Tanzgarde-Tollitäten mit großen Zielen

Prinzessin Kerstin I. und Prinz Martin I. möchten auch andere von der Fastnacht begeistern

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Das diesjährige Prinzenpaar der Dietzenbacher Tanzgarde: Kerstin I. von den Hainäckern ab dem Feld und Prinz Martin I., Großfürst des Frohsinns.

Zugegeben, in einem Atemzug mit Wörtern wie „Fastnachtshochburg“ wird die Kreisstadt wohl für gewöhnlich nicht genannt.

Dietzenbach – Aber wer weiß, ob sich das nicht irgendwann ändert, wenn das Prinzenpaar der Tanzgarde – Kerstin Küppers, ihres Zeichens Lieblichkeit Prinzessin Kerstin I. von den Hainäckern ab dem Feld, und Martin Kothe, Prinz Martin I. , Großfürst des Frohsinns – ihre Begeisterung für die fünfte Jahreszeit flächendeckend in die kreisstädtische Öffentlichkeit gebracht haben.

Prinz Martin I. krönt mit dem Amt eine schon beachtlich beständige Verbundenheit zur Fastnacht. Seit mehr als 40 Jahren ist er aktiv. Geboren in Götzenhain, hat er bei den dort angesiedelten Jahn-Jüngern schon Ende der 70er-Jahre menschliche Pyramiden gebaut, lange hat er dort trainiert, Page des von der SG Götzenhain gestellten Prinzenpaars Dreieich war er auch schon. Ab 1988 ging er zum Tanzen zum TSC Bimmbär, brachte es vom Hessen- bis hin zum Europameister im Gardetanzsport. Der Posten des Hofmarschalls ist ein weiterer Eintrag im närrischen Curriculum Vitae. Das war’s aber noch nicht: Seit 24 Jahren steht Prinz Martin I. in der Bütt – als Soloredner oder im Zwiegespräch.

Prinzessin Kerstin I. ist dem Tanzsport auch schon lange verbunden. Als sie von der Tochter einer Freundin von einer Dietzenbacher Damengarde erfuhr, zögerte sie nicht lange und schloss sich den Gewitterhexen an. „Heute sind’s nur noch die Hexen, aber zu dem Namen stehen wir, mit uns legt sich besser niemand an.“ Seit fünf Jahren wirkt sie in der Tanzgarde als Schriftführerin, mit dem Amt als Prinzessin aber sehe man die Fastnacht noch ein mal von einer ganz anderen Seite. „Man bekommt eine völlig andere Verbindung, karnevalistisch und privat ist das ein Highlight, das i-Tüpfelchen.“ Martin I. fügt an: „Als Prinz ist das schon etwas anderes, man lernt unwahrscheinlich viele Leute kennen, aus der Politik und von anderen Vereinen.“ Was die beiden eint, ist das Bestreben, andere mit ihrer Leidenschaft für die Fastnacht anzustecken.

„Wir wollen auch alte Traditionen wieder aufleben lassen, haben zum Beispiel wieder den Kneipentag veranstaltet, für manche in der Stadt war das vielleicht noch etwas befremdlich“, erzählt sie. „Ja, es könnte noch ein Weilchen dauern, bis das richtig fruchtet“, meint er. Während die Prinzessin im zivilen Leben bei der Sparkassen-Versicherung arbeitet, kann der Prinz in selbigem als Hausmeister an der Ernst-Reuter-Schule tatsächlich direkt an der Basis ansetzen, wenn es darum geht, Begeisterung für die fünfte Jahreszeit zu wecken. Am morgigen Freitag gibt es ab 12.15 Uhr zumindest schon mal einen Empfang des Paares samt buntem Programm im Hof der Schule an der Offenbacher Straße.

Nach Konfliktpotenzial muss man bei den beiden lange suchen: „Der Prinz geht immer zu schnell, deshalb muss er auch hinten laufen, mit Reifrock kommt man eben nicht so schnell vorwärts“, sagt sie. „Das Beste kommt immer zum Schluss, folgt die Erwiderung.“ „Da lass ich ihm mal seine Meinung, er macht ja, was er soll.“

Könnte Prinz Martin I. sich aussuchen, wie die Fastnacht in der Kreisstadt künftig aussieht, dann gäbe es zwei statt einer Sitzung – und einen Umzug mit 80 oder 90 Gruppen. So viele werden es selbstredend noch nicht sein, wenn sich am kommenden Samstag nach der Rathaussturm um 13.11 Uhr der Zug um 15.11 Uhr in Bewegung setzt – eher ein Viertel davon. Um Gruppen für eine Teilnahme zu gewinnen, hat man das närrische Treiben um eine Woche vorverlegt, damit die Konkurrenz nicht so stark ist wie am Wochenende vor dem Rosenmontag.

Bis dahin wird den Tollitäten wenig Zeit zum Verschnaufen bleiben, bei den ganzen hoheitlichen Verpflichtungen. Ohne die Unterstützung aus dem Verein und von Sponsoren sei das alles nicht möglich, sind sich beide einig. Und ab Aschermittwoch? „Vielleicht will ich dann ein, zwei Wochen nichts hören, aber Fastnacht hat man das ganze Jahr, da kommt man nie raus“, sagt Prinz Martin I. Die Prinzessin bestätigt: „Fastnacht heißt nicht nur Kampagne, direkt danach gehts wieder los.

VON CHRISTIAN WACHTER

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