Mühlheims Feuerwehr feiert Fastnacht

Auch eine Art Rettungsmission

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Kopflastig und körperbetont: Geht gleichzeitig, wie die Kappenabend-Sitzung der Mühlheimer Feuerwehr bewies.

Mühlheim - In Mühlheim kann die Freiwillige Feuerwehr mehr als löschen, retten, bergen, schützen. Am Samstag war eher „lästern, rächen, babbeln, scherzen“ dran: Die Wehr feierte im vollen Saal der Sport-Union Kappenabend. Auch eine Art Rettungsmission.

Kaum eine karnevalistische Kompanie übt so viel Emanzipation wie die Feuerwehr! Das fängt im Elferrat an, hört auf der Bühne längst nicht auf und zieht sich bis hinter die Kulissen. Dort führte nicht nur eine Frau, sondern auch noch eine „Russin“ Regie, Anikó Sugar aus Lämmerspiel zog die Fäden im gut ausgewogenen Programm. Die Retter bewiesen viel Talent und noch mehr Motivation für die Narretei und Sinn für Humor. So stiegen Solo-Künstler in die Bütt, sangen, tanzten und reimten die Brandschützer. Als „Eisbrecher“ eröffnete „Studentin“ Anita Horchers den Reigen. Die zierliche Person suggerierte Probleme mit der Ernährung: „Selbst wenn de’ Schorsch Kluni naggisch im Bett liesche tät’, isch werd’ erst die Bohne’ esse’“. Der Bruder nimmt einen Fresskorb statt einer Frühstücksbüchs’ mit in die Schule. In der Prüfung erklärte die Kandidatin, „Kaloriee’ sin’ winzisch klaane Tierscher, lebe’ im Kleiderschrank und nähen die Kleider enger“, drum „fress’ ich se uff, wo ich se erwische’ kann“. Ein Diplom hat sie wohl bis heute nicht. Aber den ersten blau-roten, vom Vereinsvorsitzenden Andreas Neun entworfenen und vom neuen Sitzungspräsidenten Andreas Sattler überreichten Orden.

Hartmut Broschat, der „Mann vom Arbeitsamt“, blättert sich durchs Leben.

Als „Dieter Bohlen und Bruce Darnell der Mühlheimer Feuerwehr“ und gleichzeitig als Kandidaten für den Posten des Sitzungspräsidenten bewarben sich Bernd Hatzebruch und Andreas „Leo“ Leonard. Gesucht werde einer, der sich „hochgedient hat über Garderobe und Elfer und immer an der falschen Stelle klatscht. Leo beherrsche den Zaubertrick mit dem Zersägen einer Jungfrau, der von Bestatter Glock gesponsort wird, oder „kann mache’, dass mer Luft rieche’ kann“. Dann doch lieber Singen … Hartmut Broschat, der „Vize“ beim kleinen Blasorchester der SUM, war beim Arbeitsamt „zuständig für V wie Veuerwehr“! Er dirigierte die Musiker auch aus der Bütt und sang noch dazu. Und kennt die Köpfe der Wehr erstaunlich gut, vielleicht weil sein Stammtisch im „Tybus-Eck“ steht. „Hausmeister“ Rolf Horcher plauderte aus dem Feuerwehrhaus und lästerte über den „SGL“, während „Sachgebietsleiter“ Peter Manthey ihn belauschte. Horcher klagte über neue Formulierungen wie Schaumkuss mit Migrationshintergrund.

Die „Pizza-Fahrer“ Christian Spahn und Wolf-Christian Bäsecke von der KaKaM werden „Europameister“, trugen aber ein deutsches Trikot. „Pizza vom Tybussek statt Müllers Gas“ sei eine Einnahmequelle für den Magistrat. Beim Ausliefern wetterten sie gegen schnelle Autos und weniger Geschäfte auf der Bahnhofstraße, „denn unsere Stadt ist pleite“. Bei Schelzkes dauerte es ein bisschen länger, „denn rede’ kann der Mann“. „Mir sin’ Andesit-Köpp“, müsst’ es in Dietesheim heißen, lehrten die Boten der Pizza „Revolution“.

Kappensitzung der Feuerwehr Mühlheim: Bilder

Das „R-Team“ verpackte das „Ghetto Bahnhof“ in feine Rock-Rhythmen. Als „Helden der Fastnacht“ fegten die „Lausbuben“ im Tele-Tubbie-Gewand durch die „unendlichen Weiten des Weltraums“, saugten Spaß und Frohsinn aus München, Franken, Düsseldorf und Köln. Ein Renner war freilich der Besuch bei den Müllemer „Backstreet Boys“ mit Einsatzhosen und flammendem Haar. „Zugabe“-Rufe gab’s auch für das Wagenbauer-Männerballett aus Seligenstadt in leuchtend bunten Farben der Fastnacht. Mit Prinzenpaaren, Zugmarschallin und Sonnau-Ritter tanzten die „Sharks“ von der DJK. Und die „Mädchen-Wehr Schlappmäulchen“ schoss mit Wasserpistolen und Klobürsten gute Laune in den Saal.

M.

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