Prinzenpaar genießt das Heimspiel

Karnevalisten liefern ersten Vorgeschmack auf die heiße närrische Phase

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Für ihren herrlichen Mundartgesang feierte das Publikum die Giesemer Trottwa-Lersche. Die Gruppe brachte die Besucher auch in Bewegung.

Dass sie in ihrer Rolle aufgehen, ist nicht zu übersehen. Prinz Björn I. und Prinzessin Astrid I. sind Vollblut-Karnevalisten, die ihre Zeit als Prinzenpaar genießen und mit ihrer Begeisterung anstecken.

Dreieich – Gemeinsam mit Hofmarschall Michael und dem Kinderprinzenpaar Christian I. und Mia I. ist es den Regenten aus den Reihen der SG Götzenhain natürlich vorbehalten, die Sitzung ihrer SGG zu eröffnen. Mit dem Dreieichlied bringen die Majestäten beim Heimspiel gleich mal Stimmung in den Saal und lassen sich auch vom Drachen Basimir nicht aus dem Konzept bringen, aus dessen Maul es immer mal wieder raucht.

Die Halle an der Frühlingstraße ist gut gefüllt, als sich die Narren daran machen, den Besuchern einen amüsanten Abend zu bereiten. Mehr als vier Stunden halten die Fastnachter ihre Gäste bei Laune, servieren einen Mix aus Tänzen, Vorträgen, Musik und Gesang, der kurz vor Mitternacht unter der Regie von Sitzungspräsident Jörg Kaut ins große Finale mündet.

Protokoller Sven Engel arbeitet sich am Weltgeschehen ab, macht deutlich, was er von Donald Trump hält (nämlich nichts), und stärkt einer jungen Klimaaktivistin aus Schweden den Rücken. Doch auch vor der Haustür liegt einiges im Argen. Während die Fußballer in Offenthal, Dreieichenhain und Sprendlingen auf Kunstrasenplätzen kicken können, müssten sich die Götzenhainer mit einer Matschlandschaft begnügen. Andererseits: „Meistens ist der Platz ja eh gesperrt.“

Der Plattbabbler Jürgen Vollhardt von den Bremsern weiß, wie er die Leute zum Lachen bringt. So lässt er sich zum Beispiel darüber aus, wie sich bestimmte Körperteile von Frauen und Männern mit den Jahren so verändern. Das ist charmant-schlüpfrig, soll an dieser Stelle aber nicht näher ausgeführt werden. Interessant sind auch Vollhardts Erinnerungen an ein Relikt aus längst vergangener Zeit – so ein gläsernes Ding, früher als Telefonzelle bekannt. Mit einer Datenbank ohne Strom, das sich Telefonbuch nannte.

Kurz und knackig ist der Auftritt von Carina Ebert und Carsten Lichtinghagen. „Kannst Du mal meine Mami anrufen?“, jammert der an einem Männerschnupfen leidende Gatte und suhlt sich in Selbstmitleid. Die Antwort der Gemahlin gibt’s als mitreißende Playbacknummer. Das hätte man gerne noch ein bisschen länger ausgekostet.

Kein Playback, sondern live und in Mundart singen die Giesemer Trottwa-Lersche. Die „Fast-A-Cappella-Spaß-Combo“, wie sich die acht Jügesheimer selbst nennen, hat den Dreh raus, animiert die Besucher zum Mitsingen und bringt sie mit einer Gymnastikeinlage in Bewegung. Großartig ist die Zugabe „Fassenacht is Pflicht“ zu Michael Holms unvergessenem „Tränen lügen nicht“.

Hoch das Bein: Die Mini Diamonds der SG Götzenhain präsentierten einen klassischen Marsch. Mit Nachwuchs ist die Karnevalabteilung der SGG reich gesegnet.

Der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehren Götzenhain-Offenthal lässt es nach der Pause gewaltig krachen. Als Indianer verkleidet erobern die Musiker die Bühne und machen unter der Regie von Reinhard Göckes ordentlich Dampf, ehe Hanne Wiche und Michael Jung von der Hainer Feuerwehr ihre Erlebnisse aus dem Skiurlaub schildern. Ein wenig zu lang gerät in der Folge der Auftritt von Michael Reisert aus Ober-Roden, der über seinen steinigen Weg zum Fußballprofi berichtet.

Dazwischen kann sich das Publikum immer wieder an Tänzen erfreuen, die von Eigengewächsen der SGG dargeboten werden. Garden verschiedener Altersklassen, Jazztanzgruppe, die Solistinnen Nina Lichtinghagen und Bianca Leppig und die Zwillinge Valerie und Sebastian Piekarek als Tanzpaar zeigen, was sie können. Nicht fehlen dürfen natürlich auch die Jahnjünger, die sich für ihre Turnvorführung in herrlich-altmodische rot-weiß-geringelte Einteiler geschmissen haben, und die Ranzengarde mit einer fetzigen Playbackshow.

Ein Lob verdienen sich nicht nur die Protagonisten auf der Bühne, sondern auch die davor. Die Bewirtung funktioniert hervorragend, Küche und Servicepersonal haben alles im Griff. Auch das darf mal Erwähnung finden.

VON FRANK MAHN

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