Wenn Krokodile mit Clowns feiern

Faschingssitzung der Tanzgarde lockt närrische Gäste ins Bürgerhaus

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Dietzenbach - Wenn sich Bürgermeister und Erster Stadtrat als Seeräuber und Marquis de Paris, zwischen Cowboys und Indianern unters Volk mischen, ist die fünfte Jahreszeit angebrochen. Von Sascha Dreger 

„Ich begrüß‘ die ganze Narrenschar, so herzlich wie im letzten Jahr“, begann Sitzungspräsident und Vorsitzender der 1. Dietzenbacher Tanzgarde, Holger Arnold, die große Sitzung im Bürgerhaus-Capitol unter dem Motto „Unner aam Dach“. Mit Leichtigkeit wussten die Solotänzer Mark Wieser und Caroline Krah die Tanzbeine zu schwingen, Luftsprünge zu vollführen und im Spagat zu landen. Auch Lara-Marie Moritz, die der Tanzgarde trotz großer Erfolge im Turniertanz nach wie vor treu ist, zeigte ihr Können. Mit ihrem Bühnendebüt bei einer großen Sitzung verzauberte zudem Marie Niemann als kleine Hexe, die Zuschauer im Saal. Mit Garde- und Showtänzen bewiesen auch die Blue Diamonds, die Prinzengarde, die Dancing Devils und die Gewitterhexen, dass die Tanzgarde ihren Namen zurecht trägt. Im vergangenen Jahr noch als Bienchen umher geschwirrt, tanzten sich die Wonneproppen diesmal als Cowgirls in die Herzen der Zuschauer.

Doch einen Wehmutstropfen gab es auch dieses Jahr wieder: das fehlende Prinzenpaar. „Wir haben alles versucht, aber wir wollen und können niemanden zwingen“, erklärte Arnold. Für das Jahr 2018 hofft er aber wieder auf Dietzenbacher Hoheiten. „Prinzenpaar zu sein, ist das Größte, was einem passieren kann“, sagte Manuela Schreiner. Zusammen mit ihrem Mann Christian saß sie 2006 auf dem närrischen Thron. „Davon zehren wir heute noch.“ Sowohl finanziell als auch mit Rat und Tat wollen die beiden ein mögliches Prinzenpaar für das 40-jährige Vereinsjubiläum unterstützen und hoffen auf weitere Gönner.

Ganz ohne königlichen Glanz aber musste die Sitzung dann doch nicht auskommen. Mit Prinz Mario I. und Prinzessin Judith I. vom Tanzsport- und Karnevalverein „Narrhalla 1946“ aus Messel sowie seiner Tollität Prinz Christian I. und ihrer Lieblichkeit Prinzessin Svenja I. vom Karneval-Verein aus Lederanien, wie Offenbach in der fünften Jahreszeit heißt, beehrten gleich zwei ganze Hofstaaten die Kreisstadt. Mit Pauken und Trompeten füllten sowohl die „Icebreakers“ der Stadtgarde Offenbach als auch der Drumcorp Schwanheim das Capitol lautstark mit Marschmusik, die es dem Publikum schwer machte, ruhig auf den Stühlen sitzen zu bleiben.

Die Stimmung beim als Schokobon, Minion oder Teufelchen verkleideten Narrentum stieg indes anfangs eher verhalten, was die ein oder andere Stimmungsrakete aus Richtung des Elferrats nötig machte. Gegen eine gewisse Unruhe im Saal hatten dagegen die Urgesteine der regionalen Fastnacht in der Bütt anzukämpfen. Mit aberwitzigen Widrigkeiten des Alltags, der nicht immer jugendfreien Sichtweise eines 13-Jährigen auf das Älterwerden oder der Wellness-Kur zweier durch „dick und vollschlank“ gehender Zwillinge waren dann aber doch so manche Angriffe auf die Lachmuskeln garantiert. Vom Lachen über das Staunen bis zum ausgelassenen Feiern war am Schluss für jeden etwas dabei und die anschließende Polonaise führte sowohl Gäste als auch Akteure des Abends nahtlos in die bis zum frühen Morgen dauernde After-Show-Party „unner aam Dach“.

„Unner aam Dach“ - Dietzenbacher Tanzgarde feiert große Fastnachtssitzung: XL-Bildergalerie

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