Mit Elan in die Kampagne

"Die Elf Babbscher" präsentieren neue Tollitäten

+
Comtesse Jutta I. und Lederbaron Matthias I. regieren die Obertshausener Narren in der fünften Jahreszeit.

Obertshausen – Seit elf Jahren erfinden sie die Fastnacht neu, polieren alte Bräuche mit frischen Ideen auf. Für ihre närrischen Jubiläumskampagne haben „Die Elf Babbscher“ neue Tollitäten präsentiert, die längst schon ein Paar waren: Lederbaron Matthias I. und Comtesse Jutta I. Von Michael Prochnow 

Ist das jetzt violett, lila oder flieder? Aus dem Internet lächeln die neuen Regenten schon im vollen Ornat, er mit Schärpe und Stulpen, sie mit besticktem Kleid und Stehkragen in der Farbe der „Pink Elephants“. Das sind die Leibwächter der Obertshausener Herrscher, und einer von ihnen war Matthias Paul.

Jetzt ist er „als Häuser Bub unterwegs im Auftrag des Herrn, Princeps Electro der Duplikatoren, Pirat tanzender Gilde und Ritter der feuchtfröhlichen Corona“. Seine Ehefrau heißt ab Samstagabend nicht mehr einfach nur Jutta, sondern „Einwanderin des Mons Biberanum, Diploma der Flora Horticultura und Educatora des Homo sapiens miniaturus, Herrscherin über die Paulaner und liebreizende Sängerin vor dem Herrn“. Oder schlicht „die Erste“. Unbeschriebene Blätter sind beide nicht. Er ist zwar erst seit vier Jahren ein „Babbscher“, vorher tanzte er aber viele Jahre im Männerballett des Katholischen Kirchenchors (KKCH), das im vergangenen Jahr in den Karnevalsverein aufgenommen wurde. Daneben packte er beim Wagen- und beim Bühnenbau mit an.

Schon als Teenager stand der ältere von zwei Brüdern als Kräuterhexe oder Sohn des Hausmeisters in der Kirchenchor-Bütt. In der Katholischen Jugend, bei den Hausener Minis und im Zeltlager war er Gruppenleiter – und begegnete seiner Frau. Auch der Pfarrgemeinde ist er bis heute treu, als stellvertretender Vorsitzender des Pfarrgemeinderats. Beruflich ist der gelernte Kommunikationselektroniker, Fachrichtung Telekommunikation, als Servicetechniker bei Büro-Werner tätig, repariert Drucker, Faxgeräte und Fotokopierer und kümmert sich um Netzwerkanbindungen.

Jutta hat den Beruf der Gärtnerin erlernt und Gartenbau studiert, einige Jahre ein Gartencenter geführt. Wegen der eigenen Sprösslinge schulte sie um und arbeitet als Erzieherin im katholischen Kindergarten St. Josef. Viele Schützlinge aus „ihrer“ Sonnengruppe sind in den Showtanz- und Gardegruppen der „Babbscher“ aktiv. Und auch Jutta ist seit einem Jahr dabei, half hinter der Theke und übernahm Garderobendienst sowie Radwache beim Umzug.

Bilder: Kappenabend der "Elf Babbscher" 

Mehr als 20 Jahre stand sie mit weiteren Sängerinnen und einer Gesangsnummer auf der KKCH-Bühne, schrieb die Texte dazu. Auch für ihre Regentschaft hat sie mit ein paar Freundinnen am Küchentisch bei einem Glas Sekt Strophen verfasst, „die zu Hausen und dem Motto Babbscher‘s Eleven passen“.

Sie ist am Bieberer Berg mit einer Schwester aufgewachsen, mit 13 nach Hausen gekommen und war ebenfalls Gruppenleiterin. Seit dem Jahr 2000 sind Matthias und Jutta ein Paar. Die Kinder haben kurz gestaunt, als sie ihnen von den neuen Ämtern berichteten, „sie sind aber mit dabei“. Der 15-jährige Valentin ist ohnehin Jugendwart im Karnevalsverein und mit einem Trommelwagen bei den „Nodebabbschern“. Marie (13) ist die persönliche Stylistin der Comtesse, macht ihr die Haare schön. Bei der Vorstellung der Eltern als Tollitäten lenkte sie als Zauber-Assistentin aus der Kiste geschickt das Publikum ab.

Matthias und Jutta wurden selbst beim Vorstand vorstellig. Der lud die beiden zu einem Bewerbungsgespräch ein, nach fünf Tagen kam das Okay. Und warum der ganze Stress? „Es macht Spaß“, antworten beide wie aus einem Munde. „Das Vereinsleben ist schön und wichtig“, stellt die Comtesse klar, „wie eine große Familie“. Das Ehepaar freut sich auf viele Besuche bei Gleichgesinnten, „man wird herzlich begrüßt, und alle haben viel Freude an der guten Stimmung und am Feiern“.

Heute geht’s richtig los, um 18.11 Uhr werden die Pauls beim Hofempfang auf dem Gelände der Turngesellschaft vereidigt und inthronisiert, erhalten die Insignien und dürfen fortan im Ornat Staatsbesuche mit ihrem Hofstaat ausführen.

Im närrischen Kalender folgen der Rathaussturm am 19. und die Kneipentour durch elf Gasthäuser am 26. Januar. Am 9. Februar steigt die Jubiläums-Gala-Prunksitzung in traditionellem Stil, die Kappenabende sind am 22. und 23. Februar im Bürgerhaus. Am Fastnachtssamstag ziehen die „Babbscher“ dann zum Karnevalsgottesdienst in St. Pius ein. Insgesamt kommen in der Jubiläumskampagne rund 70 Termine auf die beiden Regenten zu.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare