Karnevalistischer Motor

Ehrenbrief der Stadt für Matthias Belz

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Überraschung gelungen: Bürgermeister Daniel Tybussek überreichte Matthias Belz den Ehrenbrief der Stadt.

Mühlheim - Matthias Belz, lange Kurzweil-Jahre an der Spitze der Katholischen Karnevalisten Mühlheim (KaKaM), hat den städtischen Ehrenbrief bekommen – er war wirklich überrascht. Von Stefan Mangold 

Wenn’s drauf ankommt, kann Mühlheim eine diskrete Gemeinde sein. Oft hat das zwar noch nicht geklappt. Aber Matthias Belz hatte tatsächlich keinen blassen Schimmer, bekam vorher kein „Das weißt du aber nicht von mir“ geflüstert. Er wusste schlicht nicht, dass Bürgermeister Daniel Tybussek beim Dankeschönabend der Katholischen Karnevalisten Mühlheim (KaKaM) plötzlich hinter dem Vorhang auftauchen würde.

Der ehemalige Chef der Gemeinschaft war davon ausgegangen, dass es alleine um Ehrungen gehen würde wie die für Berta Schrenk, seit 60 Jahren bei den katholischen Karnevalisten von St. Markus, oder für Hanni Ruhr, seit einem halben Jahrhundert bei den Narren. Tybussek aber erschien, um ihn selbst zu ehren. Er dekorierte Belz im Namen des Magistrats mit dem Ehrenbrief der Stadt für „einen Mitbürger, der sich anerkennenswerte Verdienste im kulturellen und sozialen Leben und der Brauchtumspflege seiner Heimatstadt erworben hat“.

Das ist gewissermaßen noch ganz schön tiefgestapelt. Im November 1997, erinnert sich Belz, habe der langjährige KaKaM-Vorsitzende Erich Kilian ihn gefragt, ob er sein Nachfolger werden wolle. Belz sagte zu, „mit dem Wissen, dass Kilian mich aus dem Hintergrund unterstützen wird“. Das hielt nicht lange an. Fünf Monate später verstarb Kilian bei einem Urlaub in Italien. „Nicht nur für die KaKaM war das ein Schock.“ Belz erinnert sich, wie er sich in dieser Zeit auf Dr. Manfred Sondergeld oder seinen Bruder Klaus Belz habe verlassen können, „und natürlich auch auf meine Frau Gerlinde“.

Der Text zum Ehrenbrief erwähnt auch die Jugendzeit von Belz, in der er viele Jahre in St. Markus als Messdiener fungierte. Von dort ist es nur ein kleiner Sprung zur KaKaM, bei der Belz schon 1979 als 25-Jähriger die Prinzenrolle übernommen hatte. Regelmäßig stieg Belz auch in die Bütt, entweder mit Sohn Christian oder mit Bruder Klaus. Dass dies in Zukunft wieder mal passiert, will der nun 63-Jährige nicht ausschließen, „es muss einem nur was Neues einfallen“.

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Letzten Oktober ging der Abteilungsdirektor der Commerzbank in den Ruhestand. Andere übernehmen in so einem Moment einen Vorsitz, Belz gab ihn ab. Nach knapp 20 Jahren an der KaKaM-Spitze habe er „lieber vorne aufrecht zur Türe hinaus gehen wollen, als hinten herausgetragen zu werden“, lacht der Ur-Mühlheimer, der auch auf eine Karriere im Männerballett zurückblickt. Die Übergabe der Führung habe sich angeboten, als sich die KaKaM auf Vorschlag des Mainzer Bistums in einen eingetragenen Verein verwandelte.

Ähnlich wie jetzt über den Ehrenbrief habe er sich über seine Wahl zum Ehrenvorsitzenden der Karnevalisten gefreut. Dem erweitertem Vorstand bleibe er erhalten, „aber oben müssen jüngere ran“. Zwar seien die Sitzungen nach wie vor ausverkauft, „aber die Jungen können neue Trends besser erkennen und vor allem auch umsetzen“. Von Jörg Knipp fühle er sich glänzend beerbt.

Der Bürgermeister erwähnt auch Belz’ Engagement im Lions-Club Mühlheim. Seit dessen Gründung im Jahr 1998 sitzt er auch hier im Vorstand, zuständig für die Finanzen – eine Frage der Logik. Denn in der Bundesregierung rangeln zwar die Parteien darum, wer den Finanzminister geben darf. Wer den undankbaren Posten eines Vereinsschatzmeisters übernimmt, muss aber selten fürchten, sich bei der nächsten Wahl einer Kampfabstimmung ausgesetzt zu sehen: „Von Bankleuten erwartet man, dass sie das machen.“

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