Prinzenpaar sind, sondern das Babenhäuser Prinzenpaar“. Der Verein präsentiere das Regentenpaar nur. Die Tollitäten müssen keine Vereinsmitglieder sein und können auch in einem Stadtteil zuhause sein. Tatsächlich waren Langstädter nicht nur einmal auf dem Narrenthron und auch Harreshäuser und Sickenhöfer haben bereits den Bajazz geschwungen und das Krönchen getragen.

Wenn die neuen Regenten auserkoren sind, beginnt Keil im Sommer mit dem Schreiben der diversen Reden für das Prinzenpaar. Er schwingt die Feder aber auch für den Bürgermeister und die anderen Beteiligten beim Rathaussturm, der unter der Regie des Hofmarschalls über das Marktplatzpflaster geht. Üblicherweise verfasst er zudem die Ansprachen des Kinderprinzenpaares, das von Nanette Rauschenbach ausgewählt wird, in diesem Jahr allerdings ausfällt, weil kein Kinderprinz zu finden war. Pubertierende Jungs tun sich schwerer damit, in das Samtkostüm und diese Rolle zu schlüpfen. Interessierte Mädchen gibt es eigentlich immer genug.

„Mein Ziel ist es, immer spätestens Weihnachten mit den Reden fertig zu sein“, sagt Keil, dessen Karriere im CVB 2002 als Gründungsmitglied und Tänzer des inzwischen aufgelösten Männerballetts „Hypertonics“ begann. „Das war teilweise echt stressig, als Hofmarschall und Tänzer bei den Sitzungen auf der Stadthallenbühne aktiv zu sein“, erinnert sich Keil. Da war flottes Umziehen Pflicht. Aber er hat es immer geschafft. Der Mann ist diszipliniert und lotst die Prinzenpaare mit ihren Pagen souverän durch das närrische Protokoll. „Wahrscheinlich trinke ich bei den Sitzungen am wenigsten von allen“, sagt er lachend. Auch Krankheiten haben ihn noch nie von seinen Bühnenauftritten abgehalten. „Krank bin ich erst am Aschermittwoch“, so der Babenhäuser, der das Glück hat, sich für die närrischen Termine beim Arbeitgeber keinen Urlaub nehmen zu müssen: „Ich mache den kaufmännischen Bereich in der Apotheke meiner Frau Sabine und wenn ich weg muss, kann ich natürlich gehen.“

Rathaussturm in Babenhausen: Bilder

Mit Sabine gemeinsam begleitete er in der CVB-Kampagne 2009/2010 die damaligen Tollitäten Elfriede und Winfried (Hofmann) als Junker und Hofdame. „Ich wusste durch dieses Junker-Amt schon, wie viele Termine als Hofmarschall auf mich zukommen würden und habe auch für die damaligen Prinzen schon die Reden geschrieben“, erzählt er über seinen allmählichen Aufstieg in das Amt des Hofmarschalls, zu dem man ernannt und nicht gewählt wird. Dass er seine damalige Lebensgefährtin, Hofdame Sabine, während der Kampagne im Januar 2010 geheiratet hat, weist die beiden zweifellos als echte Vollblutfastnachter aus.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare