Sängerfreunde im Else-Herrmann-Haus

Das ganze Jahr lang der Knaller

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Hier ist fast alles selbst gemacht: Da wird geschunkelt und gelacht.

Offenbach - „Singe, wem Gesang gegeben!“ Ein Verein, der diese Weisheit offensiv lebt, sind die Sängerfreunde. Das beweisen sie bei Proben, Konzerten und bei der Fastnachtssause im Else-Herrmann-Haus. Dafür waren die Stimmbänder eigens geölt. Von David Heisig

Dem kann das Prinzenpaar Simone Andrea I. und Michael I. von Lederanien nicht aus dem Weg gehen. „An diesen Tagen, da lassen wir gern die Mühen und Sorgen zu Haus“, wird gesungen, die Tollitäten stimmen ein. Der Hofstaat ist so groß, dass Vorsitzender Roland Kraus nicht alle aufzählen kann. „Wir machen lustiges Kennenlernen. Jeder sagt, wie er heißt und warum er hier ist. Und Aschermittwoch stehen wir uff und gehen weiter“, frotzelt Ministerpräsident Simon Isser. Mit Hans Hahn und Alfred Bröhm werden zwei Sänger mit dem lederanischen Verdienstorden geehrt. Die Herren freut’s, auch wenn sich mancher des Eindrucks nicht erwehren kann, dass die Zahl der Aktiven stetig abnimmt. Nachwuchsmangel ist ein Problem. Die Stimmung verdrießen lässt man sich indes nicht. „Wir sind eine Familie“, sagt ein Sänger. So sind viele Bekannte und Freunde aus der Nachbarschaft da.

Durch den Abend führt Charly Engert. Seine Kunstfigur „B-B-B-Boodoooo“ ist aus Lederanien nicht wegzudenken. „Ich brauch’ kein Silvester, ich bin das ganze Jahr ein Knaller“, eröffnet er den Reigen. Von einem Lottogewinn erzählt Ludwig Gabold, zwei Villen, Butler und ein Auto mit 300 PS inklusive. Auch möchte er der Stadt eine neue Stadthalle spendieren. Gabold interagiert mit dem Publikum. Da die Band fehlt, müssen die Gäste den Tusch übernehmen. Also schallt es regelmäßig „Mm-dää“ aus den Reihen, wenn Gabold das Zeichen gibt.

Eine Band gibt es wirklich nicht, mit Florian Kreuzer ist aber ein Freund des Vereins eingesprungen. Für seine Premiere bei den Sängerfreunden erntet er viel Lob. Das Publikum nimmt den Beat gern auf – vehement wird geklatscht und geswingt. Der hübsch dekorierte Saal ist ausverkauft, 100 Gäste sind zu begrüßen. Nicht zum ersten Mal auf der Bühne steht Frieder Gruber. Als „geplagter Ehemann“ legt er überspitzt den Finger in manche Wunde des Geschlechterkampfs: „Mein Job als Ehemann ist echt beschissen.“ Das Thema ist nicht neu, doch Gruber reiht gekonnt seine Gags aneinander. Das Publikum goutiert es mit Gelächter. Ohne Frau indes gehe es nicht, kommt er zum versöhnlichen Schluss.

Bilder: Fastnachtssause der Sängerfreunde Offenbach

Ingrid Neubert und Uschi Barnickel streiten sich über den richtigen Urlaubsort. Die eine will an die See, die andere in die Berge. Der Streit artet aus. In denselben Flieger steigen die beiden bestimmt nie. Kleine Hänger im Text und charmantes Gekicher machen jedoch schnell deutlich: Jenseits der Bütt verstehen sie sich blendend.

Alles ist selbst gemacht, betont Kraus. Eine Ausnahme bilden die Hemdeklunkis aus Fechenheim, die mit ihrem Männerballett auftreten. Ebenso künstlerisch versiert singen Ingrid Neubert, Elsa Müller, Renate Lehmann und Uschi Barnickel als Crazy Chicken einen Schlager-Mix. Bis zum Ende wird gesungen und geklatscht. Mit Liedern wie „Die kleine Winzerin“, „Unser Auto fährt mit Äppelwoi“ oder „Es lebe der Karneval“ klingt der Abend vergnügt aus.

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